Lange Bittprozession durch die Obermünsterstraße

Bischof Voderholzer feiert Christi Himmelfahrt mit Bittprozession nach St. Emmeram

„Frieden entsteht durch Liebe, Respekt und Vergebung“


Regensburg, 13. Mai 2026

Am Vorabend des Hochfestes Christi Himmelfahrt feierte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer gemeinsam mit Weihbischof Dr. Graf, Dompropst Dr. Frühmorgen, Diakon Weißmann, Regionaldekan Fuchs, Stadtdekan Gerl sowie zahlreichen Gläubigen eine heilige Messe im Dom mit anschließender Prozession nach St. Emmeram. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst vom Chor der Regensburger Domspatzen unter der Leitung von Kathrin Giehl sowie von Prof. Franz Josef Stoiber an der Orgel. Während der Prozession sorgten das Blechbläserensemble „Brassmania“, Kantor Clemens Reichl sowie Sr. Rita als Vorbeterin und Domvikar Dr. Schulz als Vorbeter für einen reibungslosen und stimmungsvollen Ablauf. Im 800. Gedenkjahr des Todes des heiligen Franz von Assisi stand alles im Zeichen des Friedens.

Hoffnung aus der Himmelfahrt Christi

Während des Wortgottesdienstes standen in den Lesungen (Apg 1,1–11; Eph 1,17–23), im Evangelium (Mt 28,16–20) sowie in der Predigt die Hoffnung und die Verheißung der Himmelfahrt Christi im Zentrum. Christus werde so wiederkommen, wie die Apostel ihn in den Himmel auffahren sahen; zugleich werde den Gläubigen durch ihn Kraft zuteil. Die Lesungen öffneten damit den Blick auf jene Hoffnung, die vom Reichtum seines Erbes in Herrlichkeit spricht.

Marienerscheinung und Friedensbotschaft

In seiner Predigt ging der Regensburger Oberhirte auf die Hoffnung in Geschichte und Gegenwart ein. Gerade der 13. Mai, auf den der Vorabend des Christi Himmelfahrtsfestes heuer falle, sei im Blick auf die frohe Botschaft der Hoffnung kirchengeschichtlich in doppelter Weise bedeutsam: Am 13. Mai 1917 berichteten die drei Hirtenkinder von Fátima in Portugal, im äußersten Westen Europas, erstmals von der Erscheinung der Gottesmutter. Diese habe sie zum Gebet, besonders zum Rosenkranzgebet, und zum Gebet für die Bekehrung Russlands aufgerufen. Insgesamt sechs Erscheinungen zwischen Mai und Oktober 1917 folgten, überwiegend an einem Dreizehnten des Monats. Sie gingen der Oktoberrevolution in Russland voraus, und riefen doch schon zum Gebet für die Bekehrung Russlands auf. 1989 schien dieses Gebet endlich erhört worden zu sein. Doch mittlerweile zeige sich, dass der russische Imperialismus in neuem Gewand auftrete. In der Ukraine werde sichtbar, wohin eine Politik der Gewalt und Menschenverachtung führe. Erschreckend sei, so Bischof Rudolf weiter, dass man heute nicht nur für die Umkehr des russischen Machthabers, sondern auch für jene des Präsidenten der ältesten und größten westlichen Demokratie beten müsse.

Pax und Pontifex

Ebenfalls an einem 13. Mai, im Jahr 1981, erschütterte die Nachricht vom Attentat auf Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz in Rom die Welt. Der Papst wurde im damals noch vergleichsweise ungeschützten Papstfahrzeug von einer Kugel getroffen, die sein Herz nur um wenige Millimeter verfehlte. Später vergab er dem Attentäter Mehmet Ali Ağca, dessen mögliche Verbindungen zu Akteuren im sowjetischen Machtbereich bis heute diskutiert werden. Ein Jahr später brachte Johannes Paul II. das Projektil nach Fátima und ließ es in die Krone der Statue der Gottesmutter einarbeiten. Damit setzte er ein bleibendes Zeichen für Frieden, Vergebung und Versöhnung. Schließlich verwies Bischof Rudolf auf die historische deutsche Versöhnung, sichtbar etwa darin, dass Johannes Paul II. im Jahr 1996 gemeinsam mit Helmut Kohl durch das Brandenburger Tor schritt.

Leo XIV. und die Weltpolitik

Auch der heutige Heilige Vater, Leo XIV., führt dieses Erbe fort und engagiert sich weltweit für Frieden und Verständigung. Seine Bewertung der Drohung gegen das iranische Volk als „wirklich nicht akzeptabel“ sei ebenso notwendig gewesen wie sein Hinweis auf „Allmachtsphantasien“, die um uns herum immer unberechenbarer und aggressiver würden.

Bittprozession durch Regensburg

Anschließend zog die versammelte Gemeinde in einer Prozession durch die Regensburger Innenstadt nach St. Emmeram. Im gemeinsamen Gebet bat sie um Frieden und Versöhnung in den Konflikten der Welt. Die Hoffnung besteht im Geist der Himmelfahrt Christi nicht in gewandten Begründungen oder unumstößlichen Gewissheiten, sondern im schlichten Nichtaufgeben. Dafür standen auch die Kerzenlichter in der schwindenden Helligkeit: Sie mochten flackern, doch sie erloschen nicht. Unter dem Glockenläuten von St. Emmeram entließ Bischof Rudolf die Gemeinde schließlich mit seinen Segenswünschen in die aufziehende Dämmerung der Regensburger Altstadt.

Text und Fotos: Simon Färber

(SG)



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