Das Gleichnis sei zugleich Einladung, in uns zu gehen, eine Einladung zur Beichte. Die Lossprechungsformel des Bußsakraments greife das Bild auf: „Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt.“ Einen besonderen Akzent setzte der Bischof mit dem Hinweis auf den Kirchenpatron des Beichtgeheimnisses: den heiligen Johannes Nepomuk. Mit Blick auf dessen Statue erklärte er: „Er legt den Finger auf die Lippen. Was in der Beichte gesagt wird, das geht sonst niemanden etwas an.“ Nepomuk habe das Siegel der Verschwiegenheit nicht gebrochen – und mit dem Leben bezahlt (gewaltsamer Sturz von der Prager Karlsbrücke).
Im zweiten Teil der Predigt wandte sich Bischof Voderholzer der Gemeinde zu. Er dankte den Priestern, besonders für ihren Dienst in der Seelsorge und der Eucharistie, und allen anderen Personen, die in der Pfarrei mitwirken. Den Ministranten bescheinigte er Vorbildcharakter: „Die Leute schauen auf euch. Ihr tragt sehr dazu bei, dass es feierlich und festlich ist in der Liturgie.“ Besonders dankte er dabei auch den Kolpingfamilien und dem Frauenbund. „Dafür bin ich sehr, sehr dankbar. Der Frauenbund und die Kolpingfamilien sind ganz wichtige Elemente. Vergelt’s Gott.“ Ebenso hob der Bischof die Rolle der Familien hervor: „Väter und Mütter, Großväter und Großmütter – sie sind die ersten Evangelisten.“ Wo zu Hause gebetet werde, könne der Funke überspringen. Auch wenn junge Menschen sich vom Glauben entfernen, bleibe das Fundament bestehen. „Das bleibt“, so Voderholzer, „auch wenn vielleicht einmal eine Phase kommt, wie wir es vom jüngeren Sohn heute im Evangelium gehört haben.“ Manchmal müsse man diese Erfahrung machen, um den Wert des Glaubens neu zu erkennen: „Indem man erst einmal erfahren muss, was einem fehlt, wenn man es nicht hat.“ Das Gleichnis vom barmherzigen Vater sei daher auch „ein ganz großer Trost für die Eltern und die Großeltern“, so der Bischof abschließend.
Nach der Heiligen Messe machte Bischof Voderholzer einen Krankenbesuch in der Gemeinde. Anschließend nahm er sich bei Kaffee, Kuchen und Brotzeit im Pfarrheim Zeit für persönliche Gespräche mit den Gläubigen.
Text und Fotos: Simon Doering
(jas)