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Zur Neuigkeit
Brauchtum in Ostbayern: Wallfahrtsmuseum Neukirchen
Wallfahrt und Volksfrömmigkeit
Regensburg, 3. August 2026
Im Bayerischen Wald, ganz in der Nähe der tschechischen Grenze, liegt der Wallfahrtsort Neukirchen beim Heiligen Blut. Von Herzog Albrecht von Bayern erhielt die Gemeinde im Jahr 1377 die Marktrechte. Neukirchen war Pflegamt und gehörte zum Rentamt Straubing. Weithin bekannt wurde der Ort aber durch seine Wallfahrt. Sie zählt seit Jahrhunderten zu den bedeutendsten Marienwallfahrten in Bayern.
Madonna mit dem gespaltenen Haupt
Die Neukirchener Wallfahrt geht zurück bis ins 15. Jahrhundert. Der Legende nach rettete um das Jahr 1420 eine fromme Bauersfrau ein Gnadenbild vor den Hussiten und brachte es aus dem böhmischen Loučimm nach Neukirchen. Später soll ein Hussit die Marienfigur entdeckt und in einen nahegelegenen Brunnen geworfen haben. Die Figur kehrte jedoch wieder an ihren Platz zurück. Dreimal habe sich dieses Wunder wiederholt, berichtet die Legende. Dann wollte der Hussit die Statue mit seinem Säbel zerschlagen. Als er das Haupt der Marienfigur spaltete, floss zum Entsetzen des Frevlers Blut aus der Wunde. Der Hussit versuchte zu fliehen, doch sein Pferd bewegte sich nicht von der Stelle. So wurde der Ungläubige bekehrt und die Wallfahrt zur Madonna mit dem gespaltenen Haupt nahm ihren Anfang.
Wallfahrtsbrauchtum
Heute erzählt das Neukirchener Wallfahrtsmuseum, das im ehemaligen Pflegschloss eingerichtet wurde, von der langen und bewegten Geschichte der Wallfahrt. Liturgische Geräte, Gedenktafeln, Andachtsbilder und Ablassbriefe, Wallfahrtsmedaillen und die beliebten Nachbildungen des Gnadenbildes sind hier aufbewahrt. Ein besonderer Schatz sind die Mirakelbücher, in denen die wundersamen Gebetserhörungen akribisch festgehalten wurden. Prozessionskerzen, eiserne Opfertiere und unzählige Votivtafeln zeugen vom tiefen Glauben der Pilger, die sich auf den oft beschwerlichen Weg zur Madonna gemacht haben. Aber auch Votivgaben wie hölzerne Arme und Beine, Wachsopfer, Schmuck und Rosenkränze werden im Museum gezeigt.
Es waren die unterschiedlichsten Gründe, die Menschen zu einer Wallfahrt nach Neukirchen bewegten. Einer alten Votivtafel nachempfunden ist die eindrucksvolle Inszenierung eines Holzschlittenunfalls – als einer der vielen Anlässe für eine Wallfahrt. Auch der Museumsbesucher selbst kann sich in einer nachgestellten Bayerwald-Landschaft auf den Pilgerweg begeben.
Wallfahrt und Gewerbe
Die Neukirchener haben über all die Jahre von der Wallfahrt profitiert. Noch heute werden auf dem Kirchenvorplatz mehrere Devotionalienstände betrieben. Ein Großteil der angebotenen Ware wurde und wird in Neukirchen selbst hergestellt. Vor allem die Rosenkranzkettelei war für viele Familien ein wichtiger Nebenverdienst. Auch Schnitzereien und Wachswaren wurden am Ort gefertigt – und haben im Museum einen Platz gefunden.
Die letzte Abteilung beleuchten die Wallfahrten nach und aus Böhmen. Sie waren früher für das Grenzland von großer Bedeutung. Vor allem böhmische Gläubige waren es, die nach Neukirchen pilgerten. Umgekehrt gingen viele Wallfahrten von hier zu böhmischen Gnadenstätten.
Grenzüberschreitende Wallfahrten
Doch die Wallfahrten ins Böhmische sind nicht nur Vergangenheit. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs gehören sie wieder zum Jahresablauf im Chamer Land. Jedes Jahr im November machen sich die Gläubigen von Neukirchen aus mit dem Bus auf den Weg zu ihrer böhmischen Partnergemeinde Loučimm. Den letzten Teil legen die Pilger dann zu Fuß zurück. Gemeinsam wird dann am Ziel ein feierlicher, zweisprachiger Gottesdienst gefeiert. Auch der umgekehrte Weg ist heute wieder lebendig. Zu den großen Marienfesten kommen Pilgergruppen aus den tschechischen Nachbarregionen zum Gnadenbild der Madonna mit dem gespaltenen Haupt, die Neukirchen und Böhmen bis heute verbindet.
Text: Judith Kumpfmüller
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