News Bild Dominikanerorden feiert 800-jähriges Bestehen mit Jubiläumsjahr

Dominikanerorden feiert 800-jähriges Bestehen mit Jubiläumsjahr

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Am 22. Dezember 1216 bestätigte Papst Honorius III den neugegründeten Predigerorden, heute besser bekannt als Dominikanerorden. Dieser 800. Geburtstag ist dem noch heute weltweit aktiven Orden Anlass ein Jubiläumsjahr zu feiern, das vom 7. November 2015 bis zum 21. Januar 2017 dauern wird. 
Die Regensburger Dominikanerinnen laden aus diesem Anlass zum feierlichen Eröffnungsakt am Samstag, den 7. November 2015, in ihre Klosterkirche am Nonnenplatz 1 ein.  Beginn ist um 15.00 Uhr mit einer Kirchenführung, gefolgt von der Verlesung der Festbotschaft des Ordensmeisters. Um 16.00 beginnt die deutsche Vesper des ordensinternen Allerheiligenfestes. Festprediger ist der Provinzial der Süddeutsch-Österreichischen Ordensprovinz, P. Thomas Gabriel Brogl OP. 

Ununterbrochene dominikanische Präsenz in Regensburg seit 1229

In Regensburg verdient das anstehende Jubiläum besondere Beachtung, denn es ist die einzige Stadt Deutschlands, die seit 1229 eine ununterbrochene dominikanische Präsenz aufzuweisen hat. Das im Jahr 1233 gegründete Kloster der dominikanischen Nonnen ist das älteste Dominikanerinnen Kloster Bayerns und besteht trotz aller politischen und religiösen Wirren seither ununterbrochen. Im Zuge der Säkularisation erlosch im Jahr 1806 das dominikanische Leben der Brüder im Kloster St. Blasius, doch die Nonnen in Heilig Kreuz hielten die Stellung bis die Dominikaner im Jahr 2001 am Ölberg das Dominikanische Zentrum errichteten. 

Ausstellung im Jubiläumsjahr 

Von Mitte Mai bis Mitte August 2016 findet im Kreuzgang der Dominikanerkirche St. Blasius  und den angrenzenden Räumen eine Ausstellung über den Dominikanerorden statt mit besonderer Betonung seiner Präsenz in Regensburg und einem umfangreichen Begleitprogramm an verschiedenen Orten der Stadt. Genaueres wird zu gegebener Zeit bekanntgegeben werden.


Über den Predigerorden


Entstehungszeit: Glaubwürdigkeitsproblem einer reichen, verweltlichten Kirche

Der Predigerorden wurde seinerzeit aus einem ganz konkreten seelsorgerischen Anlass heraus gegründet. Zu Beginn des Hochmittelalters vor etwa 1000 Jahren waren die ersten großen Städte entstanden. Deren vor allem auch bildungsmäßig aufstrebende Bevölkerung musste im Glauben unterwiesen und zum christlichen Leben angeleitet werden, vor allem in Anbetracht einer neu aufblühenden laien-gemäßen (und nicht mehr nur auf Orden bezogenen) Religiosität. Der oft schlecht ausgebildete Pfarrklerus war damit intellektuell und personell überfordert. Außerdem hatte die meistenteils reiche, verweltlichte Kirche ein Glaubwürdigkeitsproblem angesichts der gerade in den Städten weit verbreiteten Armut. Als Reaktion darauf war eine religiös orientierte und sich schnell ausbreitende Armutsbewegung entstanden, die sich auf den armen Christus berief. Diese glitt jedoch vor allem in Südfrankreich und Oberitalien in die Häresie ab. Um deren weitere Verbreitung zu verhindern und die Irrgläubigen für die Kirche zurückzugewinnen, leitete das Vierte Laterankonzil von 1215 eine Pastoralreform ein, deren Ziel eine solide theologische Ausbildung und moralische Formung des Klerus war. Fast zeitgleich mit dem Konzil entstanden in mitten der Kirche die Bettelorden - vor allem die Dominikaner, die Franziskaner und die Augustiner Eremiten - und breiteten sich während des 13. Jahrhunderts explosionsartig aus. Ihnen wurde die Umsetzung dieser Reform übertragen. 


Hl. Dominikus gründet männlichen und weiblichen Zweig des Ordens

Der Dominikanerorden wurde vom hl. Dominikus von Guzman, einem kastilischen Geistlichen, gegründet und im Jahr 1216 vom Papst als neuer Orden in der Kirche anerkannt. Ausdrücklicher Daseinsgrund des Ordens ist die Predigt, basierend auf Studium (besonders der theologischen Wissenschaften) und Gebet. Bis zu diesem Zeitpunkt, war das Predigen ein ausschließlich den Bischöfen vorbehaltenes Privileg; mit der Anerkennung des Ordens als 'Predigerorden' (so der offizielle Name) wurde diese Aufgabe auch den Dominikanern übertragen. Um der Aufgabe der Predigt gut gerecht werden zu können, verfügt der Dominikanerorden nach dem ausdrücklichen Willen seines Gründers über einige Besonderheiten: So blieben diejenigen Brüder, denen vor allem die Aufgabe der Predigt übertragen war, nicht ständig an einem Ort, sondern zogen immer wieder für einige Zeit als Wanderprediger - und zwar ganz ausdrücklich und als Zeichen der Armut zu Fuß! - durch die Lande, um möglichst viele Menschen erreichen und zu ihnen predigen zu können. Und um die Brüder zur Erfüllung dieser Aufgabe überhaupt befähigen zu können und sie von der Verwaltung von Grundbesitz und anderen festen Einkünften zu entlasten, ersetzte der hl. Dominikus für seinen Orden die bis dahin - vor allem folgend der Regel des hl. Benedikt: 'ora et labora'  - für Ordensleute verpflichtende Handarbeit (sprich: Feldarbeit), ganz ausdrücklich durch das Studium. Der Lebensunterhalt wurde mit den Gaben der Gläubigen bestritten, d.h. erbettelt. 

 

Bereits zehn Jahre vor der kirchlichen Anerkennung des Ordens hatte der hl. Dominikus im Jahr 1206 mit dem Aufbau des weiblichen Zweiges seines Ordens begonnen. Entstanden war dies gewissermaßen aus einer Notlage heraus: Durch seine Predigt hatte der hl. Dominikus Frauen, die den oben genannten häretischen Sekten verfallen waren, für den Katholischen Glauben zurückgewonnen. Um ihrem Wunsch, auch weiterhin ein strenges religiöses Leben führen zu können, nachzukommen, sammelte er sie in einem Kloster, wo sie nun als klausurierte Nonnen lebten und vor allem anderen für die Mission der Brüder beteten. Bald folgten viele weitere Klöster in verschiedenen Ländern. Ganz analog zum Ordenszweig der Brüder, verfügten auch die Nonnen nie über größeren Landbesitz, sondern lebten buchstäblich von für sie Erbetteltem. Statt manueller (Feld-)Arbeit widmeten sie sich Hand- und Schreibarbeiten verschiedenster Art.


Der Predigerorden und die Dominikanische Familie heute

Heute ist der Predigerorden weltweit präsent. Besondere Tätigkeitsfelder sind die Seelsorge, der interreligiöse Dialog, Forschung und Wissenschaft (z.B. die Ecole biblique et archéologique in Jerusalem), Bildung und Lehre (z.B. in Form von 'Domuni', einer digitalen Universität für das Fernstudium in Philosophie, Theologie, Sozialwissenschaften) usw.

Im Verlauf der Jahrhunderte haben sich dem Orden immer wieder und bis heute verschiedenste Arten von regulierten (d.h. nach einer festen Regel lebende) oder nicht-regulierten Laien und Welt-Geistlichen angeschlossen, z.B. als aktive, in der Welt tätige Schwestern im sog. III. Orden, als Mitglieder von Rosenkranz-Bruderschaften, Laien- oder Priestergemeinschaften. Sie alle werden heute unter dem Begriff 'Dominikanische Familie' zusammengefasst.