Bischof Dr. Rudolf Voderholzer auf dem Kirchplatz, Gotteszell

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer betet Kreuzweg am Kalvarienberg in Gotteszell

Kreuzweg mit Psalmworten des heiligen Franziskus


Gotteszell, 1. März 2026

Am zweiten Fastensonntag betete Bischof Dr. Rudolf Voderholzer gemeinsam mit zahlreichen Gläubigen den Kreuzweg am Kalvarienberg in Gotteszell. Der Weg führte vom Münster St. Anna hinauf zu den historischen Kreuzwegstationen des barocken Ensembles. Gebete und Psalmverse des heiligen Franziskus von Assisi prägten die Feier in besonderer Weise.

Am zweiten Fastensonntag, dem 1. März 2026, durfte die Klostergemeinde Gotteszell Bischof Dr. Rudolf Voderholzer wieder begrüßen. Im Herbst vergangenen Jahres hatte er die ehemalige Klosterkirche, die Pfarrkirche St. Anna, zum Münster St. Anna erhoben. Damals hatte er sich vorgenommen, in der Fastenzeit zum Kreuzweggebet am Kalvarienberg zurückzukehren.

Das im Besitz der Kirchenstiftung befindliche Ensemble ist ein markantes Kennzeichen der Gemeinde Gotteszell. Anlässlich der Jahrhundertfeier zum Erhalt des Gnadenbildes im Jahr 1729 ließ Abt Wilhelm II. um 1734 diesen Kalvarienberg errichten. Der Kreuzweg führt serpentinenförmig hinauf zu den 14 gemauerten Kapellen mit Kreuzwegbildern aus Terrakotta und über den Kreuzwegstationen angebrachten Holzkreuzen, die am Berg in einem eindrucksvollen barocken Ensemble enden.

Am Sonntagnachmittag begrüßte Tobias Magerl, Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Teisnachtal, zu der auch Gotteszell gehört, vor dem Münster auf dem Kirchplatz Bischof Dr. Rudolf Voderholzer. Im Beisein der Pfarrvikare Jude und Christopher, begleitet von mehr als einem Dutzend festlich gekleideter Ministranten und umgeben von einer großen Zahl von Gläubigen begann der gemeinsame Kreuzweg.

Bischof Rudolf wollte anlässlich des 800. Jahrestags des Heimgangs des heiligen Franziskus von Assisi den Kreuzweg in Gotteszell beten. Dazu hatten die Gläubigen ein Gebetsheft erhalten, in dem die Psalmverse des heiligen Franziskus von Assisi kursiv gedruckt waren. „Den Franziskanern sind die heiligen Stätten anvertraut, deshalb ist es naheliegend, den Kreuzweg heuer ganz eng am Leben des heiligen Franziskus auszurichten“, erklärte Bischof Rudolf.

Zur Eröffnung auf dem Kirchplatz vor dem Gotteszeller Münster beteten die Gläubigen: „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung.“ Nach dem Hymnus führte die Ministrantenschar den Kreuzweg an. Der Bischof, ausgestattet mit Bergschuhen, folgte gemeinsam mit Pfarrer Tobias Magerl, den Pfarrvikaren Jude und Christopher, Bürgermeister Georg Fleischmann, seinem Stellvertreter Sepp Saller sowie Mitgliedern der Kirchenverwaltung in einem langen Zug von Gläubigen zur ersten Kreuzwegstation, an der Jesus zum Tode verurteilt wird. „Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, hier und in allen deinen Kirchen auf der ganzen Welt, und wir preisen dich“, hieß es im ersten Psalm des heiligen Franziskus von Assisi. Weitere Psalmverse, Gebete und Lieder folgten. Bald wurde deutlich, dass es sich um eine besonders lebendige und eindrucksvolle Gestaltung des Kreuzweges handelte.

Über einen Wiesenweg ging es zur zweiten Kreuzwegstation, an der Jesus das Kreuz auf seine Schultern nimmt. Wieder auf die Knie fallend beteten der Bischof, Pfarrer Magerl und die Pfarrvikare gemeinsam mit den Gläubigen Psalmverse und sangen eine Liedstrophe. Bei der dritten Station betrachteten sie, wie Jesus zum ersten Mal unter dem Kreuz zusammenbricht.

Auf dem weiteren Weg durch den Wald wurde der Aufstieg zunehmend beschwerlicher. Zahlreiche Steinstufen führten hinauf zum Kalvarienberg. Die letzten Stationen des Kreuzweges liegen nahe beieinander. Den Abschluss des Ensembles bilden die Kreuzigungsgruppe, die Ölberggrotte, die Bergkapelle und die Heilige Stiege.

Letztere erinnert der Überlieferung nach an die Treppe des Pilatus, über die Jesus zum Verhör geführt worden sein soll. Die sakralen Anlagen am Kalvarienberg wurden um 1734 errichtet, nach der Säkularisation im Jahr 1803 zerstört und um die Wende zum 20. Jahrhundert von Wolfgang Mock aus Gotteszell wieder aufgebaut. Die Heilige Stiege wurde 1910 durch Kapuzinerpater Davedelius Wildenauer eingeweiht.

Markant ist auch die Kreuzigungsgruppe. Eine Ergänzung mit Steinkreuzen erfolgte 1776 durch Abt Josef Michl (Abt 1760–1776), der sie wenige Monate vor seinem Tod errichten ließ. Nach der Zerstörung der Kalvarienberganlage blieben die Steinkreuze zunächst ohne Figuren erhalten. Die heutigen Holzfiguren schuf der Oberammergauer Bildhauer Hugo Lang im Jahr 1900.

Die Bergkapelle, eine Lourdeskapelle mit Mariengrotte, bildet den Abschluss des Kreuzweges am Kalvarienberg. Sie wurde unter Abt Wilhelm II. (Abt 1716–1760) im Jahr 1734 errichtet und um 1804 teilweise zerstört. Rund hundert Jahre später ließ Wolfgang Mock die Anlage mit Unterstützung von Wohltätern wieder aufbauen. Am 29. Juli 1900 erhielt die Kapelle durch Pater Hilarius Mayer aus Altötting ihre kirchliche Weihe.

Bei den Abschlussworten des rund zweistündigen Kreuzweges stand der Bischof zwischen den letzten beiden Kreuzwegstationen unter der eindrucksvollen Kreuzigungsgruppe. Er zeigte sich sehr beeindruckt von dem Ensemble der barocken Anlage am Kalvarienberg. Sein aufrichtiger Dank galt der großen Gebetsgemeinschaft, die sich auf dem Weg dorthin über drei Kreuzwegstationen erstreckt hatte. Der Bischof lud die Menschen ein, dieses geistliche Kleinod weiterhin zu nutzen. Zugleich zeigte er sich dankbar und stolz darüber, dass es im Bistum eine solche Anlage gibt. Sein besonderer Dank galt allen, die den Kreuzweg so gut erhalten und für den Besuch sorgfältig vorbereitet hatten. Diese Anlage habe auch bei der Münstererhebung eine Rolle gespielt, so der Regensburger Oberhirte.

Die Gotteszeller dürfen stolz sein auf das, was sie hier geschaffen und bewahrt haben. „Das dürft ihr weit über die Gemeindegrenzen und das Teisnachtal hinaustragen“, ermutigte er die Anwesenden. Er freue sich sehr über die Gelegenheit, diesen Kreuzweg gemeinsam mit der großen Gebetsgemeinschaft gebetet zu haben. Auch das schöne Wetter habe dazu beigetragen, dass dieser Nachmittag zu einem besonderen geistlichen Erlebnis wurde. Nach dem Segen des Bischofs wurde der Kreuzweg mit dem gemeinsamen Lied „Christi Mutter stand mit Schmerzen“ feierlich beendet.

Text: Isolde Deiser

(SG / sig)

Weitere Infos

Unser obiges Bild zeigt Bischof Dr. Rudolf Voderholzer auf dem Kirchplatz von Gotteszell mit Pfarrer Tobias Magerl, umringt von Ministranten und vielen Gläubigen.



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