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Zur Neuigkeit
Brauchtum in Ostbayern: Wallfahrt zur Auferstehungskirche Gartlberg
Portiunkula und Krippenschatz
Regensburg, 31. August 2026
Weithin sichtbar auf einem Hügel steht ein besonderes Wahrzeichen der Stadt Pfarrkirchen im Rottal: die Wallfahrtskirche Gartlberg. Die Wallfahrt auf den Berg hat ihren Ursprung in den Schreckenszeiten der Pest- und Hungerjahre nach dem Dreißigjährigen Krieg.
Wundersame Errettung
Nachdem ein Pfarrkirchner ein Marienbild auf dem Berg an einen Baum genagelt hatte, soll der Legende nach ein scheinbar lebloses Mädchen, das aus einer tiefen Wassergrube geborgen wurde, mit Hilfe der Muttergottes wieder zum Leben erwacht sein. Nach dieser wundersamen Errettung kamen immer mehr Pilger zum „Wunderbild“ und zur Heilig-Grab-Kapelle. Auch auf Grund der steigenden Einnahmen konnte der Baumeister Domeniko Christoph Zuccalli im Jahr 1661 mit dem Bau einer Wallfahrtskirche auf dem Gartlberg beginnen.
Am 16. November 1687 wurde das Gnadenbild in die neu errichtete Wallfahrtskirche überführt. Der weithin sichtbare barocke Kirchenbau mit den beiden Türmen, die an die Münchner Frauenkirche erinnern, erhielt bei seiner Weihe am 11. Juli 1688 wegen seiner Wallfahrtsgeschichte ein Doppelpatrozinium zur „Grablegung und Auferstehung Christi“ und zur „Schmerzhalfen Muttergottes“.
Die Portiunkula-Woche
Schon ab 1660 hatten Franziskaner die Betreuung der Wallfahrt übernommen. Mit ihnen erhielt die Wallfahrt auch das päpstliche Privileg des Portiunkula-Ablasses. Der Legende nach soll der heilige Franz von Assisi von Christus einen vollständigen Ablass für diejenigen erwirkt haben, die in der Zeit vom Vesperläuten am 1. August bis zur Vesper am 2. August das kleine Kirchlein besuchen. Von Papst Honorius III. erwirkte er daraufhin einen Ablass für die kleine Landkirche. Im 14. Jahrhundert wurde er dann auf alle franziskanischen Kirchen und Pfarreien übertragen.
Die Franziskaner
Im 17. Jahrhundert hatten die Franziskaner damit begonnen, den Portiunkula-Ablass zu fördern. Papst Gregor XV. weitete das Privileg 1622 auf alle Kirchen des Franziskanerordens aus und später wurden auch die Pfarr- und Filialkirchen einbezogen. Bedingungen für den Ablass waren der Besuch der Kirche, das Beten des „Vaterunser“ und des Glaubensbekenntnisses, sowie ein Gebet nach freier Wahl und der Empfang des Bußsakraments.
Im Jahr 1910 erließ Papst Pius X. schließlich die noch heute geltenden Bestimmungen. Danach können alle Dom- und Pfarrkirchen das Privileg des Portiunkula-Ablasses erhalten.
Portiunkula auf dem Gartlberg
Mitte des 18. Jahrhundert strömen allein in der Portiunkula-Woche Anfang August Tausende zum Gartlberg, um den vollständigen Ablass zu erhalten. Zu den Hoch-Zeiten kamen alljährlich über 25.000 Gläubige zur Wallfahrtskirche. Durch die Säkularisation kam die Wallfahrt jedoch fast zum Erliegen. Mit den Salvatorianern, die 1921 die Betreuung der Kirche übernahmen, wurde der Gartlberg wieder eine bedeutende Marienwallfahrtstätte. Und bis heute wird die Tradition des Portiunkula-Ablasses aufrechterhalten. Während der Haupttage am 1. und 2. August können die Gläubigen in der Wallfahrtskirche den vollkommenen Portiunkula-Ablass zu erlangen. Voraussetzung sind bis heute der Besuch der Kirche, das Gebet (Vaterunser und Glaubensbekenntnis), der Empfang der heiligen Kommunion und eine zeitnahe Beichte.
Vom Hof des Königs nach Niederbayern
Den Salvatorianern ist es auch zu verdanken, dass auf dem Gartlberg jedes Jahr zur Weihnachtszeit ein „königliches Meisterwerk“ aufgebaut wird. Seit mehr als 100 Jahren zieht die berühmte Weihnachtskrippe von Sebastian Osterrieder Gläubige und Kunstkenner zum Krippenschauen auf den Berg. Mit ihrer detailreichen orientalischen Kulisse und den ausdrucksstarken Figuren gilt sie als ein herausragendes Meisterwerk der Krippenkunst.
Ursprünglich war sie als Prunkstück für Prinzregent Luitpold von Bayern gedacht. Dem hatte das Kunstwerk allerdings nicht gefallen und so nutzten die Salvatorianer-Patres in München die Gelegenheit. Sie kauften das kunstvolle Werk und brachten es in ihre Niederlassung auf dem Gartlberg. Hier kann der wertvolle Schatz jedes Jahr zur Weihnachtzeit – gut gesichert und bewacht – in einer der seitlichen Nischen der Wallfahrtskirche bewundert werden.
Text: Judith Kumpfmüller
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