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Zur Neuigkeit
St. Katharinenspital: Pontifikalgottesdienst mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer und Spatenstich zum Ausbau des Ökonomiegebäudes
„Gottesliebe und Nächstenliebe gehören zusammen“
Regensburg, 20. September 2026
Seit 800 Jahren steht das St. Katharinenspital im Dienst der Menschen. Beim Pontifikalgottesdienst zum Jubiläum dankte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer allen, die diese Tradition bis heute fortführen. Ausgehend vom Gleichnis der Arbeiter im Weinberg sprach der Regensburger Oberhirte über den Wert der Arbeit, Dankbarkeit und die Fähigkeit, anderen etwas zu gönnen. Besonders wandte er sich an die Bewohner des Pflegeheims und erinnerte sie daran, dass sie auch im hohen Alter eine wichtige Aufgabe hätten.
Bischof Dr. Rudolf Voderholzer feierte den Gottesdienst in Konzelebration mit dem emeritierten Eichstätter Bischof Dr. Gregor Maria Hanke, Dompropst Dr. Franz Frühmorgen sowie Prälat Hermann Hierold. Der 88-Jährige wirkt weiterhin als Ruhestandsgeistlicher im Spital-Seniorenheim.
Die musikalische Gestaltung des Pontifikalamtes übernahmen unter der Leitung von Thomas Pöschl ein Blechbläserquartett und ein Vokalensemble der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik Regensburg (HfKM). Zur Aufführung kam die „Missa pro pace“ von Domkapellmeister Christian Heiß. Mitarbeiter der Spitalstiftung trugen die Fürbitten vor.
„Können wir anderen auch etwas gönnen?“
In seiner Predigt über das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1–16a) beschäftigte sich Bischof Dr. Voderholzer mit der Frage nach Gerechtigkeit und dem Wert der Arbeit. Der Besitzer eines Weinbergs stellte im Laufe des Tages immer wieder Arbeiter ein, die letzten erst eine Stunde vor Feierabend. Bei der Auszahlung erhielten alle denselben Lohn. Diejenigen, die den ganzen Tag gearbeitet hatten, empfanden das als ungerecht. Dabei sei es ein Glück, überhaupt Arbeit zu haben und nicht den ganzen Tag vergeblich auf eine Beschäftigung warten zu müssen.
Der Regensburger Oberhirte ging auf das Gerechtigkeitsempfinden und den Neid ein, die in dem Gleichnis eine wesentliche Rolle spielen. „Können wir gönnen? Können wir anderen auch etwas gönnen?“, fragte er. Statt ständig zu berechnen, ob andere mehr erhielten oder man selbst zu kurz komme, sollten sich die Menschen bewusst machen, wie reich sie bereits beschenkt worden seien. Das Gleichnis wolle zu dankbaren und wohlwollenden Menschen machen. Wer im Dienst des Evangeliums arbeite, für den sei der Herr selbst der Lohn. Dieser bestehe in einer gelungenen Gottesbeziehung.
Bischof Rudolf dankte allen Mitarbeitern des Spitals, der Brauerei und der Gastwirtschaft für ihre Arbeit. In der Festschrift habe er gelesen, mit welcher Freude und welchem Stolz sie ihre Aufgaben erfüllten. Sie stünden in einer 800-jährigen Tradition im Dienst der Menschlichkeit. Sein Dank galt auch Spitalmeister Wolfgang Lindner, dem Spitalrat und allen Unterstützern der Stiftung.
Anschließend wandte er sich direkt an die Bewohner des Pflegeheims, die bereits auf ein langes Arbeitsleben zurückblicken könnten. Nicht immer sei die Arbeit ein reines Vergnügen oder eine Form der Selbstverwirklichung gewesen. Dennoch bleibe es ein Glück, durch eigene Arbeit für sich und andere sorgen zu können. „Auch Sie haben noch eine Aufgabe“, versicherte er den Bewohnern. Selbst wenn die Kräfte nachließen und eine eigene Arbeit nicht mehr möglich sei, könnten sie noch die Hände falten. „Und das ist vielleicht die wichtigste Arbeit überhaupt!“
Für diejenigen zu beten, die selbst nicht mehr beten könnten oder wollten, sei möglicherweise eine noch wichtigere Tätigkeit als die frühere produktive Arbeit. Auch wenn ihre körperlichen Kräfte nachließen, könnten die Bewohner weiterhin ihre Zeit, ihre Liebe und ihre Herzensgüte für andere einsetzen. Der Gottesdienst wurde wie an jedem Sonntag in die Zimmer jener Pflegeheimbewohner übertragen, die nicht mehr selbst in die Kirche kommen können.
Mit Blick auf das 800-jährige Jubiläum des Katharinenspitals und das 750-jährige Jubiläum des Regensburger Doms erinnerte Bischof Dr. Voderholzer an die christlichen Wurzeln der Stadt. Das Zentrum der Kultur sei der Kultus, die Verehrung und Anbetung des lebendigen Gottes. Dort, wo Kathedralen wie Finger zum Himmel ragten, seien auch Spitäler entstanden. „Die Gottesliebe und die Nächstenliebe, sie gehören zusammen“, betonte er. Darin liege ein wesentlicher Beitrag der christlich-abendländischen Kultur. Er wies außerdem auf die schön gestalteten Apostelleuchter der Spitalkirche hin, die in hellem Licht erstrahlten.
Der Regensburger Oberhirte äußerte den Wunsch, dass diese Tradition Regensburg auch in den kommenden 800 Jahren prägen möge. Am Ende seiner Predigt blickte er auf die kleine Statue der heiligen Katharina von Alexandria im Altarraum und bat um die Fürsprache der Kirchenpatronin.

800 Jahre Tradition und die Zukunft des Katharinenspitals
Zu Beginn des Gottesdienstes hatte Spitalmeister Wolfgang Lindner die zahlreichen Ehrengäste in der St.-Katharinen-Kirche begrüßt. Er ist der 124. Spitalmeister seit dem Mittelalter. Unter dem Namen „OIKOS“ verbindet die Stiftung ihre Geschichte mit der geplanten Nutzung des ehemaligen Ökonomiegebäudes. Oikos bedeutet Haus. Zum Katharinenspital gehören zahlreiche Gebäude, von denen mehrere in den vergangenen Jahren saniert wurden und heute anderen Zwecken dienen als früher.
Zunächst wurden die Spitalkirche, anschließend das Spitalmeisterhaus und das Spitalschreiberhaus saniert. Nun steht die Sanierung des ehemaligen Ökonomiegebäudes an. Im Erdgeschoss sollen ein Museum sowie Veranstaltungs- und Ausstellungsräume entstehen. Im Obergeschoss ist Wohnraum für Auszubildende der Spitalstiftung vorgesehen. Der Bund unterstützt das Projekt „OIKOS Katharinenspital Leben-Arbeit-Kultur“ mit 1,3 Millionen Euro.
Das denkmalgeschützte Ökonomiegebäude befindet sich mitten auf dem weitläufigen Areal. Am Brückenkopf in Stadtamhof liegen neben der Brauerei und dem beliebten Biergarten auch das Pflegeheim, die Verwaltung, das Archiv, die Kirche und die Pfarrei. Zur Stiftung gehört außerdem ein Forstbetrieb mit eigenen Wäldern.
Im Jahr 1226 gab Bischof Konrad IV. dem gemeinsam mit der Regensburger Bürgerschaft getragenen Spital seine grundlegende Ordnung. Der damalige Stiftungszweck gilt bis heute. Im Mittelpunkt steht die Fürsorge für alte, kranke und bedürftige Menschen.
Grußworte und Spatenstich zum Ausbau des Ökonomiegebäudes
Im Anschluss an das Pontifikalamt sprachen Kulturstaatsminister Dr. Wolfram Weimer, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Regensburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger sowie Franz Löffler, Bezirkstagspräsident der Oberpfalz und Präsident des Bayerischen Bezirketags, Grußworte. Unter den Gästen befanden sich zahlreiche Vertreter aus Kirche, Politik, Stadtgesellschaft und Kultur.
Staatsminister Dr. Weimer erinnerte an die jahrhundertelange Geschichte des Katharinenspitals und würdigte dessen Einsatz für Menschen, die Hilfe und Pflege benötigen. Die Stiftung sei seit 800 Jahren ein Ort des Glaubens und der gelebten Nächstenliebe. Mit dem neuen Kulturort solle ihre Geschichte anschaulich vermittelt und Raum für Austausch und Begegnung geschaffen werden.
Nach den Grußworten folgte der symbolische Spatenstich für den Ausbau des Ökonomiegebäudes. Daran beteiligten sich Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, Kulturstaatsminister Dr. Wolfram Weimer, Spitalmeister Wolfgang Lindner, Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger, Regierungspräsident Walter Jonas und Bezirkstagspräsident Franz Löffler sowie weitere Förderer des Projekts.
Vor dem Gebäude waren bereits die Baucontainer aufgestellt und die Bautafel angebracht. Mit der Sanierung erhält das bislang kaum genutzte Gebäude eine neue Aufgabe. Es entstehen ein neuer Kulturort und dringend benötigte Wohnungen für die Auszubildenden der Spitalstiftung.
Anschließend feierten die Bewohner des Pflegeheims gemeinsam mit den Gästen auf dem Gelände zwischen Spitalkirche, Biergarten und Brauerei. Zur Feier des Tages floss das Bier direkt aus einem blumengeschmückten Bierbrunnen.

Staatliche Zuwendungen für das Projekt OIKOS
BUND
KulturInvest – BKM: 1.300.000,00 €
- ausschließlich für das Erdgeschoss mit der kulturellen Nutzung verwendbar
- der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien erfüllt zudem die Funktion des koordinierenden Zuwendungsgebers
- weitere Informationen zum Förderprogramm: https://www.foerderdatenbank.de/FDB/Content/DE/Foerderprogramm/Bund/BKM/investitionen-fuer-nationale-kultureinrichtungen.html)
FREISTAAT BAYERN
Entschädigungs-Fonds für denkmalpflegerischen Mehraufwand [Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege]: 1.528.000,00 €
- zum Förderprogramm: https://www.blfd.bayern.de/information-service/zuschuesse_steuer/e-fonds/index.html
REGIERUNG DER OBERPFALZ
AzubiR-Programm: Reg.Opf. 450.000,00 €
- 10 Wohnplätze für Auszubildende im OG des Gebäudes
- weitere Informationen zum Förderprogramm: https://www.regierung.oberpfalz.bayern.de/aufgaben/60669/60693/leistung/leistung_144989/index.html
Text: Stefan Groß und Claudia Erdenreich, Fotos: Claudia Erdenreich










