bischof diskutiert mit priestern

Bischof Voderholzer spricht bei Priesterfortbildung

Fehlbare Empathie ist besser als perfekte Maschine


Werdenfels, 22. September 2026

Mehr als 40 Priester der Weihejahrgänge 1988, 1993 und 2012 sind am 21. und 22. September zu ihrer jährlichen Fortbildung im Haus Werdenfels zusammengekommen. Im Gespräch mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer standen aktuelle Herausforderungen für Kirche und Seelsorge im Mittelpunkt. Einen besonderen Schwerpunkt bildete der Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI).

Auf die eigene Gesundheit achten

Zu Beginn erinnerte Bischof Voderholzer an den am 9. Juli verstorbenen Pfarrer Josef Schießl sowie an zwei weitere jüngere Priester, die in den vergangenen Wochen verstorben waren. Der Bischof appellierte an die Geistlichen, auf ihre Gesundheit zu achten und entsprechende Angebote des Bistums wahrzunehmen.

Als weitere aktuelle Themen nannte er die Pastorale Entwicklung 2034, die am Nachmittag des ersten Fortbildungstages auf der Tagesordnung stand, sowie die Arbeit des Synodalen Rats beziehungsweise des Synodalteams im Bistum. Auch die Jubiläen 750 Jahre Regensburger Dom und 800. Todestag des heiligen Franz von Assisi kamen zur Sprache.

„KI lebt nicht, sondern ist toter Geist“

Ausführlich beschäftigten sich Bischof und Priester mit den Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz. Voderholzer betonte, KI dürfe nicht mit menschlichem Denken oder menschlichem Bewusstsein gleichgesetzt werden. „KI ist eine Höchstleistungsrechenmaschine, es steckt keine Personalität dahinter, die KI denkt nicht, sondern rechnet und hat kein Gewissen. KI lebt nicht, sondern ist toter Geist.“

Umso wichtiger sei es, die Kritikfähigkeit im Umgang mit den Ergebnissen von KI zu fördern und „nicht alles für bare Münze zu nehmen, was die KI ausgibt“. Zugleich warb der Bischof dafür, die eigenen geistigen und kreativen Fähigkeiten bewusst zu pflegen – etwa durch Lesen, Kopfrechnen, das Auswendiglernen von Gedichten, Musizieren, Theater oder Sport.

Authentizität bleibt entscheidend

Im anschließenden Austausch ging es um konkrete Einsatzmöglichkeiten von KI, unter anderem bei der Erstellung von Predigten und anderen Texten sowie in der Klinikseelsorge und Pflege. Auch die Bedeutung Sozialer Medien wie TikTok und Instagram für Jugendliche wurde thematisiert. Mehrere Diskussionsbeiträge unterstrichen die bleibende Bedeutung persönlicher Begegnung in der Seelsorge. „In Beziehung gehen, das ist das A und O“, hieß es aus dem Kreis der Priester. Ebenso wurde betont: „Menschliche und auch fehlbare Empathie ist besser als eine perfekte Maschine.“ Gleichzeitig könne KI bei kleineren Aufgaben hilfreich sein. Entscheidend bleibe jedoch: „Die Authentizität der Person ist wichtig.“

Darüber hinaus sprach Bischof Voderholzer das Thema Assistierter Suizid an. Ein weiterer Programmpunkt der Fortbildung widmete sich unter dem Titel „Einblicke in die aktuelle Kinder- und Jugendpsychotherapie. Hilfen für die Seelsorge“ den Herausforderungen in der Begleitung junger Menschen.

Sakramentales Leben als Kontrapunkt zur KI

In seiner Predigt bei der Eucharistiefeier griff Bischof Voderholzer das Tagesevangelium von der Berufung des Zöllners Matthäus auf. Jesus habe den Kreis seiner Apostel auf zwölf erweitert und damit auf die zwölf Stämme Israels verwiesen. Darin zeige sich „die neue Aufstellung des Volkes Gottes durch Jesus“. Dieses Volk Gottes zu erweitern und zu begleiten, sei bis heute Auftrag der Apostel und ihrer Nachfolger und damit auch der Priester.

Dabei schlug der Bischof erneut den Bogen zur Künstlichen Intelligenz. Die sieben Sakramente und das sakramentale Leben seien von zentraler Bedeutung für das christliche Menschenbild. „Sakramentales Leben, die Eucharistie zu feiern, birgt in sich alle Elemente, die Mut machen gegen die Gefahren, die durch die Künstliche Intelligenz gegeben sind“, sagte der Diözesanbischof.

Text und Fotos: Markus Bauer
(jas)

 



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