News Bild „Dialog verpflichtet": Bischof Rudolf Voderholzer Hauptzelebrant beim Sudetendeutschen Tag

„Dialog verpflichtet": Bischof Rudolf Voderholzer Hauptzelebrant beim Sudetendeutschen Tag

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„Es ist schon an der Zeit gewesen, dass ich an Pfingsten zum Sudetendeutschen Tag komme und mit Ihnen die Eucharistie feiere“. Mit diesen Worten begrüßte der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in der Frankenhalle des Messezentrums Nürnberg die Besucher des Pontifikalamtes anlässlich des 67. Sudetendeutschen Tages zum Thema „Dialog verpflichtet“. In seiner Predigt ging er auf die Fundamente des christlichen Abendlandes, die Sorge um die europäische Identität, Aspekte des Islams und die Beziehungen von ihm selbst bzw. seines Bistums zur Tschechischen Republik bzw. zum Bistum Pilsen ein.

Die programmatische Predigt von Bischof Rudolf Voderholzer können Sie hier nachlesen.

Lesen Sie außerdem die Rede des tschechischen Kulturministers Daniel Herman. Es war die erste Rede eines tschechischen Kulturministers bei einem Sudetendeutschen Tag.

 

 

Zeichen der Verbundenheit zwischen den Bistümern Regensburg und Pilsen

 

Die wichtigsten Konzelebranten neben Bischof Voderholzer – nämlich dessen langjähriger Pilsener Amtsbruder Bischof em. František Radkovský; der Vorsitzende des Sudetendeutschen Priesterwerks, Monsignore Pfarrer Karl Wuchterl (emeritierter Visitator für die Seelsorge an den Sudetendeutschen) und Militärdekan Siegfried Weber (Ehrenkanoniker in Budweis) – stellte der Visitator für die Seelsorge an den Sudetendeutschen Monsignore, Pfarrer Dieter Olbrich, zum Beginn des Gottesdienstes vor. Er dankte den beiden Oberhirten für ihre Anwesenheit gerade am Pfingstsonntag beim Sudetendeutschen Tag.

„Als Sohn einer sudetendeutschen Mutter musste ich schon mal Prioritäten setzen“, wies Bischof Voderholzer darauf hin, dass er im vierten Jahr seines Bischofsamtes erstmals zum Treffen der Sudetendeutschen kam. Besonders freute er sich über die Mitwirkung seines „emeritierten Mitbruders“ Radkovský und das große „Zeichen der Verbundenheit“ angesichts der zahlreichen Gottesdienstbesucher. Die zum Pfingstfest rote liturgische Farbe der Messgewänder erklärte er als religiöses Bekenntnis, d.h. als Farbe des Feuers, des Blutes und der Liebe – eben als Zeichen des Heiligen Geistes, der die Menschen zu Frieden, Versöhnung und letztlich zu einer menschenwürdigen Gesellschaft führen soll.

Frage nach europäischer Identität wichtiger denn je

 

 Zu Beginn seiner Predigt fragte Bischof Voderholzer, warum der Sudetendeutsche Tag ausgerechnet – und das seit nun 67 Jahren – an Pfingsten stattfindet. Er brachte das in Verbindung mit den Pfingstereignissen und -botschaften: Der Heilige Geist bewirke zum einen das Verkünden und Verstehen und damit die Zusammenführung von Menschen unterschiedlichster Herkunft. Zum anderen steht das Pfingstereignis, die Offenbarung des dreifaltigen Gottes, auch für die Gründung der Kirche „als eine universale, katholische, weltumspannende Gemeinschaft“. Die in der Apostelgeschichte genannten Völker deuten dies an. Somit führt Pfingsten, so der Bischof weiter, „zentral zu den Fundamenten des christlichen Abendlandes“.

Und um dies, ja „die christlich-abendländische Identität unseres europäischen Kontinents“, würden sich, so der Oberhirte, angesichts der Migrationsbewegungen, Terroranschläge und des Zuzugs von Flüchtlingen aus vom Islam geprägten Ländern viele Menschen Sorgen machen. In diesem Kontext verwies der Bischof auf die von Papst Franziskus angesprochene „Müdigkeit und Kraftlosigkeit Europas“, forderte aber auch eine geistige Auseinandersetzung, einen Dialog – mit dem Benennen der je eigenen Positionen und des eigenen Wahrheitsverständnisses. Zwar verbinde Juden, Christen und Muslime das Bekenntnis des einen Gottes, aber es gebe auch gravierende Unterschiede. „Das Bekenntnis zum Dreifaltigen Gott, genau das, was wir an Pfingsten feiern, erscheint aus der Sicht des Koran als Gotteslästerung (…) Zu den grundlegenden Glaubensinhalten des Islam gehört die Verneinung der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus“, konkretisierte der Bischof. Er setzte sich dafür ein, diese Unterschiede bzw. Zusammenhänge deutlich zu sehen und anzusprechen. Und ein Zitat von Kardinal Joseph Ratzinger interpretierend ermunterte der Oberhirte die Gläubigen, dass sie als Christen nicht nur das Recht hätten, „von unserem Glauben zu erzählen und ihn öffentlich zu bezeugen. Die Muslime, die zu uns kommen, haben das Recht, von uns zu erfahren, was wir feiern in unseren großen und herrlichen Kirchen“ - dazu etwa auch die Bedeutung des Glockengeläuts, des Kreuzes als Zeichen des Heils im Christentum oder über den Sinn der Fastenzeit und Wallfahrten.

Selbstverständlich ging Bischof Voderholzer auch auf die Bezüge zu Böhmen ein, traf er doch vor fast genau 20 Jahren, im Juni 1996, in Waltsch anlässlich der Feier des 50. Priesterjubiläums von Pater Viktrizius Berndt zum ersten Mal mit Bischof František Radkovský zusammen. In Erinnerung rief er die gemeinsame Sternsinger-Aussendung der Bistümer Pilsen und Regensburg in der Klosterkirche von Kladrau, der Heimat seiner im vergangenen Jahr verstorbenen Mutter. Und am 30. April erfolgte in Pilsen die Weihe von Radkovskýs Nachfolger Bischof Tomáš Holub. Mit der Bitte um die Fürsprache des heiligen Johannes Nepomuk schloss Bischof Voderholzer seine eindrucksvolle Predigt.

 

Emeritierter Pilsener Bischof Radkovský: Guter Kontakt mit Sudetendeutschen

 

Ein Grußwort im Auftrag der Tschechischen Bischofskonferenz richtete der bisherige Pilsener Bischof František Radkovský an die Sudetendeutschen – als Emeritus habe er nun Zeit, zum Sudetendeutschen Tag zu kommen, erklärte er. Er verwies darauf, dass wohl die meisten Anwesenden oder deren Vorfahren aus einer tschechischen Diözese stammen, und nannte die „Spuren der Ahnen – die Kirchen, Friedhöfe, Gräber“, von denen viele nach 1989 von Sudetendeutschen renoviert worden seien – 50 Kirchen alleine im Bistum Pilsen, so Radkovský. Er erwähnte auch die freundschaftlichen Beziehungen auf den diversen kirchlichen und weltlichen Ebenen – die Grenze trenne nun nicht mehr, sondern verbinde die Menschen. „Die Situation hat sich im Ganzen total verändert, der Ton und die öffentliche Meinung sind offen und positiv. Sie selbst haben viel dazu beigetragen, und das ist bei uns auch anerkannt“, würdigte der Altbischof das Engagement der Sudetendeutschen. Und mit Kulturminister Daniel Herman und dessen Einsatz für Versöhnung könnten beide Seiten mit großer Hoffnung in die Zukunft blicken. „Es bleiben nur noch die Sprachbarrieren. Wichtig ist aber, dass wir uns bemühen, damit immer mehr Leute die verschiedenen Egoismen überwinden“, zeigte Radkovský eine der bleibenden Aufgaben auf. Und er selbst drückte seine Hoffnung aus, an weiteren Sudetendeutschen Tagen teilnehmen zu können. Die Kollekte beim Festgottesdienst gehörte für die kirchliche Fachschule in Spálené Poříčí (Brennporitschen), die nach Pilsen umzieht und dann die doppelte Anzahl an Schülern aufnehmen kann.