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Der gerade Weg – Fritz Gerlich und das Martyrium

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Fritz Gerlich wurde 1883 geboren. Er studierte Physik und Mathematik, Geschichte und Anthropologie. In München arbeitete er im bayerischen Archivdienst, unter anderem im Bayerischen Hauptstaatsarchiv, veröffentlichte aber schon während dieser Tätigkeit verschiedene journalistische Texte. Gerlich war zunächst nationalistisch eingestellt. Als nach dem Ersten Weltkrieg und der Revolution in München eine Räterepublik errichtet wurde, engagierte er sich gegen diese Republik. Ab 1920 war Gerlich Hauptschriftleiter der „Münchner Neuesten Nachrichten“. Während dieser Zeit befasste er sich auch mit Adolf Hitler; als dieser aber 1923 versuchte, in München und von dort aus in ganz Deutschland durch einen Putsch an die Macht zu kommen, wendete sich Gerlich gegen die NSDAP und gegen Hitler – eine Wende, die auch zu Problemen mit den Geldgebern seiner eher rechts ausgerichteten Zeitung führte.

 

Gegner Hitlers

„Der Novemberputsch Hitlers schließlich, den Gerlich sogleich als gewissenlosen Leichtsinn und als Verrat brandmarkte, heilte ihn endgültig von allen nationalistischen Neigungen. Gerlich nahm es in Kauf, auch zahlrieche Leser der Münchner Neuesten Nachrichten durch seine vielen abrupt erscheinenden Meinungsänderung vor den Kopf zu stoßen. Hitler und Gerlich aber sollten sich fortan nicht mehr aus den Augen lassen“, sagte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer 2017 bei einem Vortrag über Fritz Gerlich.

 

Chefredakteur von „Der gerade Weg“

Der Hitlerputsch dürfte also eine große Zäsur im Leben Gerlichs gewesen sein. Von nun an stellte er sich gegen den Nationalsozialismus – persönlich und journalistisch. Nachdem Gerlich bei den „Münchner Neuesten Nachrichten“ aufhören musste, wurde er wieder im Archiv tätig, übernahm aber später die Verantwortung für die Zeitschrift „Illustrierter Sonntag“. Dabei handelte es sich um ein Boulevardblatt. Gerlich strukturierte die Zeitschrift Stück für Stück um und schuf damit ein Blatt, dass sich gezielt und mutig gegen die NSDAP richtete.

 

Gerlich und Therese Neumann

Da hatte sich bereits eine zweite große Zäsur im Leben Gerlichs vollzogen: Eigentlich war Gerlich evangelisch, trat nun aber zum katholischen Glauben über. Der Auslöser war Therese Neumann aus Konnersreuth. Die „Resl von Konnersreuth“ empfing die Stigmata, also die Wundmale Jesu. Über Jahre hinweg soll sie bis auf den täglichen Empfang der heiligen Kommunion gar nichts mehr gegessen haben – und überlebte dennoch, gestärkt durch die Eucharistie. Neben vielen Bewunderern der Resl gab es auch Gegner, die an Fälschungen oder Betrug glaubten. Zu ihnen gehörte anfangs Fritz Gerlich. Er untersuchte die Angelegenheit um Therese Neumann mit der Absicht, den „Schwindel“ endgültig zu entlarven. Indes geschah das Gegenteil: Gerlich, der sicherlich als kritischer Mensch gelten darf, wurde von Therese Neumann und ihren Wundmalen überzeugt. Er beschäftigte sich mit dem katholischen Glauben und konvertierte, Ergebnis seiner Untersuchung ist gar ein dreibändiges Werk über Neumann. Sie sprach ihm in seinem journalistischen Engagement auch immer wieder Mut zu.

Fritz Gerlich stellte sich in der folgenden Zeit immer stärker gegen den Nationalsozialismus. Dabei fand er mehr als klare Worte. 1932 hieß es in „Der gerade Weg“: „Nationalsozialismus heisst: Lüge, Hass, Brudermord und grenzenlose Not.“ Nur kurz nach der Machtergreifung Hitlers rächten sich die Nationalsozialisten: Gerlich wurde festgenommen, zunächst in München in „Schutzhaft“ genommen. Immer wieder wurde der Journalist gefoltert. Man forderte ihn auf, sich selbst zu erschießen. Gerlich weigerte sich vehement: „Ich bin Katholik.“ In diesen Monaten der Haft hatte sich Gerlich immer mehr mit Theologie und mit seinem Glauben beschäftigt. Am 1. Juli 1934 wurde Fritz Gerlich im Konzentrationslager Dachau erschossen, seiner Frau wurde nur mehr eine mit Blut verschmierte Brille übergeben. 2017 wurde in München der Prozess zur Seligsprechung eröffnet.

 

Tod wegen seines Glaubens

Zuständig für diesen Prozess ist der Theologe Johannes Modesto also „Postulator“. Er hat dafür zu sorgen, dass die schriftlichen Hinterlassenschaften Gerlichs überprüft werden. So soll festgestellt werden, dass Glaube und Sitte des Mannes einer Seligsprechung nicht entgegenstehen. Dabei gilt Gerlich als Märtyrer: Den Zorn der Nationalsozialisten zog sich der Journalist zwar in erster Linie wegen seiner Arbeit auf sich. Diese aber war getragen von seinem christlichen Glauben und seinem Menschenbild. Gegen dieses Menschenbild wendeten sich die Nationalsozialisten. Fritz Gerlich starb für und wegen seines Glaubens.

 

Verantwortung der Presse

Gerlich scheute sich nicht, den Kampf gegen den Nationalsozialismus durch sein Medium zu führen. Dabei muss ihm aber auch klar gewesen sein, dass er sich exponierte. Er konnte sich nicht mehr verstecken, als er einmal begonnen hatte, seine Meinung klar und deutlich zu verkünden. Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil äußerten sich die Konzilsväter im Dekret „Inter Mirifica“ (IM) über die sozialen Kommunikationsmittel. Sie dienen auch der „Ausbreitung und Festigung des Gottesreiches.“ (IM 1). Vor allem die Weltchristen seien gerufen, die „sozialen Kommunikationsmittel mit echt humanem und christlichem Geist zu beseelen, um so den großen Erwartungen der Menschheit und dem Plane Gottes voll zu entsprechen.“ (IM 3) Auch darum sorgte sich Gerlich; sein mutiges Schreiben gegen die Nazis war zugleich Bekenntnis der Gottebenbildlichkeit jedes Menschen.

 

Kreuz Christi

Papst Franziskus schreibt in „Gaudete et exsultate“ (GE) über die Heiligkeit in der Welt von heute: „Jeder Heilige ist eine Sendung; er ist ein Entwurf des Vaters, um zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte einen Aspekt des Evangeliums widerzuspiegeln“ (GE 19). Fritz Gerlich spiegelte in seinem Kampf gegen den Nationalsozialismus eben dieses Evangelium von der Würde jedes Menschen wider.

Er erhob seine Stimme gegen die Unmenschlichkeit und den Hass. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer sagte 2017 während seines Vortrags über Gerlich: „Fritz Gerlich hat das Leben angenommen als Kreuzweg Christi.“

Gebetsbilder für die Seligsprechung Fritz Gerlichs können über die Hauptabteilung Seelsorge bezogen werden:

seelsorgeamt-regensburg.de/Gebetsbild-Fritz-Michael-Gerlich-zur-Seligsprechung

Das Erzbistum München und Freising ruft zudem alle Gläubige auf, wichtige Informationen zu Fritz Gerlich mitzuteilen, die für den Seligsprechungsprozess von Bedeutung sein können. Das geht per Post an

Erzbischöfliches Ordinariat München
Postulator für die Seligsprechungen
Postfach 33 03 60
80063 München

Oder per Email an seligsprechungen@eomuc.de

 

Hören Sie hier einen Vortrag von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zum Leben und Wirken von Fritz Gerlich:

www.bistum-regensburg.de/news/fritz-gerlich-leuchtendes-beispiel-fuer-ein-recht-verstandenes-medienapostolat-5226/

Mehr Informationen zum Leben von Fritz Gerlich finden Sie beim Erzbistum München und Freising:

www.erzbistum-muenchen.de/im-blick/seligsprechung/cont/85024

In München eröffnete Reinhard Kardinal Marx das Seligsprechungsverfahren für Fritz Gerlich:

www.erzbistum-muenchen.de/im-blick/seligsprechung

Zuständig für das Seligsprechungsverfahren ist Postulator Dr. Johannes Modesto. Hier schreibt er selbst über Fritz Gerlich:

www.bistum-regensburg.de/news/internationaler-tag-der-pressefreiheit-bischof-voderholzer-erinnert-an-fritz-gerlich-1883-1934-lob-vom-postulator-im-gerlich-seligsprechungsverfahren-fuer-regensburger-bischof-6040/

Wie läuft eigentlich ein Seligsprechungsverfahren ab? Das können Sie hier nachlesen:

www.bistum-regensburg.de/glauben/heilige-selige-engel/seligsprechung-heiligsprechung/

Einen knappen Lebenslauf zu Fritz Gerlich, die wichtigsten Zitate über den mutigen Widerstandskämpfer sowie ein Interview mit dem Journalisten und Gerlich-Biographen Stefan Meetschen können Sie hier lesen:

www.bistum-regensburg.de/aktuelle-themen/publizist-ns-gegner-katholik-gedenken-an-fritz-gerlich/

Die Biographie „Ein gerader Weg“ von Stefan Meetschen kann hier bezogen werden:

www.fe-medien.de/epages/fe-medien.sf/de_DE/

Vielfältige weitere Informationen und Ausgaben von „Der gerade Weg“ finden sich auch auf einer eigenen Homepage über Fritz Gerlich:

www.gerlich.com

Die Biographie „Fritz Gerlich“ von Rudolf Morsey kann hier bezogen werden:

www.schoeningh.de/view/title/52438