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Allerseelen und Halloween

Vom Heischebrauch zur Gruselparty

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Regensburg, 31. Oktober 2022

Kürbisfratzen und Geisterspuk – seit einigen Jahren erfreut sich Halloween auch in Deutschland wachsender Beliebtheit. Vor allem die Kinder feiern das aus Amerika kommende Fest – für viele Erwachsene ist Halloween dagegen ein Reizwort. Doch das amerikanische Geisterfest ist gar nicht so weit von unseren alten Allerheiligen- und Allerseelenbräuchen entfernt.
Auch bei uns klopften früher an Allerseelen Kinder und Arme an die Haustüren und holten sich die „Seelenbrote“. Und man glaubte fest daran, dass in der Nacht auf Allerseelen die Armen Seelen aus dem Fegfeuer auf die Erde zurückkehren.

Allerheiligen und Allerseelen

Jährliche Gedenktage für alle Verstorbenen als Sammelfest gab es in der Kirche bereits im frühen Mittelalter. Sie wurden meist nach der Osterzeit, z.B. am Pfingstsonntag oder am Montag nach dem Dreifaltigkeitssonntag, gefeiert.

Im 8. Jahrhundert begann man in England und Irland, den 1. November als Fest aller Heiligen zu feiern und bereits im 9. Jahrhundert legte Papst Gregor das Allerheiligenfest für die gesamte Kirche auf den 1. November. Im Jahr 998 wurde dann von Abt Odilo von Cluny Allerseelen, zusätzlich zum Allerheiligentag, als Gedenktag für alle Verstorbenen eingeführt.

Heute hat in der katholischen Kirche der Allerheiligentag – weil er als offizieller Feiertag übriggeblieben ist – beide Funktionen übernommen. In Stadt und Land werden an diesem Tag die Gräber der Angehörigen besucht. Nach altem Brauch kommen am Vortag von Allerseelen auch diejenigen zum Grab, die fern von den verstorbenen Eltern und Verwandten wohnen. Die Gräber werden mit Blumen geschmückt und ein Grablicht wird aufgestellt. An vielen Orten finden feierliche Prozessionen zum Friedhof statt. Man besprengt die Gräber mit Weihwasser, der Kirchenchor singt und die Blaskapelle spielt.
Früher gab es um Allerheiligen und Allerseelen viel Aberglauben. Wer sich in der Nacht auf Allerseelen ins Freie wagte, war in großer Gefahr, so der Volksglaube. Denn Spuk und Zauber drohten, und alle Geister und Dämonen waren freigelassen. Ein alter bäuerlicher Spruch lautet: „Nach der Kirbe (=Kirchweih) kommt Allerheiligen und nach Allerheiligen kommt der Teufel“.

Die Nacht der Armen Seelen

Nach altem Volksglauben verlässt die Seele nach dem Tod den Körper. Bevor sie aber in den Himmel eingehen darf, muss sie im Fegfeuer für ihre Sünden büßen. Einmal im Jahr jedoch dürfen die Armen Seelen auf die Erde zurückkehren, dorthin, wo sie einst als Menschen gelebt haben - und zwar in der Nacht auf Allerseelen (nach anderer Deutung auf Allerheiligen). Strenge Vorschriften gab es für diese Nacht: Keine Tür durfte heftig zugeworfen werden, damit man keine der unsichtbaren Armen Seelen zerquetscht. Es wurde kein Messer mit der Schneide und kein Rechen mit dem Zinken nach oben liegengelassen usw. Am Tisch wurde auch für die Armen Seelen gedeckt und auf die Gräber legte man Seelenwecken als Speise für die nicht erlösten Toten.

Kinder und Armesünderbeter

Noch im vorigen Jahrhundert machten sich um Allerseelen nicht nur Kinder in Scharen auf, um sich das „Seelenbrot“, die „Seelenbuzala“ oder das „Allerseelenspitzl“ zu holen. Auch ärmere Frauen, die sogenannten Kirmweiber, und sogar ganze Familien zogen von Hof zu Hof. Meist bekamen sie von der Bäuerin ein „Seelenstuck“, ein einfaches Brot aus dunklem Mehl. Mehr Glück hatte, wer im reicheren Gäuboden daheim war. Hier wurden oft auch für die Armen Gebildbrote aus hellem Mehl, die „Pfennigwecken“ gebacken und in der nördlichen Oberpfalz gab es die „Armenseelenzaichala“, kleine Weißbrote in Form einer Kinderhand. Wer konnte, der verteilte seine Gaben gerne an die Bettler, denn sie sollten Glück und Segen über Haus und Flur bringen. In der Oberpfalz wurden sie auch „Armesünderbeter“ genannt, denn jedes „Vergelt‘s Gott“ würde einen „Armen Sünder“ aus dem Fegefeuer erretten, glaubte man.
Ähnliche Heischebräuche um Allerheiligen und Allerseelen waren in vielen Regionen Europas verbreitet. Und so geht der Brauch, dass Kinder an Halloween von Haus zu Haus gehen und „Süßes oder Saures“ fordern vermutlich darauf zurück, dass arme Kinder früher an Allerheiligen einen Allerseelenkuchen „erbettelt“ haben.

Leere Klassenzimmer

Im Lauf der Zeit artete auch das „Allerseelenbetteln“ immer mehr aus. So erteilte das Bezirksamt in Cham im Jahr 1901 eine Verfügung gegen das „Bettelwesen“. In der Begründung heißt es, dass ganze Familien im weiten Umkreise von Cham „treppauf und treppab ziehen, um Gaben in Brot, sogenannte Allerseelenwecken, und Geld in Empfang zu nehmen oder richtiger gesagt zu betteln“. Beanstandet wird auch, dass die Schulen eine ganze Woche leer bleiben und auch die ganz kleinen Kinder schon mitgenommen werden. Selbst Wohlhabende seien an diesen Tagen unterwegs. Viele Pfarrer, die zu dem behördlichen Schreiben Stellung nehmen sollten, verteidigten den alten Oberpfälzer Brauch jedoch als „schöne Sitte, den Allerseelentag durch Almosen zu feiern“.

Vereinzelt gibt es noch Orte, in denen der Brauch bis heute gepflegt wird. Da ziehen die Kinder an Allerseelen, dem „Spitzeltag“ gemeinsam von Geschäft zu Geschäft und sagen ihr Sprücherl auf. Früher gab’s ein Spitzl oder Hefegebäck, heute sind es oft Kleinigkeiten – ein echtes Spitzl ist eher eine Seltenheit.

All Hallows' Eve

Das Wort „Halloween“ bezieht sich auf das Fest Allerheiligen. Es ist eine Verballhornung von „All Hallows' Eve(ning)“, übersetzt: „Aller Heiligen Abend“ und bezeichnet den Vorabend des Allerheiligentages, den 31. Oktober.

Für den Ursprung von Halloween gibt es unterschiedliche Erklärungen. Sicher ist jedoch, dass irische Einwanderer Halloween im 19. Jahrhundert mit in die Neue Welt brachten. Erst wurde Halloween vor allem in den Einwanderervierteln großer Städte gefeiert, doch schon bald verbreitete sich das Fest in den gesamten USA und es entwickelten sich immer neue Bräuche und Traditionen – darunter der Kürbis, der zum Sinnbild von Halloween geworden ist. Der geht auf eine alte irische Sage um den Trunkenbold Jack Oldfield zurück, der es mit einem Trick geschafft hatte, den Teufel einzufangen.  Er wollte ihn nur freilassen, wenn er Jack O fortan nicht mehr in die Quere kommen würde. Als Jack starb, wurde er wegen seiner verwerflichen Taten nicht in den Himmel eingelassen, aber auch die Hölle blieb ihm verschlossen.

Doch der Teufel erbarmte sich und schenkte ihm eine ausgehöhlte Rübe, die von einer glühenden Kohle erleuchtet wurde. Seitdem zieht er der Legende nach mit seiner „Laterne“ durch die Welt zwischen Himmel und Hölle.

Die Rübe wurde in Amerika durch den Kürbis ersetzt und der alte Volksglaube an umherziehende Geister und Seelen aus der Totenwelt führte im Lauf der Zeit zu den oft gruseligen Verkleidungen.

Vom Heischebrauch zur Gruselparty 

Hier wie dort lebt also der alte Glaube an die umherwandernden Seelen am Vorabend des Totengedenktages fort. Sogar der alte Heischebrauch der „Seelengänger“ hat sich erhalten, wenn auch mitunter in einer anderen Form. Dass in Amerika - und inzwischen auch bei uns - Gruselpartys mit schaurig aussehenden Speisen veranstaltet werden, dass die „Halloweenstreiche“ in Vandalismus ausarten und dass mit immer neuen Halloween-Produkten einträgliche Geschäfte gemacht werden, das hat allerdings mit den alten Allerseelenbräuchen nichts mehr zu tun.

 

Text: Judith Kumpfmüller

Titelbild: (c) rawpixel.com - stock.adobe.com 

Weitere Infos

In der Frage, was konkret mit der Seele und dem Leib des Menschen nach seinem Tod passiert, mischte sich seit jeher viel Aberglaube in den Volksglauben. Der Katechismus, der den Glauben der katholischen Kirche offiziell darlegt, ist in dieser Frage zurückhaltender: „Was heißt ‚auferstehen‘? Im Tod, bei der Trennung der Seele vom Leib, fällt der Leib des Menschen der Verwesung anheim, während seine Seele Gott entgegengeht und darauf wartet, dass sie einst mit ihrem verherrlichten Leib wiedervereint wird. In seiner Allmacht wird Gott unserem Leib dann endgültig das unvergängliche Leben geben, indem er ihn kraft der Auferstehung Jesu wieder mit unserer Seele vereint.“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Ziffer 997).

(mk)