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Benedikt XVI. – Die Analyse

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Das Schreiben des emeritierten Papstes Benedikt XVI. „Die Kirche und der Skandal des sexuellen Mißbrauchs“ ist am 15. April 2019 im Klerusblatt, in der Zeitschrift der katholischen Geistlichen in Bayern und der Pfalz, erschienen. Lesen Sie hier das Vorwort des ersten Vorsitzenden des Klerusverbandes Msgr. Andreas Simbeck.



Liebe Leserinnen und Leser,

in der Zeit vom 21. bis 24. Februar 2019 blickte die ganze Welt gespannt nach Rom, um den von Papst Franziskus einberufenen Kinderschutzgipfel mit den Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen mitzuverfolgen. Die Glaubwürdigkeit der Kirche scheint verspielt; mit der Konferenz in Rom sollte ein erstes starkes Zeichen gesetzt werden, um Wege aus der Krise zu suchen und die Bahnen für einen neuen Aufbruch in der Kirche zu ebenen. Für einige fielen die Ergebnisse der Versammlung in Rom ernüchternd aus: Hoffnungen und Erwartungen wurden enttäuscht, weil für manche nicht die Ergebnisse geliefert wurden, die sie sich gewünscht hatten.
Völlig überraschend erreichte mich am 11. März 2019 ein Telefonanruf von Sr. M. Birgit Wansing, Büromitarbeiterin von Papst em. Benedikt XVI., mit der Bitte, einen Artikel des Heiligen Vaters in unserem Klerusblatt zu veröffentlichen, in dem er sich zur gegenwärtigen Situation der Kirche äußern und aus der Rückschau heraus versuchen würde, Impulse für einen neuen Aufbruch zu geben. Dieser, seiner Bitte kommen wir gerne nach und geben Ihnen seinen Text in der vorliegenden Ausgabe zur Kenntnis. Zudem ist es eine große Ehre, dass der Heilige Vater mit seinem Wunsch auf den Klerusverband e. V. zukommt und als dessen prominentestes Mitglied exklusiv seine Gedanken mit uns, dem Bayerischen Klerus, teilt.
Die Überlegungen von Papst em. Benedikt XVI. beinhalten keinen historischen Abriss, in dem detailliert beschrieben wird, was in den letzten Jahrzehnten an Aufarbeitung der Missbrauchsfälle nicht gelungen ist, oder wie es überhaupt zu solch einem Machtmissbrauch innerhalb der Kirche kommen konnte. Ebenso wenig handelt es sich um eine persönliche und emotionale Schilderung der Ereignisse, in denen der Papst uns erzählt, wie er die Dinge als damaliger Erzbischof von München und Freising, als früherer Präfekt der Glaubenskongregation oder als ehemaliges Oberhaupt der katholischen Kirche wahrgenommen hat.
Vielmehr handelt es sich bei diesem Beitrag um einen philosophischen und theologischen Aufsatz: der Heilige Vater schreibt pointiert und mit klarem Blick für das Wesentliche, wie er es schon zu Zeiten als Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie getan hat.
Mit seinem Artikel spannt Papst Benedikt em. XVI. einen weiten Bogen: Zunächst nimmt er Bezug auf die Moral der Gesellschaft und des Menschen sowie auf die Moraltheologie der Kirche und stellt deren Wandel und Verfall dar, der den Machtmissbrauch begünstigte. In einem zweiten Schritt leitet er daraus wichtige Erkenntnisse für die kirchliche Praxis ab, insbesondere auch für die Ausbildung und Lebensweise der Priester. In einem dritten Themenabschnitt fragt der Heilige Vater nach einem neuen Verständnis von Kirche und nach Formen des Aufbruchs, damit sie nicht weiterhin nur als starrer Verwaltungsapparat gesehen wird.
Für sein entgegengebrachtes Vertrauen habe ich mich bei Papst em. Benedikt XVI. mit einem persönlichen Brief bedankt.

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich, dass Sie den Artikel mit der wissenschaftlichen Brille lesen.

Mit den besten Wünschen für ein gesegnetes Osterfest grüße ich Sie herzlich.

Ihr

Msgr. Andreas Simbeck

1. Vorsitzender des Klerusverbandes


Lesen Sie hier den Aufsatz des emeritierten Papstes im Wortlaut: „Die Kirche und der Skandal des sexuellen Mißbrauchs.“