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Zur Neuigkeit
Die Beeren des heiligen Johannes
Ribus ruburum
Regensburg, 30. Juni 2026
Sie ist im Juli in fast jedem bayerischen Garten zu finden: die Johannisbeere. Ob rot oder schwarz, manchmal auch weiß, alle Sorten brauchen kaum Pflege und bringen doch Jahr für Jahr überreiche Erträge. Ihren Namen haben die beliebten Beeren von Johannes dem Täufer, an dessen Namenstag am 24 Juni sie langsam zu reifen beginnen.
Ein Strauch voller Früchte
Doch es gibt auch eine Legende zu den Johannisbeeren. Danach soll der Heilige nach einer anstrengenden Wanderung in ein felsiges Tal gekommen sein. Nirgends war eine Quelle zu finden, an der er seinen Durst stillen konnte. So schlief er hungrig und durstig unter einem Strauch ein. Als er am nächsten Morgen erwachte, hing der Strauch voller roter Beeren, obwohl er am Abend zuvor nur grüne Blätter getragen hatte. Johannes aß von den Früchten, die Gott ihm geschickt hatte. So sei der Johannisbeerstrauch zu seinem Namen gekommen.
Gelee und Likör
Ribes rubrum lautet der lateinische Name der roten Beeren, die in einigen Gegenden Bayerns auch Weinbeerl oder Weinbirl genannt werden. Und das hatte früher auch einen ganz besonderen Grund. Da wurde nämlich aus dem Saft der Beeren nicht nur der Jahresvorrat an Gelee hergestellt, sie wurden auch gerne zu Wein und Likör weiterverarbeitet. Aber nicht nur die Beeren schätzte man früher am Johannisbeerstrauch. Auch die Blätter, besonders die der schwarzen Johannisbeere, wurden gepflückt. In der „schlechten Zeit“ hat man sie als Ersatz für Schwarztee verwendet, sie wurden zu diesem Zweck sogar fermentiert.
Der „Gichtstock“
Als Heilmittel werden die Blätter noch heute verwendet. Frisch oder getrocknet zu Tee aufgegossen sollen sie nicht nur bei Erkältung und Husten helfen, sondern auch gegen Gicht und Rheuma – was der schwarzen Johannisbeere auch den Namen „Gichtstock“ einbrachte. Allerdings, so weiß die Überlieferung, muss derjenige, dem die Wirkstoffe des Gichtstocks helfen sollen, die Pflanze allein und schweigend pflücken. Wem Tee und Beeren nicht halfen, der versuchte es mit einem Sympathiezauber: Bei Vollmond musste man den Johannisbeerstrauch dreimal umschreiten. Dann berührte man mit dem schmerzenden Körperteil die Zweige und sprach ebenfalls dreimal: „Du hast die Gicht und ich hab sie nicht“ und übertrug die Krankheit so auf die Pflanze.
„Hochprozentiges“ Heilmittel
Wie oft bei stark riechenden Pflanzen glaubte man auch bei der schwarzen Johannisbeere, dass sie in der Lage sei, Krankheiten zu verarbeiten oder auszulöschen. Heute weiß man, dass besonders die schwarzen Johannisbeeren viel Vitamin C sowie Kalium, Eisen und Phosphor enthalten. Das außerdem enthaltene Anthocyan ist gut gegen Bakterien und wirkt sich positiv auf das Sehvermögen aus. Wer die Gesundheit lieber hochprozentig genießt, der legt eine Hand voll frische Johannisbeerblätter in einen Liter Wodka ein und lässt das Ganze vier Wochen an einem warmen Ort ziehen. Danach wird der inzwischen hellgrüne Schnaps gefiltert und eiskalt getrunken – aber nur mäßig, denn sonst schlägt die gesundheitsfördernde Wirkung schnell ins Gegenteil um!
Rezept Johannisbeerlikör
Ein Kilo schwarze Johannisbeeren von den Stielen zupfen und zerstampfen (z.B. mit einem Kartoffelstampfer). Mit einem Liter Schnaps (Gin, Korn od. Wodka), einer dünn abgeschälten Zitronenschale und einem Stück klein geschnittenen frischen Ingwer in eine Schüssel geben und drei Tage stehen lassen. Dann 1 Kilo Zucker in einem Liter Wasser ohne rühren kochen, bis er Fäden zieht. Den angesetzten Schnaps filtern und mit dem Zuckerwasser vermischen. In Flaschen füllen und drei Tage an der Sonne stehen lassen. Dabei immer wieder schütteln (wenn noch kleine Teilchen in der Flüssigkeit sichtbar sind, erneut filtern und abfüllen).
Text: Judith Kumpfmüller




