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Bischof Rudolf besucht "Theater hinter Gittern" in der Straubinger JVA

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Bischof Rudolf besuchte die Theatergruppe in der Mehrzweckhalle der Justizvollzugsanstalt (JVA) Straubing. Zum vierten Mal spielte die Theatergruppe im Straubinger Gefängnis die packende Inszenierung "Der böse Geist Lumpazivagabundus" von Johann Nestroy. Im Publikum sitzt Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer gemeinsam mit Domkapitular Thomas Pinzer, Regionaldekan Jakob Hofmann und Dekan Johannes Plank. Amüsiert und begeistert, aber auch nachdenklich verfolgen sie das Spiel um die drei Handwerksgesellen Leim (Tischler), Zwirn (Schneider) und Knieriem (Schuster), um Glücksgöttin Fortuna und weiteren Himmelsbewohnern sowie dem bösen Geist Lumpazivagubundus.

 

"Nix als unverschuldete Unglücksfälle"

Fortuna hat die schwierige Aufgabe, die drei Handwerksburschen zu einem anständigen und tüchtigen Leben zu führen. Und damit beginnt der "Machtkampf" von Glückgöttin Fortuna und dem bösen Geist Lumpazivagubundus, die als Menschen getarnt auf Erden wandeln und in verschiedenen Rollen den drei Handwerksgesellen über den Weg laufen. Sie schließen nicht nur unerwartete Freundschaften, sondern stoßen tatsächlich auch durch einen Traum mit den richtigen Lotteriezahlen auf plötzlichen Reichtum. An manchen Stellen erklingen wahre Lachsalven aus dem Publikum, zum Beispiel als die Hochzeit von Peppi und Leim geplant wird und die Ansage kommt "alle sind eingeladen. Straubing, Regensburg, das ganze Bistum". Aber auch so manche Lieder oder  Sprüche werden mit Sonderapplaus bedacht: "Mein Herz glüht wie ein Bügeleisen" oder wenn einer "Nix als unverschuldete Unglücksfälle gehabt hat". Auch die politische Situation im Landtag und im Europaparlament in Straßburg wird hintergründig beleuchtet. Nicht zuletzt nehmen die Schauspieler ihre eigene Situation selbstironisch auf die Schippe: "Da sperren´s uns ins Zuchthaus und wenn ma Pech ham in Straubing. Da sollen´s fei recht hantig sein".

Was macht glücklich?

"Sehr schön und sehr professionell" sagt Bischof Rudolf am Ende des Stückes, als er sich bei jedem Schauspieler einzeln mit Händedruck bedankt. Manche kennt er schon von früheren Aufführungen, andere sind neu hinzugekommen. Bischof Rudolf findet die Auswahl der Stücke sehr gelungen, gerade 2019 wird die eigene Problematik aufgegriffen. Dieses Mal dreht es sich darum, was glücklich macht: Geld? Liebe? Alkohol? Freunde? Schmunzelnd meint Bischof Rudolf, dass sich Johann von Nestroy (1801 - 1862) wohl nicht gedacht hat, dass sein Stück einmal in einer Justizvollzugsanstalt aufgeführt wird. "Und das von solch tollen Originalen, die wohl auch ein Stück weit ihre eigene Rolle spielen" resümiert der diözesane Oberhirte, über dessen Teilnahme sich nicht nur der stellvertretende Anstaltsleiter Marcus Hegele bei seiner Begrüßung freute.

Theaterspiel gilt als wichtiges Resozialisierungsprojekt

Das "Theater hinter Gittern" hat in der Straubinger JVA schon eine lange Tradition: seit 1976 werden jährlich Stücke gespielt - bayernweit die einzige JVA-Theatergruppe. Die vergangenen 19 Jahre leitete Alfred Jurgasch professionell die Regie und suchte auch das Stück "Der böse Geist Lumpazivagabundus" von Johann Nestroy als Zauberposse mit Gesang in drei Akten für 2019 aus. Aufgrund einer schweren Erkrankung verstarb der "Freund und Regisseur" im November 2018 mit 62 Jahren. Das Team der Schauspieler wollte aber nicht resignieren und zeigte Biss und Durchhaltevermögen. Sie wollten das Lebenswerk des Freundes fortführen und zeigten größtes Engagement an Selbständigkeit, brachten viele eigenen Ideen bei Probeterminen und dem Erarbeiten des Bühnenbildes ein.

"Die Inszenierung geht sehr stark auf die beteiligten Inhaftierten zurück" sagt Organisationsleiter Benjamin Schlegl und sieht darin auch eine Bestätigung dass die Theaterarbeit ein Stück weit verändert und eine tolle Teamleistung ist. Die Theatergruppe zählt zu den wichtigen gelebten Resozialisierungsprojekten in der JVA. Das Theaterstück gibt den Schauspielern die Möglichkeit, für eine gewisse Zeit "auszubrechen" aus dem eintönigen Trott hinter Gefängnismauern. Sie schlüpfen in eine neue Rolle, investieren Herzblut und lernen neue Talente an sich selbst kennen. Am Samstag 11. Mai ist um 14 Uhr die letzte Aufführung des diesjährigen Theaters. Karten gibt es noch beim Leserservice des Straubinger Tagblattes.