News Bild Bischof Voderholzer besucht die Pfarrei Premberg am Laetare-Sonntag

Bischof Voderholzer besucht die Pfarrei Premberg am Laetare-Sonntag

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn


Premberg, 30. März 2025

Der vierte Fastensonntag – Laetare („Freue Dich“) – ist traditionell ein Tag der Freude mitten in der österlichen Bußzeit. In der Pfarrei St. Martin in Premberg wurde er in diesem Jahr besonders festlich begangen: Bischof Dr. Rudolf Voderholzer besuchte zum ersten Mal die kleine, aber über 1.200 Jahre alte Ortschaft in der Oberpfalz. Die Pfarrkirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. 

In seiner Predigt bezog sich Bischof Voderholzer auf das Tagesevangelium (Lk 15, 1–3.11–32), dem Gleichnis vom verlorenen Sohn, das er als „vielleicht eine der großartigsten und umfassendsten Geschichten, die Jesus erzählt hat“ bezeichnete. Das Gleichnis gehöre zu einem Dreiklang im 15. Kapitel des Lukasevangeliums, in dem es um die Freude des Himmels über das Wiedergefundene gehe – neben dem Gleichnis vom verlorenen Schaf und dem von der verlorenen Drachme. Besonders eindrucksvoll, so Voderholzer, sei die Haltung des Vaters: „Es beginnt mit der unglaublichen Freigebigkeit des Vaters, der weiß, dass er nicht das Recht hat, als Vater den Kindern sozusagen seine Vorstellungen von ihrer Zukunft aufzudrängen.“ Er zahlte seinen Sohn aus, obwohl er schon ahnte, „dass die ersehnte Freiheit in eine noch viel größere Abhängigkeit und eine viel größere Unfreiheit umschlagen wird.“ Doch genau das sei eine wesentliche Botschaft des Gleichnisses: „Junge Leute müssen selber Erfahrungen machen. Man darf sie ihnen nicht ersparen.“ Dass der Sohn schließlich alles verliert und sogar die Schweine um ihr Futter beneidet, sei Ausdruck seines absoluten Tiefpunkts. Der Wunsch zurückzukehren ist anfangs weniger Zeichen einer Bekehrung als vielmehr ein nüchterner Entschluss, bei seinem Vater zumindest satt zu werden. Als der Vater ihn kommen sieht, läuft er ihm entgegen. „Liebe Schwestern und Brüder, im Orient wird normalerweise nicht gelaufen. Die Olympischen Spiele sind nicht in Israel erfunden worden. Wenn im Neuen Testament vom Laufen gesprochen wird, dann muss etwas Unglaubliches passiert sein!“, schmunzelte Bischof Voderholzer und erinnerte an die Hirten, die zur Krippe liefen, oder Petrus und Johannes, die zum leeren Grab eilten.  Der Vater bereitet ein großes Fest für die Wiederkehr seines Sohnes, was dem älteren Sohn missfällt, der der Feier fernbleibt. „Der Vater kommt raus, geht auch ihm entgegen und redet ihm gut zu.“ Das Gleichnis endet, ohne dass wir erfahren, ob der ältere Bruder mit dem Vater zur Feier zurückgegangen ist. „Vielleicht ist das auch die Brücke zu uns: Wie wir uns denn verhalten hätten? Es geht um die Frage: Ist unsere Gottesbeziehung in Freiheit gegründet? Sind wir dem barmherzigen Vater, den uns Jesus verkündet und der ja der himmlische Vater ist, sind wir ihm in Freiheit und Liebe zugetan oder geht es letztlich nur um Nützlichkeiten? “ Es gehe darum, eine Reife, eine erwachsene Frömmigkeit zu erlangen, die dankbar die Abhängigkeit vom himmlischen Vater empfängt und mit ihr die wahre Freiheit zum wahren Menschsein, so der Bischof.

Das Gleichnis sei zugleich Einladung, in uns zu gehen, eine Einladung zur Beichte. Die Lossprechungsformel des Bußsakraments greife das Bild auf: „Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt.“ Einen besonderen Akzent setzte der Bischof mit dem Hinweis auf den Kirchenpatron des Beichtgeheimnisses: den heiligen Johannes Nepomuk. Mit Blick auf dessen Statue erklärte er: „Er legt den Finger auf die Lippen. Was in der Beichte gesagt wird, das geht sonst niemanden etwas an.“ Nepomuk habe das Siegel der Verschwiegenheit nicht gebrochen – und mit dem Leben bezahlt (gewaltsamer Sturz von der Prager Karlsbrücke).

Im zweiten Teil der Predigt wandte sich Bischof Voderholzer der Gemeinde zu. Er dankte den Priestern, besonders für ihren Dienst in der Seelsorge und der Eucharistie, und allen anderen Personen, die in der Pfarrei mitwirken. Den Ministranten bescheinigte er Vorbildcharakter: „Die Leute schauen auf euch. Ihr tragt sehr dazu bei, dass es feierlich und festlich ist in der Liturgie.“ Besonders dankte er dabei auch den Kolpingfamilien und dem Frauenbund. „Dafür bin ich sehr, sehr dankbar. Der Frauenbund und die Kolpingfamilien sind ganz wichtige Elemente. Vergelt’s Gott.“ Ebenso hob der Bischof die Rolle der Familien hervor: „Väter und Mütter, Großväter und Großmütter – sie sind die ersten Evangelisten.“ Wo zu Hause gebetet werde, könne der Funke überspringen. Auch wenn junge Menschen sich vom Glauben entfernen, bleibe das Fundament bestehen. „Das bleibt“, so Voderholzer, „auch wenn vielleicht einmal eine Phase kommt, wie wir es vom jüngeren Sohn heute im Evangelium gehört haben.“ Manchmal müsse man diese Erfahrung machen, um den Wert des Glaubens neu zu erkennen: „Indem man erst einmal erfahren muss, was einem fehlt, wenn man es nicht hat.“ Das Gleichnis vom barmherzigen Vater sei daher auch „ein ganz großer Trost für die Eltern und die Großeltern“, so der Bischof abschließend.

Nach der Heiligen Messe machte Bischof Voderholzer einen Krankenbesuch in der Gemeinde. Anschließend nahm er sich bei Kaffee, Kuchen und Brotzeit im Pfarrheim Zeit für persönliche Gespräche mit den Gläubigen.

Text und Fotos: Simon Doering

(jas)



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