Gruppenfoto vor Firmentor

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer besucht die Reinhausen GmbH

Hochspannung hinter dem Kirchturm


Regensburg, 19. Oktober 2026 

Bei seinem Besuch der
Reinhausen GmbH in Regensburg informierte sich Bischof Dr. Rudolf Voderholzer über die technischen Entwicklungen des Unternehmens und sprach mit Geschäftsführung und Betriebsrat über Künstliche Intelligenz, die Bedeutung des Menschen im Arbeitsleben und die Verantwortung für die Energieversorgung. Besonders beeindruckten ihn das gute Betriebsklima und der Schutz des arbeitsfreien Sonntags. 

Wie lassen sich technologische Innovation, wirtschaftliche Verantwortung und menschliche Werte miteinander verbinden? Über diese und weitere Fragen tauschte sich Bischof Dr. Rudolf Voderholzer bei seinem Betriebsbesuch mit Vertretern der Reinhausen GmbH in Regensburg aus. Im Mittelpunkt der Gespräche mit der Geschäftsführung, dem Betriebsrat und einigen Mitarbeitern standen die Bedeutung des Menschen im Unternehmen, der Einsatz Künstlicher Intelligenz und die Verantwortung für die Zukunft der Energieversorgung.

Begleitet wurde der Bischof von Richard Wittmann, dem Leiter der Betriebsseelsorge im Bistum Regensburg, und seiner Kollegin Christine Schmid, Gemeindereferentin und Betriebsseelsorgerin, sowie von Regionaldekan und Domkapitular Prälat Michael Fuchs, Stadtdekan Pfarrer Roman Gerl und Pfarrer Josef Eichinger. Letzterer betreut die Pfarrei St. Josef in Reinhausen, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Unternehmensstandort befindet. Scherzhaft wurde dabei von „Hochspannung hinter dem Kirchturm“ gesprochen.

Holger Michalka, Geschäftsführer der Reinhausen GmbH, freute sich sehr über den Besuch der kirchlichen Delegation. In seinem Einführungsvortrag über das Familienunternehmen, das in diesem Jahr das 100-jährige Jubiläum des Jansen-Patents feiert, gab er einen Überblick über die Firmenphilosophie. Der Ingenieur Dr.-Ing. Bernhard Jansen meldete 1926 das Patent für einen Widerstandsschnellschalter an, dessen Entwicklung später wesentlich zum technologischen Erfolg des Unternehmens beitrug. Das Unternehmen firmierte bis April 2026 unter dem Namen Maschinenfabrik Reinhausen GmbH.

Die Firma befindet sich seit sechs Generationen in Familienbesitz und steht für technologische Kompetenz sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung von Lösungen rund um die Stromversorgung. Angesichts des steigenden Energiebedarfs und der Veränderungen in der Energiewirtschaft kommt der Energietechnik eine wichtige Rolle zu. Neben technischen Innovationen sind dafür engagierte Mitarbeiter notwendig, die Entwicklungen vorantreiben und Verantwortung übernehmen. Das Unternehmen erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 1,5 Milliarden Euro. Weltweit beschäftigt es rund 5.500 Menschen. Am Standort Regensburg sind 2.962 Mitarbeiter tätig.

 

Der Mensch steht im Mittelpunkt

Für Geschäftsführer Holger Michalka und die gesamte Firmenleitung steht eine Maxime über allem wirtschaftlichen Erfolg: „Der Mensch steht im Mittelpunkt.“ Gerade in Zeiten des technologischen Wandels sei es wichtig, die menschliche Dimension der Arbeit nicht aus dem Blick zu verlieren. Künstliche Intelligenz könne Prozesse unterstützen und Wissen zugänglich machen. Erfahrung, persönliche Begegnung, Verantwortung und zwischenmenschliche Beziehungen blieben jedoch unverzichtbar. „Denn Menschen machen mit Menschen Geschäfte, nicht die KI“, erklärte Holger Michalka.

Auch die Gewinnung und Förderung junger Talente sowie die Weitergabe von Wissen und Leidenschaft an die nächste Generation wurden thematisiert. Diese Anliegen liegen insbesondere dem Betriebsrat der Reinhausen GmbH am Herzen. „Wir wollen die DNA der Firma an unsere neuen Kolleginnen und Kollegen vermitteln“, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Thomas Wimmer. Einige Mitarbeiter verbringen ihr gesamtes Berufsleben bei der Reinhausen GmbH. Diese Beständigkeit zeugt von einer besonderen Unternehmenskultur, für deren Erhalt sich Betriebsrat und Geschäftsführung einsetzen. Die Sicherung von Fachkräften sei eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass das Unternehmen seine Innovationskraft langfristig erhalten könne.

Zur Unternehmenskultur gehören neben einer wertschätzenden Zusammenarbeit auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine familienfreundliche Infrastruktur. Der geplante Bau einer neuen Kindertagesstätte in Reinhausen soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zusätzlich erleichtern. Darüber hinaus fördert die Firmenleitung die eigene Musikkapelle, einen Chor und die Stubenmusik sowie betriebsinterne Sportmannschaften. Jedes Jahr veranstaltet die Musikkapelle ein Weihnachtskonzert in der Kirche St. Josef in Reinhausen, das sich großer Beliebtheit erfreut, bestätigte Pfarrer Josef Eichinger.

Mutig in die Zukunft

Bei einem Betriebsrundgang durch verschiedene Produktionsbereiche der Reinhausen GmbH konnte sich der Bischof von der technischen Präzision überzeugen, mit der einzelne Bauteile und hochkomplexe Stufenschalter gefertigt werden. Der weltweite Bedarf an Strom wächst – und damit steigt nach Darstellung des Unternehmens auch dessen Auftragsvolumen. Dies führt zu weiteren Investitionen und zum Ausbau der Produktionskapazitäten. Ziel ist es, auch künftig eine führende Marktposition in der Energietechnik zu behaupten. Die Verbindung von Tradition und Innovation, die Förderung neuer Talente und ein verantwortungsvoller Umgang mit den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz bleiben dabei wichtige Aufgaben.

Gegenseitige Wertschätzung

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zeigte sich nach dem Betriebsrundgang und dem Austausch mit der Geschäftsführung sowie dem Betriebsrat sehr beeindruckt. Besonders die technische Fertigung der Stufenschalter und das gute Betriebsklima fanden seine Anerkennung.

Das Unternehmen profitiere von der aktuellen Energiewende und der Abkehr von fossilen Brennstoffen, erklärte der Regensburger Oberhirte. Besonders freue er sich darüber, dass der Sonntag trotz des Dreischichtbetriebs als arbeitsfreier Tag erhalten bleibe. Der Schutz des arbeitsfreien Sonntags liege ihm sehr am Herzen. Auch den verantwortungsvollen Umgang mit KI bewerte er positiv. Dazu betonte Bischof Dr. Voderholzer: „Die KI denkt nicht, sie rechnet nur.“

Richard Wittmann, Leiter der Betriebsseelsorge im Bistum Regensburg, würdigte ebenfalls die Atmosphäre im Unternehmen. Auch die offene und unkomplizierte Kommunikation zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat sei ein Zeichen gegenseitiger Wertschätzung. „Die Gerechtigkeit und Würde des Menschen müssen immer gewahrt bleiben“, betonte Wittmann. Der Betriebsseelsorger freute sich zudem über das kirchliche Engagement zahlreicher Mitarbeiter, die ihren Glauben aktiv lebten und christliche Werte auch in ihren Arbeitsalltag einbrächten.

Text und Fotos: Christian Beirowski 
(SG)

Weitere Infos

Mehr Informationen: 

Die Betriebsseelsorge versteht sich als Brücke zwischen Kirche und Arbeitswelt und setzt sich für ein menschliches Miteinander im Betrieb ein. Sie schafft Kontakte zwischen Gemeinden und Betrieben, unternimmt Betriebsbesuche und ist Ansprechpartner für die kirchlichen Gremien bezüglich aktueller Entwicklungen in der Arbeitswelt.

Betriebsseelsorge im Bistum Regensburg

 



Nachrichten