notenblätter aus kz in vitrine

Antritts-Vortrag des neuen Leiters des Sudetendeutschen Musikinstituts

Musik als Erinnerungsarbeit


Regensburg, 29. Januar 2026

Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Festsaal des Bezirks Oberpfalz, als Dr. Christoph Meixner seinen Antrittsvortrag als neuer Leiter des Sudetendeutschen Musikinstituts (SMI) hielt. Vertreter aus Politik, Kirche, Wissenschaft sowie aus Kunst, Musik und dem sudetendeutschen Bereich waren gekommen, um den Vortrag mit dem Titel „Zwischen Hoffnung und Vernichtung. Böhmische Musik im KZ Buchenwald“ zu hören. 

Das SMI als Hüter einer „internationalen Sprache der Musik“

Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl unterstrich in seiner Begrüßung den Auftrag des Instituts: das Erbe einer übernationalen Kultur zu bewahren. Unter den Gästen begrüßte er unter anderem Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, Bezirkstagspräsident Franz Löffler sowie zahlreiche Vertreter sudetendeutscher Kulturinstitutionen. Meixners Vortrag schlage, so Appl, eine Brücke zwischen dessen bisheriger Tätigkeit in Weimar und seinem neuen Wirkungsfeld in Regensburg.

„Neue Impulse in einer bewegten Zeit“

Bezirkstagspräsident Franz Löffler würdigte Meixner als „ausgewiesenen Experten“ für Musik- und Kulturgeschichte. In Zeiten aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen sei „Geschichte nötiger denn je“. Das SMI habe sich in den vergangenen 35 Jahren erfolgreich entwickelt, insbesondere durch Konzertprogramme und enge Kontakte nach Tschechien. Erinnerungskultur spiele dabei eine zentrale Rolle – auch symbolisiert durch den Termin des Vortrags nahe dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.

Musik im Konzentrationslager: Überleben zwischen Zwang und Hoffnung

„Das Sudetendeutsche Musikinstitut hat viel mit Erinnerungskultur zu tun“, stellte Meixner eingangs fest und verwies auf den 11. April 1945, den Tag der Befreiung des KZ Buchenwald. Er zeichnete ein vielschichtiges Bild der Musikpraxis in Konzentrationslagern: „Es geht um die Musik, die in den Konzentrationslagern erklungen ist; gespielt von den Lagerinsassen selbst, häufig auch komponiert von Menschen, die Noten-schreiben konnten“. Trotz fehlender Instrumente, mangelhafter Noten und unmenschlicher Bedingungen entwickelte sich in Buchenwald ein reges Musikleben – mit Lagerkapelle, Gefangenenchor, Konzerten im Lagerkino und sogar einer Jazzband. 

Das Buchenwald-Lied und böhmische Komponisten

Einen Schwerpunkt legte Meixner auf das 1938 entstandene Buchenwald-Lied von Hermann Leopoldi und Fritz Löhner-Beda, dessen Refrain Hoffnung vermittelte: „Wir wollen ‚Ja‘ zum Leben sagen, denn einmal kommt der Tag – dann sind wir frei.“ Ebenso stellte er den böhmischen Komponisten Ondréj Volráb vor, der im Lager mehrere Märsche komponierte. Meixner fasste deren Bedeutung eindringlich zusammen: „Diese böhmischen Märsche sind in ihrer Fröhlichkeit das hörbare Sinnbild der Lebensfreude, des Lebensmutes und der Lebenshoffnung in einem vernichtenden Strudel des Lagerlebens“.

Vom Gedenken zur Propaganda: Erinnerungskultur in der DDR

Im letzten Teil seines Vortrags beleuchtete Meixner die Erinnerungskultur der DDR nach dem Mauerbau. Musik aus Buchenwald wurde umgedeutet, Texte verändert, Lieder politisch instrumentalisiert. Am Beispiel des Komponisten Dr. Theodor Hlouschek zeigte er, wie künstlerisches Überleben Anpassung erforderte. Kritisch resümierte Meixner: „Wie sich binnen weniger Jahre das Bild gedreht hat“. Die Beschäftigung mit der Musik aus Buchenwald habe sich von individuellem Gedenken hin zu kollektiver, ideologisch geprägter Erinnerung verschoben.

Erinnerung braucht Bildung

Zum Abschluss formulierte Meixner einen klaren Auftrag: „Erinnerungskultur bedarf stets einer entsprechenden Bildungskultur“. Ohne die kontinuierliche Einbindung aktueller Forschung drohten Verfälschung und Erstarrung – bis hin zu einem „inhaltsleeren Ritual“. Ein Anspruch, der nicht nur den Abend prägte, sondern auch die künftige Arbeit des Sudetendeutschen Musikinstituts.

Text und Fotos: Markus Bauer
(jas)



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