Austellungsplakat

Assisi: Ausstellung zum 800. Todestag des heiligen Franz

„San Francesco alla Porziuncola"


Assisi / Regensburg, 22. September 2026

Für den italienischen Wallfahrtsort Assisi ist es ein besonderes Jahr: Der Tod des heiligen Franz von Assisi jährt sich zum 800. Mal. Gestorben ist der Patron Italiens und Schöpfer des berühmten Sonnengesangs in der Portiunkula, an der Stelle, an der heute die Cappella del Transito steht, im Inneren der Basilika Santa Maria degli Angeli. Bis 25. Oktober gibt es im Portiunkula-Museum die Sonderausstellung „San Francesco alla Porziuncola", also: „Der heilige Franziskus bei der Portiunkula".

Die prächtige Basilika Santa Maria degli Angeli befindet sich in der Unterstadt von Assisi, nicht weit entfernt vom Bahnhof. Sie wurde gebaut, weil die kleine Portiunkula-Kapelle, die dem heiligen Franz von Assisi viel bedeutete und in der er am 3. Oktober 1226 starb, viel zu klein gewesen wäre, um all die Pilger und Besucher aufzunehmen. So steht die kleine Kapelle heute in der großen Basilika Santa Maria degli Angeli, bei der sich auch ein Franziskaner-Kloster befindet und bei der das Portiunkula-Museum angesiedelt ist.

Kustos der Basilika Santa Maria degli Angeli und Museumsdirektor ist Bruder Saul Tambini OFM. Der Franziskaner betont: „Es ist ein sehr bedeutendes Museum, weil es hier Hauptwerke und besonders auch authentische Werke der franziskanischen Ikonographie gibt. An den Originalorten, an denen die Brüder neben der Portiunkula lebten, vom Tod des heiligen Franziskus an bis zum 15. Jahrhundert. Diese Orte wurden nun zu neuem Leben erweckt. Dabei wurden die Werke erhalten, die schon immer hier im Portiunkula-Museum waren: Wir haben eine Ausstellung der franziskanischen Ikonographie gewidmet, ausgehend vom 13. Jahrhundert – wir haben hier Hauptwerke dieser Zeit. Und dann die ganze Geschichte des Antlitzes von Franziskus." 

Franziskus - und Klara 

Neben den Kunstwerken, die immer im Portiunkula-Museum sind, ist noch bis zum 25. Oktober 2026 anlässlich des 800. Todestags des Heiligen die Sonder-Ausstellung „San Francesco alla Porziuncola. La parabola artistica del volto di Francesco d’Assisi nel luogo del suo transitus“ (Der heilige Franziskus bei der Portiunkula. Die künstlerische Darstellung des Antlitzes von Franz von Assisi am Ort seines Übergangs“) zu sehen. Für die Sonderausstellung wurden bedeutende Leihgaben von renommierten italienischen und internationalen Institutionen ins Museum geholt. Es geht übrigens nicht nur um Franziskus allein -  das macht gleich der erste Saal der Sonderausstellung deutlich.

„Es geht auch um Klara - ein Saal ist der heiligen Klara von Assisi gewidmet. Wir haben im Museum verschiedene Reliquien, die im Konvent von San Damiano aufbewahrt wurden: Darunter das Brevier Klaras, die Glocke, mit der sie die Mitschwestern rief, das Brustkreuz des heiligen Bonaventura und das Behältnis, in dem Klara die heilige Hostie aufbewahrte", erläutert Kuratorin Donatella Vaccari. Neu ist, dass Dank der Sonderausstellung erstmals das Brevier Klaras gemeinsam mit dem Brevier des heiligen Franz nun hier im Portiunkula-Museum zu sehen sind. So soll auf den Dialog zwischen Franziskus und Klara hingewiesen werden, die Zeitgenossen waren und beide bedeutende Gestalten der franziskanischen Geschichte sind.

„In diesen Tagen stellen wir das Brevier des heiligen Franziskus aus, das sogenannte Franziskus-Brevier. Es war das Buch für die Liturgie und die Gebete der Franziskaner sowie des Klerus, mit dem sie beteten. Dieses Brevier ist normalerweise im Kloster der heiligen Klara aufbewahrt und wurde eigens für diese Ausstellung hierher gebracht. Das Brevier ist besonders bedeutsam, vor allem weil es hier auf das andere Brevier trifft, jenes der heiligen Klara, das hier aufbewahrt wird, in der Portiunkula." Das Franziskus-Brevier liegt aufgeschlagen in einer Vitrine, besonders gestaltete Anfangsbuchstaben sind gut zu sehen.

Franziskus-Saal: Portraits, die auch Reliquien sind

Die von Bruder Saul Tambini und Donatella Vaccari kuratierte Ausstellung geht von der ständigen Sammlung des Museums aus. Darunter sind Meisterwerke von Cimabue und einem namentlich nicht bekannten - und daher nur ,Meister des heiligen Franziskus' genannten - Künstler. Sie sind für die franziskanische Ikonografie von grundlegender Bedeutung. Zu sehen sind sie etwa im Franziskus-Saal, der direkt an den Klara-Saal anschließt. Kuratorin Donatella Vaccari geht voran. 

„Direkt hinter mir ist eines der authentischsten Porträts von Franziskus. Es ist von Cimabue. Es ist das lebensechteste Portrait. Cimabue zeigt Franziskus genau so, wie ihn der erste Biograf beschrieben hatte: einen kleinen Franziskus mit markanter Nase und abstehenden Ohren. Es ist auch ein Reliquien-Porträt, denn die Überlieferung besagt, dass dieses Holz der Deckel des ersten Sarges des Heiligen war. Die Pilger, die hier ins Portiunkula-Museum kommen, können es betrachten, wirken lassen und vor diesem Bildnis beten, das nicht nur ein Kunstwerk ist, sondern eine echte Bild-Reliquie."

Das wohl bedeutendste Kunstwerk

Im letzten Saal der Sonderausstellung ist das wohl bedeutendste Kunstwerk des Portiunkula-Museums, das auch zur Dauerausstellung gehört. Und: Franz von Assisi ist dort nicht zu sehen. Bruder Tambini sagt: „Es ist ein Kreuz des leidenden Christus (Christus patiens) aus dem Jahr 1236. Es wurde von Giunta di Capitino, als Künstler bekannt unter dem Namen Giunta Pisano, geschaffen. Es ist wohl das erste Werk oder unter den ersten, die einen völlig neuen Stil zeigen, eine neue Ikonographie, die sich in der Kreuzdarstellung durchsetzt. Nur wenige Jahre später, 1236, nur wenige Jahre auch nach dem Tod von Franziskus, malt Giunta Pisano dieses Kreuz für die Portiunkula. Es zeigt den Körper Jesu, der erstmals am Kreuz gebeugt ist, mit geneigtem Haupt, also tot, und erstmals die Augen geschlossen hat."

Dieser Stil und diese Darstellungsweise werden sich dann übrigens binnen eines Jahrzehnts in der damals bekannten Welt durchsetzen, berichtet Kustos Bruder Tambini: „Die Kreuze werden so dargestellt, um vor allem die Menschlichkeit Christi zu betonen, und von da an auch die Menschlichkeit des Menschen. Das gewinnt ab da die Oberhand in der Kunstgeschichte." Das Kreuz und der Tod Christi schlagen so auch wieder einen Bogen zum Tod des heiligen Franz von Assisi, der hier in der Portiunkula am 3. Oktober des Jahrs 1226 starb. Die Sonderschau zum 800. Todestag des Heiligen, die noch bis 25. Oktober hier zu sehen ist, empfiehlt der Direktor des Portiunkula-Museums, der Franziskaner Bruder Saul Tambini, allen Besuchern. Das von Papst Leo XIV.  zum 800. Todestag Franz von Assisis ausgerufene franziskanische Jubiläumsjahr hat am 10. Januar 2026 begonnen und dauert bis 10. Januar 2027.

Text: Vatican News

(sig)



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