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Aschermittwoch 2022: Generalvikar Dr. Roland Batz

Gedanken am Beginn der Fastenzeit

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Heute, am Aschermittwoch, …

…beginnt die Kirche mit ihrem vierzigtägigen Fasten, „Quadragesima“, wie es ihre liturgische Sprache nennt. Vierzig Jahre wanderte Israel durch die Wüste, vierzig Tage brauchte Elias bis zum Gottesberg Horeb, vierzig Tage fastete Jesus in der Wüste. Wüstenzeiten sind in der Bibel Zeiten der besonderen Nähe zu Gott.

Gerade eine Welt, die dem Menschen nur Wüste um sich herum und den Himmel über sich zeigt, scheint seinen Geist und seine Seele in besonderer Weise für die Erfahrung des Göttlichen zu öffnen. Wer baut in der Wüste schützende Häuser oder gar Schatzkammern, in denen man bergen und verbergen kann? Wie will man sich nutzlos um sich selber drehen, wenn jeder Tag aufs Neue Überlebensaufgaben stellt? Was will man in der schier endlosen Leere anbeten oder vergötzen? Wenn Menschen in der Wüste über Gott nachdenken, dann scheint es nahezuliegen, dass sie den wirklichen Gott, den allmächtigen Vater suchen.

Wenn ich auf die Kirche in Europa des Jahres 2022 blicke, dann sehe ich uns in einer ganz neuen Weise in die Wüste geschickt. Wie viele irdische Behausungen und Sicherungen mussten und müssen wir noch aufgeben? Was von dem, was uns gestern vertraut schien, können wir heute noch als Grund betrachten? Viel Wüste ist um uns herum und Leere scheint immer nur zu wachsen. Selbst Gott erscheint als ferne Wolke, die zerfließt, wo wir sie berühren möchten.   

Auch die Kirche steht in der Versuchung, auf schmackhafte, sich anbiedernd aufdrängende Erlösungen zu setzen, aufzugehen in den flimmernden Wüstenbildern unserer Zeit, die sich als Lebenswirklichkeiten ausgeben.

Wüstenzeiten können freilich auch heute eine neue Zeit der Gnade einläuten, in der Glaube und Gottesnähe wachsen und sich entfalten. Das Manna des Glaubens gibt es jeden Tag neu. Wir müssen es uns nur geben lassen. Und so oft Gott und seine Kirche schon abgemeldet wurden: Selbst aus sonnenverbrannten, toten Felsen kann Gott lebendiges Wasser sprudeln lassen.

Ich lade Sie alle ein, uns voller Gottvertrauen und Freude, ohne Furcht, betend, fastend und umkehrend auf den Weg zu machen. Vielleicht vermag der eine oder andere der Gedanken, die Sie im Folgenden finden, dabei als hilfreiche Begleitung dienen. Gott ist das Licht schlechthin und kann uns aus dem Dunkel dieser Zeit herausführen. Gehen wir mit ihm dem neuen Tag entgegen. Lassen wir uns beschenken mit einem neuen Morgen in Gottes guter Schöpfung.

Die Übersicht: Die zehn wichtigsten Aufgabenbereiche

Als Generalvikar des Bischofs habe ich in seinem Sinne die Diözese in organisatorischer und administrativer Weise zu leiten. Zu den zehn wichtigsten Aufgabenbereichen, die meinen Arbeitsalltag bestimmen, gehören:

  1. Neuevangelisierung: den Menschen unserer Zeit Wege zu Gott eröffnen.
  2. Seelsorge: Sakramente, Liturgie oder priesterliche Begleitung sollen einladend und für alle Menschen erreichbar sein. 
  3. Dienst der Caritas: Den Menschen dienen, die Hilfe brauchen.
  4. Kirchliche Schulen: Bildung anbieten, die dem christlichen Menschenbild folgt und Kinder und Jugendliche dabei begleitet, sich als Menschen und Persönlichkeiten zu entfalten.
  5. Kirchen und andere Gebäude erhalten, damit die Kirche im Dorf und ein kulturelles Erbe unserer Region sichtbar bleibt.
  6. Zukunft der Pfarreien: In Zeiten des Umbruchs lebendige Gemeinden bestärken.  
  7. Prävention in allen kirchlichen Einrichtungen weiter fest verankern.
  8. Gerechtigkeit für Menschen, die gewalttätige Sexualität oder Körperverletzung von kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erfahren mussten – besonders dann, wenn die rechtsstaatlichen Instrumente – etwa aufgrund einer Verjährung - nicht mehr greifen.
  9. Das Ordinariat weiterentwickeln als modernes Dienstzentrum für das Bistum.
  10. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen sichern, die notwendig sind, um die Herausforderungen meistern zu können, vor denen die Kirche steht.

Zu diesen Arbeitsfeldern möchte ich Ihnen mit den folgenden Zeilen einige Gedanken vorstellen, die mich leiten und bewegen.

Kirche, Glaubenserosion, synodaler Weg, Reform, Neuevangelisierung

Warum kehren Menschen der Kirche den Rücken? So viele sehen sie als Institution, die vor allem Freiheit beschränken wolle. Die Kirche erscheint wie eine Wegsperre, die dem Leben die schönsten Annehmlichkeiten verbietet und uns in die Enge überkommener Gebote und Verbote drängen will. Dieses Missbehagen wird dann zum Sprengsatz, wenn diese Kirche durchsetzt scheint von Willkür, Machtstreben und Straftaten sexuellen Missbrauchs. Nicht einmal als Insel der Hoffnung auf eine bessere Welt kann die Kirche dann noch wahrgenommen werden.

Glauben in unserer Zeit

Das Ja zu Gott erleben Menschen heute als eine Fremdbestimmung, die ihre Individualität und Selbstbestimmung in Frage stellt. Dass ein Leben in der Nachfolge Christi uns zu einem Sein befreit, in dem wir uns zu einer ganzheitlichen Person entfalten können, erscheint wohl vielen Menschen als vernunftwidrige Zumutung. Dabei ist es doch der Glaube, der uns im Leben zu allem führt, was wichtig und wertvoll ist, - denken wir doch nur an die Liebe oder die Freundschaft oder wie in diesen Tagen, die selbstlose Hilfe und Zuwendung zu Bedürftigen. Der Glaube trägt, tröstet und gibt eine Perspektive, dieses Leben mit all seinen Herausforderungen zu wagen.

Veränderung und Reform

Helfen uns in dieser Situation einer tiefen Glaubens- und Gotteskrise Veränderungen weiter, die an der kirchlichen Lehre rütteln, um dann das Neue mit Mehrheitsvoten durchzusetzen?

Richtig ist vielmehr, dass die Kirche zu allen Zeiten und unter großen Herausforderungen stets den Unverfügbaren verkündet hat. Dabei sind die derzeit vieldiskutierten Strukturen selbstredend immer wieder zu überprüfen.

Die Reform aber, die wir jetzt brauchen, hat mit Verkündigung und Gebet zu tun.

Es geht um das Große, das Grenzenlose, das Befreiende, das Unausdenkbare des Glaubens, das, was niemals Ergebnis unserer Konstruktionen und Meinungen sein kann. Wir brauchen eine Reform, wie die Kirche göttlicher wird, denn dann wird sie auch wahrhaft menschlicher. Gott muss das Maß bleiben – nicht die Soziologie. In diesem Sinne geht es um unsere Beziehung zu Gott. Sie ist die Grundlage jeder Reform. Wir pflegen sie mit Gebet, Buße und Umkehr. Vergleichen Sie dazu das Schreiben Papst Franziskus‘ an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland.

Von Umkehr und Buße, von Gott und von Christus, vom Reich Gottes und vom ewigen Leben öffentlich und mutig zu sprechen, das müssen wir wieder neu lernen.

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Neuevangelisierung

Evangelisierung ist der Dienst der Kirche schlechthin. Es ist ein Dienst für alle Menschen. Denn jeder Mensch braucht das Wort Gottes. Weil jeder Mensch im Wort Gottes und in der Person Christi die Antwort auf seine Grundfrage findet: Wie gelingt mein Leben?

Wege und Inhalte der Neuevangelisierung zu finden, das wird die entscheidende Herausforderung sein, denen sich die Gläubigen in der Diözese Regensburg in den kommenden Jahren zu stellen haben. Ich will nur auf einen Gesichtspunkt verweisen, der vielleicht gerade in der beginnenden Fastenzeit besondere Aufmerksamkeit verdient.

Grundlegend für jede Neuevangelisierung ist unsere Umkehr. Aufs Neue damit beginnen, das Leben mit den Augen Gottes zu sehen. Gott als Maßstab eigenen Tuns anzunehmen. Einen Lebensstil suchen, der auf Gottes Ruf an uns antwortet. Neue, gemeinsame Räume schaffen, Weggemeinschaften finden, damit Bekehrung Bestand gewinnt. Beten, persönlich, gemeinschaftlich und liturgisch. 

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Missbrauchsbeschuldigungen weiter aufarbeiten

Missbrauchsstraftaten, die Priester begangen haben, verdunkeln das Zeugnis der ganzen Kirche. Ich halte sie für eine Katastrophe. Ein Priester, der Christus repräsentiert, und einem Kind seelisches, psychisches und körperliches Leid antut, verletzt nicht nur zutiefst, er zerbricht auch Gottvertrauen und Glauben. Wenn dann auch noch kirchliche Amtsträger, die davon erfuhren, sich nicht vorbehaltlos hinter dieses geschundene Kind gestellt haben, dann bin ich sprachlos und aufgebracht. Dieses Versagen will ich konsequent aufarbeiten. Dabei ist das Wichtigste, die Verletzungen der Opfer zu sehen und ihnen gerecht zu werden. Soweit ich das als Mensch kann.

Wo stehen wir heute?

Die deutschen Bistümer sind die Institution, die eine Leitlinie für den Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs festgelegt hat. Seit 2002 wurde sie ständig weiterentwickelt. Ein zentraler Punkt ist die Festlegung, jede Beschuldigung, von der wir erfahren, der Staatsanwaltschaft zur Kenntnis zu bringen. Dafür zu sorgen, dass das auch in Zukunft weiter geschieht, ist meine Verantwortung. Ich werde die Regeln ohne Wenn und Aber umsetzen. Es sind staatliche Gerichte, die Recht zu sprechen haben.

Manche Beschuldigungen können allerdings von der Justiz nicht mehr aufgegriffen werden. Wenn Verstorbene beschuldigt werden oder wenn die beschuldigte Straftat erst bekannt gegeben wurde, nachdem sie bereits verjährt ist. Trotzdem wollen wir in der Diözese Regensburg in solchen Fällen den Menschen gerecht werden. An erster Stelle steht dann die Offenheit. Zuhören und Schuld anzunehmen, ist das, was wir tun können. Mit dem so genannten Anerkennungsverfahren leisten wir auch materielle Anerkennung.

Eine dritte Säule bilden die unabhängigen Gremien. Hier arbeiten Fachleute und Betroffene zusammen mit dem Auftrag, in völliger Unabhängigkeit die konsequente Aufarbeitung weiterzuführen.     

Ein wichtiger Schritt wäre es allerdings, wenn der Staat die Aufarbeitung an sich ziehen würde, um das Bewusstsein der Gesellschaft für den unmittelbaren Schutz von Kindern zu schärfen. Auch dafür will ich mich einsetzen.    

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Grundrecht auf Leben

Die gegenwärtige Abtreibungs-Debatte um die Paragraphen 218 und 219 des Strafgesetzbuches rüttelt am Grundgesetz, genauer gesagt am Paragraph 2, der jedem Menschen das Lebensrecht garantiert und dem Staat die Pflicht zuschreibt, für seinen Schutz zu sorgen.

Am Gesetz der Bundesregierung kann man nicht erkennen, dass es bei der Abtreibung um das elementare Lebensrecht geht. Ebenso wenig an den meisten Zeitungskommentaren, politischen Stellungnahmen oder Zuschriften. Da ist von Selbstbestimmung der Frau die Rede, von Gesundheitsversorgung oder medizinischer Informationsfreiheit.

Dass Abtreibung bedeutet, einem Menschen das Leben zu nehmen, das wird allerdings verschwiegen. Die Perspektive der Ungeborenen völlig auszublenden, ja so zu tun, als gäbe es sie nicht, das ist in dieser Rigorosität eine neue Entwicklung. Wer die Mauer des Schweigens durchbricht, und das Lebensrecht der Ungeborenen ausspricht, der muss mit empörter Aggressivität und eifernden politischen Belehrungen rechnen. Politiker forderten sogar, Lebensrechtsdemonstranten zu kriminalisieren.

Wenn die Ampel ihr politisches Programm durchsetzt, entzieht die Rechtsgemeinschaft dem ungeborenen Menschen praktisch jeden Schutz. Über sein Leben dürfen andere „frei“ verfügen. Über ihr Angebot „lebensbeendender Maßnahmen“ sollen entsprechende „Dienstleister“ informieren dürfen, als ob es sich hier um eine normale medizinische Dienstleistung handelte. Nur: Bilder dürfen auf gar keinen Fall gezeigt werden.

In Frage steht hier nicht irgendeine politische Entscheidung. Hier geht es um ein grundsätzliches und universales Recht. Deshalb muss die Kirche ihre Stimme erheben. Wir sehen es als Pflicht, für das Leben einzustehen – sei es gelegen oder ungelegen. Bei rund 100.000 Kindern, die Jahr für Jahr in Deutschland abgetrieben werden, kann kein Mensch, der an einer Kultur des Lebens festhält, schweigen und vorbeischauen.  

Für das Leben einzustehen, bedeutet auch, schwangeren Müttern und den Vätern jede nur erdenkliche Hilfe anzubieten. Die Beratungsstellen im Bistum Regensburg sind die Ansprechpartner für alle Männer und Frauen, die Rat und Hilfe suchen.

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Sich selbst am Lebensende töten lassen

Ein Akt der Freiheit sei es, seinen Tod in die eigenen Hände zu nehmen oder in die eines Dienstleisters zu legen. Das Bundesverfassungsgericht spricht in seinem Urteil vom Februar 2020 sogar von einem „Recht auf selbstbestimmtes Sterben“. Die Ampelparteien sind sich weitgehend einig, diese Vorgabe in geltendes Recht umzusetzen. Ich sehe nicht, dass sich der assistierte Suizid mit einer Kultur des Lebens vereinbaren lässt.

Richtig ist, dass Menschen in seelische Notlagen geraten, die ihnen ausweglos erscheinen und nur noch den Tod als Lösung erscheinen lassen. Siechtum, Demenz, Überdruss, Einsamkeit oder Trauer können unseren natürlichen Lebenswunsch ersticken.

Man kann ein Leiden beenden, indem man den Leidenden beseitigt. Die menschliche Lösung geht einen anderen Weg. Sie bedeutet Anteilnahme, liebevolle Zuwendung oder etwa Schmerzen fachgerecht zu lindern. Wir müssen den Menschen helfen, sich aus ihren Notlagen zu befreien. Der Leidende hat ein Recht auf mitmenschliche Anteilnahme und braucht die Zuversicht eines Mitmenschen, gemeinsam einen Ausweg aus dem als unerträglich empfundenen Zustand heraus zu finden. Das ist der Weg der Freiheit. Eine Kultur des Lebens ist immer beides: eine Kultur der Mitmenschlichkeit und eine Kultur der Gerechtigkeit.

Der Weg des Todes verändert unsere gesamte Haltung zum Leben. Dem Arzt etwa, der das Töten in sein Handwerk aufnimmt, werden wir nie wieder mit demselben Vertrauen begegnen. Die anfänglich beschworenen Grenzen der Selbsttötung lösen sich erfahrungsgemäß rasch auf. Warum auch sollte das vermeintliche „Recht auf selbstbestimmtes Sterben“ irgendjemandem vorenthalten werden? Was heranwächst ist eine Gesellschaft mit immer mehr in der Seele geschädigten Menschen, die Tötungen miterleben oder dulden mussten.

Die Publizistin Inge Jens gab uns ein ergreifendes Zeugnis für eine Kultur des Lebens. Mit ihrem Mann, Walter Jens, trat sie viele Jahre lang in der Theorie für den assistierten Suizid ein. Im Angesicht des nahen Lebensendes ihres Mannes, wiesen sie beide die Selbsttötung zurück. Die FAZ (27.12.2021) zitiert sie sinngemäß: „Genauso sicher, wie wir uns damals waren, weiß ich heute, dass mein Mann nicht sterben wollte.“

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Finanzen

Lassen Sie mich auch noch einige Bemerkungen zur materiellen Lage der Diözese Regensburg machen.

Staatsleistungen

Ein Thema der politischen Debatte könnten in absehbarer Zeit die sogenannten Staatsleistungen sein, die die Kirche seit rund 200 Jahren erhält. Zum gesamten Hintergrund empfehle ich Ihnen die Lektüre des Aufsatzes von Professor Karl-Joseph Hummel, einem der führenden Historiker, die zu dem Thema gearbeitet haben. Sie finden den Aufsatz auf unserer „Transparenzwebseite“ unter https://www.zahlengesichter.de/kirche-staat. Ich möchte hierzu nur drei Anmerkungen machen:

1. Es ist nicht die Kirche, sondern es ist der Staat, der es nunmehr seit fast 200 Jahren vor sich herschiebt, die Entschädigung für die gewaltsame und rechtsverletzende Enteignung von 1803 mit einer einmaligen Zahlung abzulösen. Die Kirche hatte sich immer zu jeder entsprechenden Kooperation bereit gezeigt. Das tut sie auch heute.

2. Der Begriff der „Staatsleistungen“ ist ein Euphemismus. Tatsächlich handelt es sich um Staatsschulden. Die mediale Thematisierung ist meist polemisch und bedient die Klischees der reichen Kirche. Immer wieder wird vorgebracht, das hohe Alter der Schuld tilge die Schulden weg. Dazu kann ich nur antworten: Nein. Ein Schuldner, der sich Zeit lässt mit der Tilgung, verringert seine Schuld nicht. Weiter heißt es, niemand verstehe diese Zahlungen mehr. Was kaum verständlich ist, das ist die Unermüdlichkeit, mit der ausgerechnet Medien diese Tatsache bemühen. Wäre es nicht gerade ihre Aufgabe, dem Interessierten die Sachlage sachlich und nüchtern darzustellen?

3. Zuletzt sehen vor allem liberalistische und linke Politiker in den Entschädigungsleistungen ein Beispiel für die unangemessene Verbändelung von Staat und Kirche. Auch dem widerspreche ich. Entschädigung ist kein Geschenk. Sie ist – wie gesagt- eine Schuld. Und es ist nicht der Kirche anzurechnen, wenn der Schuldner seine Schuld seit zwei Jahrhunderten nicht tilgt. 

Zusammenfassend: Die Schulden des Staates abzulösen, ist eine Initiative, die vom Staat ausgehen muss. Sicher ist, dass die Kirche jede zweckdienliche Gesprächseinladung annehmen wird.

 

Kirchensteuer

Herzlich danken möchte ich allen Katholikinnen und Katholiken, die mit ihrem Geld die materielle Grundlage der Kirche in unserer Zeit und unserer Region ermöglichen.

Diese Mittel dürfen niemals als Zweck an sich betrachtet werden. Vielmehr gilt, was mein Vorgänger, Michael Fuchs, dazu gesagt hat, auch uneingeschränkt für meine Amtszeit. "Jede Zahl hat ein Gesicht und die so bezifferte Ressource muss ganz und gar den Menschen (…) dienen." Deshalb haben wir die Transparenzwebseite des Bistums Regensburg zahlengesichter.de genannt.

Sie soll umfassend die Frage beantworten, was mit der Kirchensteuer geschieht. Sie finden dort neben Zahlenwerken für die Rechtsträger im Bistum Regensburg auf diözesaner Ebene auch viele anschauliche Beispiele.

Besonders hinweisen darf ich Sie auf die „Fragen und Antworten“, die viele Fragen aufgreifen, wie sie uns in Briefen und Mails erreichen.

Das Bistum Regensburg verfolgt traditionell einen sparsamen Umgang mit den Mitteln, die die Kirchensteuerzahler zur Verfügung stellen. Wenn Sie in den kommenden Monaten von Sparmaßnahmen hören oder lesen, so bitte ich um das Vertrauen, dass diese Entscheidungen immer vor allem ein Ziel verfolgen. Nämlich die Strahlkraft der Kirche unter sich verändernden Rahmenbedingungen zu erhalten und zu stärken.

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Lassen Sie mich bitte….

…schließen mit einem Lied aus dem Gotteslob (481). Das Gebet entstand im frühen 18. Jahrhundert und daß es heute zu unserer Kirche passt wie vor dreihundert Jahren, mag uns tröstlich zeigen, wie sehr Menschen immer schon und wohl auch in Zukunft darauf angewiesen sind, auf Gott zu schauen und sich seiner Gnade anzuvertrauen.     

Sonne der Gerechtigkeit,
gehe auf zu unsrer Zeit;
brich in deiner Kirche an,
dass die Welt es sehen kann.
Erbarm dich, Herr.

Weck die tote Christenheit
aus dem Schlaf der Sicherheit,
daß sie deine Stimme hört,
sich zu deinem Wort bekehrt.
Erbarm dich, Herr.

Schaue die Zertrennung an,
der sonst niemand wehren kann;
sammle, großer Menschenhirt,
alles, was sich hat verirrt.
Erbarm dich, Herr.

Tu der Völker Türen auf;
deines Himmelreiches Lauf
hemme keine List noch Macht,
schaffe Licht in dunkler Nacht.
Erbarm dich, Herr.

Gib den Boten Kraft und Mut,
Glaubenshoffnung, Liebesglut,
und lass reiche Frucht aufgehn,
wo sie unter Tränen sä‘n.
Erbarm dich, Herr.

Lass uns deine Herrlichkeit
sehen auch in dieser Zeit
und mit unsrer kleinen Kraft
suchen, was den Frieden schafft.
Erbarm dich, Herr.

Lass uns eins sein, Jesu Christ,
wie du mit dem Vater bist,
in dir bleiben allezeit
heute wie in Ewigkeit.
Erbarm dich, Herr.

 

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