News Bild Das Spitzeln am Allerseelentag – Tradition im Tal der Schwarzen Laber

Das Spitzeln am Allerseelentag – Tradition im Tal der Schwarzen Laber

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Allerseelen, der 2. November, ist traditionell der Tag, an dem wir unserer Verstorbenen gedenken. Ein Tag, den man eigentlich besonnen begehen sollte. Doch Allerseelen ist heute ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag – nur Schüler und Lehrer haben frei. In Beratzhausen, einem kleinen Städtchen Tal der Schwarzen Laber leben die Bewohner an diesem Tag einen besonderen Brauch: Das „Spitzeln“, bei dem auch Christus eine – wenn auch nur marginale – Rolle spielt.

 

Ein Spitzel für den Patenonkel

Das „Spitzel“ ist ein rautenförmiger Lebkuchen, der auch mit einer Schokoladenglasur versehen sein kann. Je nach Ort gibt es weitere Spitzel-Variationen, etwa als Torten oder Kuchen dekoriert mit Engelbildchen oder anderen meist christlichen Motiven. Das Spitzel gilt auch als Zeichen der Liebe und Verbundenheit. So schildert die Beratzhausener Archivpflegerin Inge Molle, dass früher ein Patenkind drei Jahre nach der Firmung am 2. November zum Firmpaten ging und ihm ein Spitzel mitbrachte. Im Gegenzug dazu erhielt das Patenkind vom Firmpaten ein Geschenk, z.B. ein Wachsstöckl. Auch der Verliebte brachte früher seiner Angebeteten ein Spitzel. Die Allerseelenspitzel gibt es in mehreren Orten der westlichen Oberpfalz sowie im angrenzenden Niederbayern – etwa in Hemau, Riedenburg und Kelheim.

„Sei Christus umara Spitzel!“

Heute kann man die Lebkuchenspitzel bereits zwei Wochen vor Allerseelen kaufen. Aber das Spitzeln, in Beratzhausen seit Mitte des 19. Jahrhunderts Brauch, ist auf den Vormittag von Allerseelen festgelegt. Start ist traditionell ab 9 Uhr, nach dem Allerseelen-Requiem. Die erste Station ist für die Kinder, die sich vor dem Gotteshaus versammeln, ist der „Kirchbäck“ gleich neben der Pfarrkirche. „Sei Christus umara Spitzel!“ (Gelobt sei Christus um ein Spitzel), tönt es dann aus vielen Kinderkehlen. Zwar befinden sich im Regal auch Lebkuchenspitzel, doch die warten noch auf Käufer. Daher verteilt die Bäckereimitarbeiterin an die Mädchen und Buben kleine Brezensemmeln – und für jeden nur eines. Mit einem „Danke“ stecken die Kinder das Brezerl in ihre Tasche und machen sich auf zur nächsten Station, während bereits weitere „Spitzler“ in die Bäckerei drängen.

 

Nicht weit weg, im Rathaus, wartet eine Mitarbeiterin im Erdgeschoss in ihrem Büro auf die Kleinen. Bei ihr gibt es Haselnuss-Schnitten – und auch für die Erwachsenen hat sie eine kleine Süßigkeit parat. Und so geht es weiter: In die Metzgereien, hier gibt es eine Scheibe („a Radl“) Wurst, in die weiteren Bäckereien, in die Raiffeisenbank, ins Kaufhaus, ins Schreibwarengeschäft usw. Bis Mittag füllen sich die Taschen und Tüten der Kinder mit allerlei Kleinig- und Süßigkeiten. Im Dritten Reich sollte dieser Brauch – wie manch anderer Heischebrauch – verboten werden. Denn Betteln störte die NS-Machthaber. Doch die Kraft und Tradition des Brauches war stärker. Das Spitzeln in Beratzhausen hat bis in unsere moderne Zeit überdauert und ist eine Besonderheit im n Ort der Schwarzen Laber.

 

Unser Freizeittipp: Brot und Allerheiligenspitzel, Backaktion mit dem Museumsbäcker

Am Sonntag, den 29. Oktober 2017 werden im Freilandmuseum Neusath-Perschen  Brot und Allerheiligenspitzel gebacken. Beim Schallerhof wird der Museumsbäcker Roland Paulus das beliebte Museumsbrot frisch aus dem Steinbackofen anbieten und da es kurz vor Allerheiligen ist, werden beim Kolbeckhof Allerheiligenzöpfe, auch als Allerheiligenspitzel bekannt, gebacken. In der Stube des Kolbeckhofes haben die Besucher die Möglichkeit beim Zubereiten des Teiges und dem richtigen Zöpfe flechten zuzusehen und sich beim Bäcker gleich einige Tipps für das Gelingen eines guten Spitzelteiges zu holen.