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Bischof Rudolf feiert Hochfest des heiligen Wolfgang mit vielen Gläubigen

Wo steht die Kirche in zehn Jahren?

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Regensburg, 02. November 2022

„Der heilige Bischof Wolfgang ist ein großer Beistand bei allen Stürmen in der Kirche und in der Gesellschaft.“ Mit diesen Worten begrüßte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer am Montagabend die Gläubigen, die zur Feier des Hochfestes des heiligen Bischof Wolfgang in die Basilika St. Emmeram gekommen waren. Mit Weihbischof Dr. Josef Graf, Pfarrer Roman Gerl und Pfarrvikar Florent Mukalay Mukuba feierte der Bischof die Heilige Messe, die kirchenmusikalisch eindrucksvoll mit der „Spatzenmesse in C-Dur“ von Wolfgang Amadeus Mozart vom Chor der Basilika St. Emmeram und Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters gestaltet wurde. Unter den zahlreich erschienen Gläubigen waren auch die Mitglieder des Domkapitels und der Stiftskapitel sowie die Familiaren des Deutschen Ordens sowie Damen und Ritter des Ordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

„Herr Bischof, wo sehen Sie die Kirche von Regensburg in 10 Jahren?“

Diese Frage, so Bischof Rudolf, bekomme er des Öfteren gestellt, er sei dankbar dafür und nehme gerne den heutigen Festtag des heiligen Wolfgang zum Anlass, einige seiner Gedanken mit den Messbesuchern zu teilen. „Wie werde ich das Bistum an meinen Nachfolger einmal übergeben?“, diese Frage stelle sich Bischof Rudolf oft. Die Corona-Pandemie mit all ihren Folgen, der grausame Krieg in der Ukraine, die Energiekrise  und die steigende Inflationsrate, all dies sei vor drei Jahren nicht voraussehbar gewesen und habe viele Aufgaben für Kirche und Gesellschaft mit sich gebracht. Dabei sei es zum einen wichtig, nicht in Panik zu verfallen und sich in Gottvertrauen zu üben, und zum anderen den Hinweis von Papst Franziskus zu beherzigen, „den Stil der Synodalität zu pflegen, des offenen Austausches; nicht neue Strukturen zu schaffen, sondern die vorhandenen Gremien, die vorhandenen Strukturen in einem Klima des Aufeinander-Hörens und des wertschätzenden Miteinanders zu nutzen“. Um diesen Austausch zu führen und den Schatz des Glaubens lebendig zu halten, besuche er die 15 Dekanate des Bistums, um sich dort mit Haupt- wie Ehrenamtlichen auszutauschen. Es sei auch sehr wichtig, hier nicht eine technisch-pragmatische Herausforderung zu sehen, sondern vor allem eine geistliche.

Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem

„Stärkung des Ehrenamtes“

Der Bischof nannte dabei ganz offen die Einschränkungen finanzieller wir personeller Art, die auf die Kirche zukommen werden. Dabei sei es besonders wichtig, mit den unterschiedlichen Maßnahmen das Ehrenamt zu stärken. Freudig konnte er auch darauf hinweisen, dass am 1. Adventssonntag die Anmeldung für den ersten Ausbildungskurs für Katechistinnen und Katechisten beginne. In der Priesterausbildung im Bistum sei in diesem September das Duale Studium gestartet, bei dem Theorie und Praxis enger verzahnt seien, ein Weg, der bundesweit Aufmerksamkeit erregt habe.

„Leben hat Vorrang vor Strukturen“

Bei allen Bemühungen, so Bischof Rudolf, wolle er sich von diesem Grundsatz leiten lassen. Es gebe so viel lebendigen Glauben im Bistum. Vorhandenes zu stärken oder neu zu beleben, das sei sein Ziel. Er nannte Stichworte wie „Förderung der Hauskirche“ und der „Sonntagskultur“, der „christlichen Lebenskultur“, der Kunst und des Brauchtums, aber auch der Gebetsgruppen und kirchlichen Vereine.

Auch die Kirchenmusik im Bistum zu fördern, sei in diesem Prozess eine wichtige Aufgabe. Regensburg sei mit den Domspatzen und der Hochschule für Kirchenmusik und Musikpädagogik gleich doppelt gesegnet; aber auch in den Pfarreien werde diese durch das Bistum vielfältig gefördert. Bei all diesen Bemühungen sei der heilige Bischof Wolfgang ein gutes Vorbild, der nicht nach Macht gestrebt hätte, sondern nach der Verwirklichung des Evangeliums.

Gemeinsame Eucharistiefeier

„Freund der Slawischen Völker und Missionar des Ostens“

Nach dem Pontifikalsegen zog der Bischof mit den Konzelebranten singend in die Wolfgangskrypta an den Schrein des Bistumspatrons. Dort ruhen seit über 900 Jahren die sterblichen Überreste des heiligen Wolfgang. In den Fürbitten wurde er unter anderem als „Mann des Gebetes und der Betrachtung“, „Freund der Slawischen Völker“ und „Missionar des Ostens“ bezeichnet. Auch wurde er als „Schutzpatron vor plötzlichem Tod“ angerufen.

Ein ganzes Bistum im Zeichen des heiligen Wolfgang

Wohl um 924 in Schwaben geboren, war der heilige Wolfgang von 972 bis 994 der 13. Bischof des Bistums Regensburg. Die Reform der Klöster, sein soziales Wirken, die Abtrennung des böhmischen Teils der Diözese, die die Gründung des Bistums Prag ermöglichte, zählen zu seinen großen Verdiensten. Sein Andenken ist auch heute noch vielfältig lebendig in der Diözese. Seit dem 17. Jahrhundert ist er Hauptpatron der Diözese. Im Jahre 1964 begründete Bischof Dr. Rudolf Graber die „Wolfgangswoche“, deren Höhepunkt die Priesterweihe im Regensburger Dom ist. Verdiente Weltchristen im Bistum werden seit 1973 mit der St. Wolfgangs-Verdienstmedaille ausgezeichnet und bereits 1972 war das St. Wolfgangslied im Regensburger Dom uraufgeführt worden. Anlässlich der Heiligsprechung von Bischof Wolfgang im Jahre 1052 durch Papst Leo IX. wurden seine Gebeine in die damals neu errichtete Krypta unter der Basilika St. Emmeram übertragen. Seit dem Jahre 1877 ruhen sie in dem vergoldeten Wolfgangschrein, der anlässlich der jährlichen Wolfgangswoche die Krypta verlässt. Zum ersten Wolfgangslied „Wir rufen dich Sankt Wolfgang an, dass Gottes Heil uns werde.“ (Gotteslob 929) kam 2009 aus der Feder von Hagen Horoba (Text) und Christian Dostal (Musik) „Gottes Ruf hast Du vernommen“ (Gotteslob 898) dazu. Viele Pfarrkirchen, Schulen und Kindergärten tragen seinen Namen, das Regensburger Priesterseminar (gegründet 1872) ist ihm geweiht, ebenso die Komturei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem (gegründet 1975).

 

Text und Fotos: Carl Prämassing / (jw)