Bischof predigt in der Kirche

Doppeljubiläum in der Pfarrgemeinde Schwabelweis

„Die Kirche ist ein Ort des Dankes!“


Schwabelweis, 19. Juli 2026 

Mit einem Pontifikalamt hat die Pfarrgemeinde Schwabelweis das 250-jährige Weihejubiläum der Kirche St. Georg und das 95-jährige Bestehen des Kindergartens gefeiert. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer deutete das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen als Verheißung, dass das Böse nicht das letzte Wort behält.

250 Jahre Kirche und 95 Jahre Kindergarten

Nach dem musikalischen Empfang durch die Blaskapelle Viehhausen und die Kinder des Kindergartens hieß Pfarrgemeinderatssprecher Dr. Andreas Schwertsik den Bischof willkommen. Die beiden Jubiläen seien eine Gelegenheit, dankbar zurückzublicken und das Kommende mit Glauben und Vertrauen zu gestalten.

Pfarrer Michael Alkofer erinnerte daran, dass heute Kirchen profaniert und Kindergärten geschlossen würden. Umso mehr gelte es, die beiden Jubiläen zu feiern. Mit Bischof Rudolf konzelebrierten Pfarrer Andrzej Kuniszewski, Pfarrer Thomas Eckert, Pfarrer Eugen Prusynski und Pfarrer Lucas Lobmeier. Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger, MdB Peter Aumer und Vertreter des Regensburger Stadtrates nahmen ebenfalls an der Feier teil.

Der Projektchor „Jubiläum“ unter der Leitung von Martin Schuderer gestaltete die Eucharistiefeier mit der eigens komponierten „Missa Suabiluensis“. Der Kinderchor sang unter der Leitung von Veronika Frieß.

Bischof Rudolf erinnerte an die lange Geschichte des Gotteshauses. Das Georgspatrozinium lasse auf ein hohes Alter schließen. Im Jahr 2019 wurde der neue Altar geweiht. Seit 250 Jahren markieren die Apostelleuchter jene Stellen, an denen die Kirchenwände mit Chrisam gesalbt wurden. Sie erinnern daran, dass die Kirche auf dem Fundament der Apostel gegründet ist.

Das Böse hat nicht das letzte Wort

In seiner Predigt bezog sich Bischof Rudolf auf das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen aus dem Matthäusevangelium (Mt 13,24–30). Auf der Bildebene gehe es um den giftigen Taumellolch, dessen Körner früher unter den Weizen geraten und das daraus gewonnene Mehl unbrauchbar machen konnten. Das Evangelium handle jedoch nicht von Landwirtschaft, sondern von der Frage: „Woher kommt das Böse? Wie gehen wir damit um? Und was wird zu guter Letzt sein?“

Die entscheidende Aussage sei, dass der Sämann guten Samen ausbringe. Gott sei gut und wolle, dass das Leben des Menschen gelinge. Diese Aussage stehe in Verbindung mit dem Schöpfungsbericht, in dem Gott seine Schöpfung als gut und schließlich als sehr gut bezeichne. Krieg, Hass, Terror und Gewalt zeigten jedoch, dass das Böse zur Wirklichkeit der Welt gehöre. Dafür sei nicht Gott verantwortlich. Niemand dürfe dabei nur auf andere zeigen, sondern müsse auch das eigene Leben betrachten.

Das Gleichnis verheiße, dass das Böse nicht das letzte Wort behalten werde. Bei der Ernte werde das Unkraut vergehen, während das Gute bleibe. Daraus folge der Auftrag, dem Guten Raum zu geben und Lieblosigkeit, Hass und Schuld zunächst in sich selbst zu überwinden.

Zugleich warnte Bischof Rudolf davor, die Welt mit Gewalt verbessern zu wollen. Die Moralisten der Geschichte seien nicht selten zu Terroristen geworden. Als Beispiel nannte er die Französische Revolution, die mit hohen Ansprüchen begonnen und an deren Ende die Guillotine gestanden habe. Christlicher Glaube bedeute dagegen, um einen guten Weg zu ringen, sich Vergebung zusagen zu lassen und auf Gottes Gericht zu vertrauen. Dieses ziele nicht auf Hinrichtung, sondern auf Aufrichtung, Richtigmachen und Gerechtmachen.

Damit schlug der Regensburger Oberhirte die Brücke zur Kirche St. Georg. Das Gotteshaus sei ein Ort des Dankes an den Schöpfer und zugleich ein Ort der Danksagung für die Erlösung. Jesus habe das Böse nicht mit Gewalt bekämpft, sondern es am Kreuz durch seine Liebe überwunden. Er habe das Böse nicht mit Bösem, sondern mit Gutem vergolten.

Deshalb sei die Kirche ein Ort des Trostes, der Hoffnung und der Ermutigung. Hier werde den Menschen Vergebung zugesprochen. Generationen hätten ihre Kinder zur Taufe gebracht. Jugendliche hätten das Sakrament der Firmung empfangen, Brautpaare hätten einander Liebe und Treue versprochen und Angehörige hätten im Vertrauen auf Gottes mildes Gericht Abschied von ihren Verstorbenen genommen.

Auch der heilige Georg stehe als Drachentöter dafür, dass das Böse und der Hass letztlich durch Heiligkeit und Liebe überwunden würden. Die Kirche sage den Menschen, dass Gott gut sei und dass sie sich auf ihn verlassen könnten. Sie wolle bereits in dieser Welt ein Vorgeschmack der himmlischen Herrlichkeit sein.

Die Familie als Hauskirche

Bischof Rudolf dankte den Seelsorgern, Kirchenmusikern, Chören, Ministranten, Lektoren und Kommunionhelfern, den kirchlichen Gremien sowie den Vereinen und Verbänden. Sie trügen dazu bei, dass die Kirche den Alltag durch Schönheit, Glanz und eine Ahnung der himmlischen Herrlichkeit unterbreche.

Besonders würdigte Bischof Rudolf die Eltern und Großeltern als erste Evangelisten und Missionare ihrer Kinder und Enkel. Das Zweite Vatikanische Konzil spreche von der Familie als „Hauskirche“, als Kirche im Kleinen. Wo zu Hause gebetet, über den Glauben gesprochen, die kirchlichen Feste gefeiert und der Sonntag bewusst vom Alltag unterschieden werde, dort werde die Flamme des Glaubens an die nächste Generation weitergegeben. Wo die Hauskirche lebe, da lebe auch die Pfarrkirche.

Mit Blick auf das 100-jährige Bestehen des Kindergartens in fünf Jahren rief der Bischof dazu auf, Kindern und Jugendlichen Freude am Glauben und Orientierung zu geben sowie ihnen die Begegnung mit dem lebendigen Gott zu ermöglichen.

Am Ende dankte Kirchenpfleger Stefan Artmann dem Bischof für die Predigt und die Feier. Er erinnerte an Pfarrer Jakob Egler, der fast 50 Jahre lang Seelsorger in Schwabelweis gewesen sei und die Grundlage für die Innensanierung des Gotteshauses und die bauliche Ertüchtigung des Kindergartengebäudes gelegt habe. Gemeinsam mit Pfarrgemeinderatssprecher Andreas Schwertsik übergab er dem Bischof ein Geschenk.

Anschließend zog die Festgemeinde mit den Vereinen zum Pfarrheim und zum Kindergarten. Dort klangen die beiden Jubiläen beim Pfarrfest aus.

Text und Fotos: Martin Jäger
(SG/jas)
 



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