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Alte Bräuche im Advent

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Mit der Adventszeit ist für viele heutzutage auch die hektischste Zeit des Jahres angebrochen. Vorweihnachtszeit bedeutet Einkaufsstress, Hektik und Verkehrschaos. Man hetzt von einer Weihnachtsfeier zur nächsten, sucht in überfüllten Einkaufsmärkten verzweifelt nach passenden Weihnachtsgeschenken und ist dabei einer fast ununterbrochenen Berieselung mit Weihnachtsliedern ausgesetzt.


Früher war der Advent in Altbayern eine beschauliche, ruhige Zeit. In den Stuben drehte sich das Spinnrad, man strickte, häkelte, Holzschuhe und Besen wurden gemacht. Alle lauten Vergnügungen waren untersagt, und so trafen sich am Abend die Nachbarn zum Hoagarten, dem gemeinsamen Singen und Musizieren.


Allerdings hieß es am nächsten Tag wieder früh aufstehen, denn schon um sechs Uhr begannen in den meisten Kirchen die Morgenandachten. Diese Rorateämter gehörten zur Adventszeit und jede Familie, die etwas auf sich hielt, ließ eine Messe lesen. Mancher Pfarrkalender war bereit Jahre im Voraus mit Vorbestellungen für diese Zeit gefüllt. Der Name Rorate wurde von den traditionellen lateinischen Anfangsworten der Liturgie „Rorate coeli“ - Ihr Himmel tauet den Gerechten - abgeleitet. Und weil das Evangelium von der Verkündung des Herrn durch den Engel Gabriel gelesen wurde, hatte die Messe auch die Bezeichnung Engelamt. In Scharen kamen die Gläubigen in aller Herrgottsfrühe in die Kirche. Oft war es ein langer und beschwerlicher Weg durch die dunkle und kalte Winternacht, und nicht wenige waren schon eine Stunde und mehr unterwegs. Mit Laternen stampfen die Menschen durch den Schnee, Kleider und Mützen mit Schnee oder Reif bedeckt. Trotz der frühen Stunde und des oft weiten Weges versuchte man, mindestens einmal in der Woche ein Rorate zu besuchen. In der kalten Kirche ging jeder auf seinen Platz, fast jede Familie hatte einen bestimmten Kirchenstuhl. Wenn dann die Waschstöcke in den Kirchenbänken und der Adventskranz angezündet wurden, spürte so mancher der Gläubigen in der kalten Kirche eine innere Wärme aufsteigen.

Der Volksglauben schrieb den Rorate-Ämtern auch eine besondere Wirkung für die Familie, die Lebenden wie die Toten, sowie für das Vieh und für Haus und Hof zu. Durch diese besonders würdigen Gottesdienste wollte man sich auch die Fruchtbarkeit im kommenden Jahr sichern.


Flachskollektur

In einigen Gegenden der Oberpfalz war im Advent auch die Zeit für die Flachskollektur des Kooperators. Weil die Gehälter der Kapläne recht niedrig waren, bekamen sie von den Bauern als zusätzliche Naturalleistung Flachs und Weizen. Das Einsammeln war eine mühsame Angelegenheit. Mit einem Helfer machte sich der Kooperator auf den Weg zu den Höfen, die oft Wegstunden auseinander lagen. Das eingesammelte Getreide wurde dann zur Mühle gefahren, die Kleie konnte der Hilfsgeistliche verkaufen oder als Mahllohn anrechnen lassen. Dieser Weg von Hof zu Hof galt für den Kooperator als obligatorischer Hausbesuch. Er wurde am Sonntag zuvor von der Kanzel aus angekündigt. Trotzdem passierte es nicht selten, dass der Kaplan mit seinem Helfer vor verschlossenen Türen stand.


Der Barbaratag
Am 4. Dezember, dem Namenstag der heiligen Barbara, werden noch heute in vielen Familien die Barbarazweige abgeschnitten. Man nimmt dazu Zweige von frühblühenden Bäumen und Sträuchern, die dann in der warmen Stube in Wasser gestellt werden. So blühen sie rechtzeitig zu den Weihnachtstagen und bringen mitten im Winter einen Hauch von Frühling ins Haus. Am besten eignen sich Kirschbaumzweige, aber auch Schlehen- und Zwetschgenbaumzweige blühen gut auf. Je reicher die Blütenpracht zum Christfest, desto mehr Glück und Segen würde das kommende Jahr bringen, glaubte man früher. In einigen Gegenden gab es am Barbaratag auch das Barbarabrot. Die heilige Barbara gehört seit über 600 Jahren zu den beliebtesten Heiligen in Bayern. Besonders die Bergleute verehren sie noch heute als „ihre Patronin“.

 

St. Nikolaus in Mähring
Von den Kindern noch heute mit Spannung erwartet wird der Vorabend des Nikolaustages. Am frühen Abend, wenn es dunkel wird, kommt ein als Bischof mit Bischofsstab und Mitra verkleideter Besucher, dem manche Kinder eher mit ängstlichem Respekt begegnen.


Einer kleine Kirche im Bistum Regensburg stattet der heilige Nikolaus alljährlich an seinem Namenstag am 6. Dezember einen Besuch ab. Mitten in der waldreichen Landschaft des Oberpfälzer Waldes liegt Mähring. Fährt man von hier aus auf der Straße nach Neualbenreuth, kommt man nach etwa vier Kilometern an ein kleines Kirchlein, idyllisch von Fichten- und Tannenwäldern umgeben. Beim Betreten der Kirchen fallen dem Besucher sofort die Hufeisen auf, die hier an der Wand aufgehängt wurden. Im Mähringer Pfarrbuch wird von einem Fuhrmann berichtet, der mit seinem Pferdegespann in der Nähe der Kirche im aufgeweichten Boden der Straße steckengeblieben war. Da die Pferde weder durch Fluchen und Schimpfen, noch mit der Peitsche zu bewegen waren, das schwere Fahrzeug aus dem Morast zu ziehen, sei dem Fuhrmann ein sonderbarer Gedanke gekommen. Aus der Kirche habe er die Figur des heiligen Nikolaus geholt und gehofft, er könne ihm helfen. Mit den Worten „So Nikolo, jetzt schieb“, habe er die Statue an die Rückseite des Fuhrwerks gelehnt. Und siehe da, die Pferde zogen mit voller Kraft den Wagen aus dem Morast. Doch der undankbare Fuhrmann ließ die Statue achtlos stehen und fuhr weiter. Schon nach kurzer Wegstrecke brachen sich die Pferde die Beine, wird in dem Pfarrbuch berichtet. Reumütig habe der Fuhrmann daraufhin die Statue in die Kirche zurückgebracht und zur Erinnerung an die Geschehnisse wurden die Hufeiesen der Pferde im Inneren der Kirche aufgehängt. Alljährlich am 6. Dezember feiert die St.-Nikolaus-Kirche ihr Patrozinium. Und das lässt sich auch der Namenspatron der Kirche nicht entgehen. Nach dem Gottesdienst um 14 Uhr 30 mischt sich der Heilige Nikolaus unter die Besucher und verteilt Geschenke an die Kinder.

Autorin: Judith Kumpfmüller