Syrien: Gottesdienst in zerstörter Kirche

Assyrische Vereine fordern Abschiebestopp für syrische Christen

„Christen dürfen nicht geopfert werden“


Saarlouis, 19. Oktober 2026

Während die Rückkehr sunnitischer Syrer politisch vorangetrieben wird, erleben viele Christen in Syrien weiterhin Angst, Einschüchterung und religiösen Druck. Der Assyrische Kulturverein e. V. Saarlouis und die Assyrische Autonomie Bewegung e. V. Deutschland warnen eindringlich davor, christliche Flüchtlinge in eine Heimat zurückzuschicken, in der ihre Sicherheit nicht gewährleistet ist.

Für viele sunnitische Syrer kann die Rückkehr eine Perspektive sein, für Christen kann sie bedeuten, erneut schutzlos ihren Verfolgern ausgeliefert zu sein. Christen berichten von Beleidigungen und Bedrohungen auf der Straße, religiösem Druck am Arbeitsplatz und Sorgen vor Benachteiligung im öffentlichen Dienst. Manche trauen sich kaum noch, ein Kreuz sichtbar zu tragen oder offen über ihren Glauben zu sprechen. Wer die neue Führung kritisiert, wird mitunter als Anhänger des Assad-Regimes beschimpft. Auch Berichte über Entführungen, Erpressung und Gewalt halten die Angst aufrecht.

Der Angriff Anfang Oktober auf die christlich geprägte Stadt Al-Suqaylabiyah, bei dem bewaffnete Männer auf Häuser schossen und christliches Eigentum beschädigt wurde, zeigt erneut, wie verletzlich diese Gemeinden sind. Bereits der tödliche Anschlag auf die Mar-Elias-Kirche in Damaskus im Juni 2025 hat auf tragische Weise gezeigt, dass Christen weiterhin Ziel religiös motivierter Gewalt werden können.

Menschenrechtler warnen vor Abschiebungen christlicher Flüchtlinge

Auch Menschenrechtsorganisationen warnen vor einer vorschnellen Rückführung nach Syrien und weisen auf die besonderen Gefahren für religiöse Minderheiten, darunter Christen, hin. Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat vor Massenabschiebungen gewarnt und betont, dass Syrien für religiöse Minderheiten weiterhin gefährlich sein kann. Auch die US-Kommission für internationale Religionsfreiheit berichtete über sektiererische Gewalt und unzureichenden Schutz religiöser Minderheiten durch die Übergangsbehörden.

Diese Warnungen dürfen nicht ignoriert werden. Wer die Abschiebung syrischer Christen vorantreibt, muss erklären, wie deren Schutz nach der Rückkehr tatsächlich gewährleistet werden soll. Menschenleben dürfen nicht politischen Rückkehrzielen geopfert werden. Für Christen, die Verfolgung und Gewalt fürchten müssen, kann eine Abschiebung nicht einfach eine Rückkehr nach Hause bedeuten – sondern die Rückkehr in Angst und Gefahr.

Syrische Christen auch in Deutschland bedroht

Besonders erschütternd sei, dass syrische Christen auch in Deutschland Einschüchterung erleben, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der assyrischen Vereine. „Wenn wir Ahmed al-Scharaa, bekannt als Abu Mohammed al-Jolani, und die politische Entwicklung in Syrien kritisieren, begegnen uns nach unseren Erfahrungen Drohungen und Beleidigungen – auch durch sunnitische Syrer, die wir als Sympathisanten Jolani-naher Kreise wahrnehmen. Wir verurteilen nicht pauschal Muslime. Wir verlangen, dass religiöser Extremismus, Dschihadismus und konkrete Bedrohungen konsequent benannt und bekämpft werden. Was wir jedoch nicht akzeptieren können, ist, dass christliche Flüchtlinge Ablehnungsbescheide erhalten, während die Gefahren für ihre Gemeinschaft fortbestehen. Menschenleben dürfen nicht geopfert werden, damit politische Abschiebeversprechen erfüllt werden. Ein Bescheid schützt niemanden vor einer Kugel, einer Entführung oder religiöser Verfolgung.“

Der Assyrische Kulturverein und die Assyrische Autonomie Bewegung fordern deshalb einen sofortigen Abschiebestopp für syrische Christen, solange ihre Sicherheit nicht verlässlich gewährleistet ist, eine ernsthafte Überprüfung der Ablehnungsbescheide und eine sorgfältige Prüfung der tatsächlichen Gefahren sowie konsequenten Schutz vor religiöser Einschüchterung und extremistischer Gewalt. „Syrische Christen haben ein Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit. Sie dürfen nicht gezwungen werden, zwischen ihrem Glauben und ihrem Leben zu wählen. Deutschland muss jetzt handeln – bevor aus einer vermeidbaren Rückführung eine menschliche Tragödie wird.“


Text: Charli Kanoun/Assyrischer Kulturverein e. V. Saarlouis, Majed Bahi/Assyrische Autonomie Bewegung e. V. Deutschland

(kw)



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