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Zur Neuigkeit
Der Heilige Toribio ist ein Hirte auf den Straßen Perus
Einblick in die Weltkirche
Regensburg, 20. Mai 2026
Weil Heilige das Leben der Kirche auch lange nach ihrem irdischen Tod prägen, können wir von ihrem Leben viel lernen. Die Erzdiözese Lima erinnert in einem Jubiläumsjahr an den Heiligen Toribio de Mogrovejo.
Peru, die Herzensheimat von Papst Leo XIV. feiert in diesem Jahr ein Jubiläumsjahr. Die katholische Kirche des Landes begeht den 300. Jahrestag der Heiligsprechung von Santo Toribio de Mogrovejo, des zweiten Erzbischofs von Lima und einer der prägenden Gestalten der Evangelisierung Lateinamerikas. Die Heiligsprechung erfolgte am 10. Dezember 1726 durch Papst Benedikt XIII. Heute wird Santo Toribio nicht nur als Patron der Erzdiözese Lima verehrt, sondern auch als Patron des lateinamerikanischen Episkopats. Der Heilige wirkt also weit über Peru hinaus.
Die Peruanische Bischofskonferenz hat aus diesem Anlass ein neues Buch veröffentlicht. Es trägt den Titel „Modelo de vida. Santo Toribio de Mogrovejo. Una catequesis para la santidad“ (Ein Vorbild für das Leben. Der heilige Toribio de Mogrovejo. Eine Katechese zur Heiligkeit). Es ist in spanischer Sprache digital kostenlos zugänglich. Die gedruckte Ausgabe soll in begrenzter Zahl erhältlich sein.
Mehr als eine Biografie
Das Buch ist weniger eine klassische Biografie als vielmehr eine katechetische Jubiläumsschrift. Es zeigt Santo Toribio als wandernden Bischof, als Lehrer des Glaubens, Verteidiger der Indigenen und Vorbild einer missionarischen Kirche. Angestoßen wurde das Projekt von Bischof Carlos García Camader, dem Bischof von Lurín und Präsidenten der Bischofskonferenz. Das Buch will Santo Toribio nicht als ferne Figur der Kirchengeschichte zeigen, sondern als Modell eines Glaubens, der sich in Bildung, Mission, sozialer Verantwortung und Nähe zu den Menschen bewährt.
Toribio Alfonso de Mogrovejo wurde 1538 in Mayorga in Spanien geboren. Er studierte Jura, wurde ein angesehener Kirchenjurist und lehrte an der Universität Salamanca. Sein Lebensweg nahm eine unerwartete Wendung, als er zum Erzbischof von Lima bestimmt wurde. Im Jahr 1581 kam er in Peru an. Das Erzbistum, das er übernahm, war riesig, schwer zu verwalten und von den Spannungen der kolonialen Gesellschaft geprägt. Toribio begegnete dieser Aufgabe nicht statisch, nicht vom Schreibtisch aus. Er machte sich auf den Weg zu den Menschen.
Der wandernde Bischof
Die Erinnerung an den Heiligen ist bis heute vor allem mit dem Bild des wandernden Bischofs verbunden. Er legte Zehntausende Kilometer auf seinen Visitationsreisen zurück. Dabei besuchte entlegene Gemeinden, hörte den Menschen zu, ordnete die kirchliche Verwaltung und drängte auf eine bessere Ausbildung des Klerus. Nach Angaben der Peruanischen Bischofskonferenz werden ihm mehr als 40.000 Kilometer Wege zugeschrieben, das ist in einer nicht motorisierten Welt eine enorme Reiseleistung.
Zu seinem bleibenden Vermächtnis gehört die Sorge um Sprache. Toribio erkannte, dass Verkündigung ohne Verstehen leer bleibt. Er verlangte von Priestern das Studium indigener Sprachen wie Quechua und Aymara und ließ Katechismen nicht nur auf Spanisch, sondern auch in einheimischen Sprachen verbreiten. Das neue Buch der Bischofskonferenz hebt ihn deshalb als unermüdlichen Katecheten hervor. Glaubensunterweisung, kulturelle Sensibilität und kirchliche Ordnung verstand der lebendig miteinander zu verbinden.
Ein Heiliges Jahr in Peru
Das Jubiläum begann am 15. Dezember 2025 mit dem Auftakt eines Heiligen Jahres in Lima. Gläubige versammelten sich an der Kirche San Lázaro und zogen in Prozession über die historische Puente Trujillo, vorbei an Desamparados, bis zur Kathedrale am Hauptplatz. Dort feierte Kardinal Carlos Castillo, Erzbischof von Lima, die Eucharistie. Der Weg durch die Stadt wurde ausdrücklich als Zeichen gedeutet. Die Kirche erinnere sich an einen Heiligen, der als gläubiger Pilger mitten in der Geschichte der Menschen unterwegs war.
Am 13. Dezember fand die feierliche Eröffnungsmesse in Zaña, einem Ort von besonderer Bedeutung für die Lebensgeschichte des Heiligen statt. Dort starb Toribio im Jahr 1606 während einer Pastoralreise. Die Wahl dieses Ortes verankert das Jubiläum nicht allein in Lima, sondern in der Landschaft jener Wege, die Toribio selbst gegangen ist.
Das Erzbistum Lima hat im Rahmen des Jubiläums sieben Jubiläumskirchen benannt. Zu ihnen gehören die Kathedrale von Lima, die Kirche Nuestra Señora de Copacabana im Rímac, die Pfarrei San Marcelo, das Kloster Santa Clara, die Pfarrei Santiago Apóstol, die Pfarrei Santo Toribio de Mogrovejo La Inmaculada und die Kirche San Sebastián. An diesen Orten können Gläubige unter den üblichen Bedingungen einen vollkommenen Ablass erlangen. Die Bedingungen dafür sind die Beichte, der Empfang der Kommunion, Gebet in den Anliegen des Papstes und die andächtige Teilnahme an einer liturgischen Feier oder eine Zeit des Gebets vor Reliquien oder einem Bild des Heiligen.
Kultur und Erinnerung
Kultur gehört ebenso zum Festjahr. Im Palacio Arzobispal von Lima wurde am 27. April, dem Festtag des Heiligen, eine Ausstellung eröffnet, die Toribio als Evangelisierer Perus und als pastorales Vorbild vorstellt. Gezeigt werden bislang unveröffentlichte Objekte, Fotografien, historische Dokumente und Reliquien. Kardinal Castillo hob bei der Eröffnung hervor, dass Toribios Methode der Glaubensunterweisung und Mission bis heute aktuell sei. Vor der Verkündigung stehe das Kennenlernen der Menschen und ihrer Wirklichkeit.
Auch die Kathedrale von Lima spielt im Jubiläum eine besondere Rolle. Dort wird eine bedeutende Reliquie verwahrt, der Schädel Santo Toribios. Die Kathedrale beschreibt ihn als sichtbares Zeugnis eines Hirten, der sein Volk auch in den weiten Gebieten des damaligen Vizekönigreichs begleitete. Er selbst lernte indigene Sprachen und förderte eine Kirche, die den Menschen nahe ist. Nach seinem Tod in Zaña wurden seine sterblichen Überreste nach Lima übertragen. Sie sind bis heute Bestandteil der religiösen und kulturellen Erinnerung der Stadt.
In der Gestalt des Heiligen Toribios verbinden sich mehrere Linien, die auch für die Gegenwart Perus aktuell bleiben. Er steht für Evangelisierung, aber nicht für eine abstrakte Verkündigung. Er steht für kirchliche Ordnung, aber nicht für bloße Verwaltung. Er steht für Heiligkeit, aber nicht für Weltflucht. Der Erzbischof suchte die Gemeinden auf, lernte ihre Not kennen und verband Glaubenslehre mit sozialer Verantwortung. Gerade deshalb kann sein Jubiläum mehr sein als ein historischer Gedenkanlass.
Ein geistlicher Mensch
Die Buch-Publikation der Bischofskonferenz fügt sich in diese Sicht auf den Heiligen ein. Sie erinnert an seine Eucharistiefrömmigkeit, seine Marienverehrung, seine Katechese, seine Rolle bei den Konzilien von Lima. Das war eine Reihe bedeutender Provinzialsynoden der römisch-katholischen Kirche in Peru zwischen 1552 und 1927. Mit dem III. Konzil von Lima (1582–1583) unter dem Heiligen Erzbischof Toribio de Mongrovejo wurden die Beschlüsse des Konzils von Trient für den südamerikanischen Kontinent umgesetzt. Es gilt als Meilenstein der indigenen Mission in Lateinamerika.
Das Buch enthält eine Ansprache von Papst Leo XIV. an die peruanischen Bischöfe, während ihres Ad limina Besuchs im Januar 2026. Darin wird die Kirche in Peru eingeladen, nach Art der Apostel zu leben, in Einfachheit und Mut, im Geist des heiligen Toribio. So gewinnt der 300. Jahrestag der Heiligsprechung eine doppelte Bedeutung. Er blickt zurück auf einen Bischof des 16. Jahrhunderts, der das kirchliche Leben im kolonialen Peru entscheidend prägte. Zugleich stellt er die Frage an die Kirche unserer Tage, wie nahe sie den Menschen ist. Wie ernst nimmt sie ihre Sprachen, ihre Wunden und ihre Kultur? Wie glaubwürdig ist ihre Sorge um die Würde der Armen? Santo Toribio de Mogrovejo wird im Jubiläumsjahr nicht als Denkmal aus Stein präsentiert, sondern als lebendiger Zeuge eines Glaubens, der sich auf den Weg zu den Menschen macht.
Text: Peter Winnemöller
Foto: Shutterstock




