News Bild Bischof Rudolf Voderholzer feiert Patrozinium im tschechischen Kladrau
Bischof Rudolf Voderholzer feiert Patrozinium im tschechischen Kladrau

„Wo bleibt die Liebe?“

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Kladrau/Kladruby, 14. August 2022

Den jetzt seit rund einem halben Jahr andauernden Krieg in der Ukraine stellte Bischof Rudolf Voderholzer in den Mittelpunkt seiner Predigt beim Patroziniumsgottesdienst in der Schlosskirche in Kladrau/Kladruby. Von hier stammen seine Mutter und Großmutter, seit vielen Jahren zelebriert er hier den Festgottesdienst zum Patrozinium Mariä Himmelfahrt. Viele ehemalige Kladrauer bzw. deren Nachkommen und Angehörige wohnten auch heuer der Eucharistiefeier bei, eine Familie kam sogar aus Flensburg.

Der Bischof würdigte in seiner Predigt die Gottesmutter Maria als die erste, „an der sich das österliche Geheimnis vollendet hat. Als Erste empfing sie von Christus die Herrlichkeit, die uns allen verheißen ist.“ Daher sei Maria ein Zeichen der Hoffnung für alle Menschen und für die ganze Welt. „Mit Recht ist dieser Tag ein Anlass für ein großes Fest – nicht nur in der Kirche, sondern auch darüber hinaus, unten auf dem Marktplatz“, verwies er auch auf die weltliche Feier, das Schlossfest.

Hinweis auf Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg

Neben dieser Freude und Dankbarkeit verwies der Bischof aber – insbesondere in diesem Jahr – auf die unterschiedlichen Sorgen und Nöte im persönlichen, gesellschaftlichen und europa- bzw. weltweiten Bereich: die noch nicht ausgestandene Corona-Pandemie mit den Ungewissheiten im Herbst und Winter und den bereits jetzt feststellbaren wirtschaftlichen und sozialen Schäden. Und natürlich der Krieg seit Ende Februar in der Ukraine mit vielen schrecklichen Berichten und Bildern von Zerstörung – auch der Werte – und weltweiten Auswirkungen: Inflation, Geldentwertung, Hungersnöte, neue Flüchtlingswellen. „Wir alle wissen, was das bedeutet. Viele von uns haben das erlebt. Und deswegen geht es uns so besonders nahe“, richtete er seine Worte besonders an die aus Kladrau stammenden Gottesdienstbesucher. Treffend würden einige Sätze aus dem „Salve Regina“, die er zitierte, diese Situation beschreiben. Als schlimme Besonderheit des Ukraine-Krieges machte der Bischof die Tatsache aus, dass dies ein „Konflikt zwischen Christen, zumeist orthodoxen Schwestern und Brüdern“, sei.

„Ein vom orthodoxen Glauben geprägtes Land überfällt das andere. Die Menschen sind vom selben Glauben, von der selben Hoffnung erfüllt. Wo bleibt die Liebe?“, fragte Bischof Rudolf. Er verwies darauf, dass das Fest „Mariä Himmelfahrt“ auch in der Orthodoxie – unter dem Namen „Fest der Entschlafung Mariens“ – begangen wird und dort den Höhepunkt und Abschluss des Kirchenjahres bildet. „In den meisten Häusern sowohl in Russland wie auch in der Ukraine wird die Gottesmutter verehrt und hängt ein Marienbild. Und so wollen wir heute, an ihrem Festtag, unsere Sorgen und Bitten der Gottesmutter anvertrauen“, leitete Bischof Voderholzer auf das zuvor verteilte Bild mit der Marienikone „Unsere Liebe Frau vom Frieden“ über. Die Ikone stammt aus der Ukraine.

Der spätere Münchner Weihbischof Ernst Tewes, im Zweiten Weltkrieg Militärpfarrer, hat es aus einem Haus in der Ukraine gerettet und nach Deutschland gebracht. Seit 1982 befindet sich die Ikone mit dem Titel „Maria, Königin des Friedens“ in der Kapelle des Priesterseminars in München. Das Domkapitel Regensburg hat nun ein kleines Gebetsbildchen drucken lassen mit einer Reproduktion dieser Ikone auf der Titel- und einem Friedensgebet an Maria auf der Rückseite. Das gemeinsame Gebet bzw. die tschechische Übersetzung bildete den Abschluss der Predigt.

Auch Marianische Männerkongregation im Bistum Pilsen mit dabei

Der Patroziniumsgottesdienst ist auch Treffpunkt der ehemaligen Kladrauerinnen und Kladrauer, die Bischof Voderholzer zuvor persönlich begrüßte. Mit dabei ist aber inzwischen auch eine Abordnung der Marianischen Männerkongregation im Bistum Pilsen mit Bannerträger. Die Aufnahme der Mitglieder und die Weihe des Banners wurden ebenfalls erst in den beiden Vorjahren im Rahmen dieses jährlichen Festgottesdienstes vollzogen. Der Gottesdienst wurde in drei Sprachen gefeiert: neben Deutsch und Tschechisch auch auf Latein, bei den Texten unterstützte der Chor der Pfarrei St. Jakobus Kladrau. Am Nachmittag war noch eine Andacht in der Kladrauer Pfarrkirche mit Totengedenken für die Verstorbenen. Dieser wurde auch im dortigen Friedhof gedacht.

Text und Fotos: Markus Bauer/jas