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Project Africa hat die Mission verändert
Einblick in die Weltkirche
Regensburg, 07. Oktober 2026
Vor knapp fünf Jahrzehnten haben die Salesianer Don Boscos mit „Project Africa“ ihre Präsenz in Afrika systematisch ausgebaut. Missionare aus Europa, Asien und Amerika nahmen den Impuls auf. Heute leben mehr als 2.200 Salesianer in 46 Ländern Afrikas und Madagaskars. Zum 50-jährigen Jubiläum 2030 bereitet der Orden eine dreijährige Erneuerung seiner Mission vor.
Die Salesianer Don Boscos haben mit den Vorbereitungen für das 50-jährige Jubiläum von „Project Africa“ begonnen. Bei einem Treffen der Provinzoberen der neuen Region Ost- und Südafrika vom 2. bis 6. Oktober in Luanda, der Hauptstadt Angolas, beschlossen sie einen dreijährigen Weg von 2027 bis 2029. Er soll an die Geschichte des Projekts erinnern, afrikanische Berufungen stärken und eine gemeinsame Perspektive für die Arbeit des Ordens auf dem Kontinent bis 2050 entwickeln.
Als „Project Africa“ 1980 begann, lebten etwas mehr als 300 Salesianer in wenigen afrikanischen Ländern. Heute sind es mehr als 2.200 in 46 Ländern Afrikas und Madagaskars. Die große Mehrheit der Berufungen auf dem Kontinent stammt inzwischen aus Afrika selbst. Das Missionsprojekt war zunächst von Ordensprovinzen außerhalb Afrikas getragen worden. Es wurde immer afrikanischer und veränderte damit auch seinen Charakter.
Ein afrikanischer Ruf nach mehr Mission
Erste Niederlassungen der Salesianer entstanden ab 1891 in Afrika. Bis in die 1970er Jahre kamen weitere Häuser hinzu. Eine gemeinsame Strategie für den Kontinent gab es jedoch nicht. Der Anstoß zur Veränderung kam aus Afrika selbst. Beim 21. Generalkapitel der Salesianer 1977 und 1978 in Rom gehörte der Ruander Jacques Ntamitalizo zu den wenigen afrikanischen Teilnehmern. Ein Generalkapitel ist die höchste Versammlung eines Ordens und legt dessen grundlegende Ausrichtung fest. Ntamitalizo rief die Kongregation dazu auf, ihre Präsenz auf dem Kontinent entschlossener und systematischer auszubauen.
Der damalige Generalobere Egidio Viganò griff den Vorschlag auf. Das Generalkapitel beschloss, die salesianische Präsenz in Afrika deutlich zu verstärken. Die Idee war nicht, europäische Strukturen einfach auf Afrika zu übertragen. Viganò sprach von einem „afrikanischen Don Bosco“. Das Charisma des Ordens sollte erhalten bleiben, zugleich aber afrikanische Kultur und Lebenswirklichkeit aufnehmen. Die Mission sollte in den afrikanischen Ländern Wurzeln schlagen.
Ab 1980 übernahmen bestehende Salesianerprovinzen Verantwortung für neue Gebiete. Besonders stark engagierten sich Provinzen aus Indien, Italien und Polen. Indische Salesianer gingen nach Kenia, Tansania und in den damaligen Sudan, polnische später nach Uganda.
Missionare aus mehr als 80 Provinzen
Seit Beginn von „Project Africa“ wurden nach Angaben des Ordens fast 1.000 Missionare aus mehr als 80 Ordensprovinzen anderer Kontinente nach Afrika entsandt. Sie gründeten oder übernahmen Pfarreien, Schulen, Berufsbildungszentren und Jugendhäuser. Im Mittelpunkt standen, dem Charisma des Ordens entsprechend, junge Menschen, besonders Jugendliche aus armen Familien und ohne Zugang zu guter Ausbildung.
Das Wachstum verlief schnell. Ende 1985 arbeiteten bereits etwa 500 Salesianer in 29 Ländern. In 19 dieser Länder waren sie innerhalb von sechs Jahren erstmals tätig geworden. Gleichzeitig entstanden eigene Ausbildungsstätten. 1986 gab es bereits vier Noviziate, also Ausbildungsorte für Männer am Beginn des Ordenslebens.
Damit begann eine zweite Phase. Es ging nun nicht mehr nur darum, Missionare zu entsenden und Häuser zu eröffnen. Die neuen Gemeinschaften zogen junge Männer an. Afrikanische Kandidaten traten ein, absolvierten Noviziat und Studium und übernahmen Verantwortung. Heute stammen die meisten Berufungen des Ordens in Afrika aus afrikanischen Ländern.
Nach dem 29. Generalkapitel 2025 wurde die salesianische Präsenz in Afrika in zwei Großregionen gegliedert: West- und Zentralafrika sowie Ost- und Südafrika. Zusammen umfassen sie 16 Ordensprovinzen. Die acht Provinzoberen, die sich im Oktober in Luanda trafen, vertreten rund 1.100 Salesianer, Ordensbrüder, Priester und Priesteramtskandidaten in 21 Ländern.
Wachstum schafft neue Aufgaben
Die rasante Entwicklung bringt neue Aufgaben mit sich. In Luanda ging es nicht nur um Jubiläumsfeiern. Die vorhandenen Ausbildungsstätten halten mit der Zahl der Berufungen nicht überall Schritt. Für Ost- und Südafrika werden nach Angaben der Teilnehmer zwei weitere Noviziate benötigt. Auch zusätzliche Zentren für das Theologiestudium stehen zur Diskussion.
Theologische Ausbildungsstätten betreiben die Salesianer unter anderem in Nairobi, Lubumbashi, Yaoundé und Lagos. Das „Salesian Formation Centre for Africa and Madagascar“ in Nairobi koordiniert Teile der Ordensausbildung. Wo mehr einheimische Berufungen entstehen, werden Ausbilder, Studienplätze, Noviziate und geeignete Gemeinschaften gebraucht.
Das Zentrum „Don Bosco Tech Africa“ unterstützt technische und berufliche Bildung für junge Menschen. In Kakuma im Nordwesten Kenias arbeitet der Orden in einem der größten Flüchtlingsgebiete Ostafrikas und betreibt dort auch eine Ausbildungsstätte für junge Menschen. So bleibt ein ursprünglicher Schwerpunkt des Ordens erhalten. Die Salesianer verstehen ihre Mission besonders als Dienst an jungen Menschen. In vielen Ländern betreiben sie Schulen und Berufsbildungszentren, in denen Jugendliche etwa Elektrotechnik, Mechanik, Landwirtschaft oder Lebensmittelverarbeitung lernen.
Drei Jahre bis zum Jubiläum
Die Vorbereitung auf das Jubiläum erfolgt in drei Schritten. 2027 steht unter dem Leitwort „Remember with gratitude“, „Dankbar erinnern“. Im Mittelpunkt sollen die Geschichten jener fast 1.000 Missionare stehen, die seit 1980 nach Afrika kamen. Ihre Erfahrungen sollen gesammelt und der jüngeren Generation zugänglich gemacht werden.
2028 folgt „Renew with Hope“, „Mit Hoffnung erneuern“. Dann richtet sich der Blick auf Berufungen, Ausbildung und die Erneuerung des missionarischen Auftrags. Besonders junge Menschen in schwierigen Lebenslagen sollen im Mittelpunkt stehen.
Das letzte Vorbereitungsjahr 2029 trägt das Leitwort „Forward with courage“, „Mutig vorangehen“. Dann wollen die Salesianer eine gemeinsame Vision für ihre Mission in Afrika bis 2050 entwickeln. Es geht um Personal, Ausbildung, Jugendpastoral, Kommunikation, Finanzen und die Zusammenarbeit zwischen den Provinzen. Das Jubiläum 2030 soll damit nicht nur an den Beginn des Projekts erinnern. Es fällt in eine Phase, in der die afrikanischen Provinzen zunehmend selbst entscheiden müssen, wie sie ihr Wachstum gestalten und welche Aufgaben sie übernehmen.
Afrika wird selbst zum Ausgangspunkt
Bereits Mitte der 1980er Jahre bemerkten die Salesianer, dass das Projekt den Orden auch außerhalb Afrikas veränderte. In einem internen Bericht hieß es damals, Afrika öffne der Kongregation die Augen und helfe ihr, ihren Gründer Don Bosco neu zu entdecken. Zu diesem Zeitpunkt war „Project Africa“ noch weitgehend auf Missionare und Ressourcen von außen angewiesen.
Vier Jahrzehnte später hat sich das Verhältnis verschoben. Noch immer arbeiten Salesianer aus anderen Erdteilen in Afrika. Zugleich treten dort zahlreiche junge Männer in den Orden ein. Afrikanische Salesianer übernehmen Leitungsaufgaben und werden selbst als Missionare in andere Länder entsandt.
Damit nimmt „Project Africa“ eine Entwicklung vorweg, die inzwischen in der Weltkirche sichtbar ist. Mission verläuft nicht mehr nur von Europa und Nordamerika nach Afrika, Asien oder Lateinamerika. Priester, Ordensleute und Laien aus ehemals klassischen Missionsgebieten tragen heute kirchliches Leben auch außerhalb ihrer Heimat.
Fünfzig Jahre nach der Idee eines engagierten Paters kehrt sich der Fokus um. Der afrikanische Zweig des Ordens bringt nun selbst reiche Frucht für die Kirche, auch für die Herkunftsländer der früheren Afrikamissionare.
Text: Peter Winnemöller
Foto: Shutterstock




