Bischof küsst Altar beim Einzug

750 Jahre gotischer Dom: Domkirchweihe und Sommerfest der Caritas

„Der Altar macht eine Kirche zur Kirche“


Regensburg, 01. Juli 2026 

"Offene Türen - Offene Herzen" - lautete das Motto der Domkirchweihe am Dienstag, 30. Juni 2026, im Regensburger Dom St. Peter. Dieses Datum gilt als der Kirchweihtag des gotischen Doms im Jahr 1276. Das ganze Jahr feiert die Diözese das Jubiläum „750 Jahre Regensburger Dom“ mit zahlreichen Konzerten, Gottesdiensten und Veranstaltungen.

Um die enge Verbindung von Gottesdienst und Dienst am Nächsten deutlich zu machen, luden das Domkapitel und der Diözesanverband der Caritas im Anschluss an die Pontifikalmesse mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zu einem besonderen Sommerfest in den Domgarten bei Musik, herzhaften Speisen und kühlen Getränken ein. Eingeladen waren dazu Personen, die die vielfältigen Dienste der Caritas nachfragen sowie alle Gläubigen, die an der Kirchweihmesse teilgenommen hatten. Zu Beginn des Gottesdienstes begrüßte Bischof Rudolf die Gläubigen mit den Worten: „Der 30. Juni ist, der Überlieferung nach, der Weihetag, und da man die Feste feiern soll, wie sie fallen, feiern wir heute mit großer Freude“. Er gratulierte auch den beiden Regensburger Weihbischöfen, Dr. Josef Graf und Reinhard Pappenberger, sowie Michael Eibl, Direktor der Katholischen Jugendfürsorge, herzlich zum Geburtstag, den beide Weihbischöfe und Direktor Eibl am 30. Juni begehen. Musikalisch wurde der Kirchweihgottesdienst von den Regensburger Domspatzen, unter der Leitung von Kathrin Giehl, gestaltet. An der Orgel spielte Domorganist Prof. Franz Josef Stoiber. 

Woran erkennt man eine Kirche?

Mit der Frage „Was macht eine Kirche aus? Woran erkennt man eine Kirche?“ begann Bischof Rudolf seine Predigt und nahm die Gottesdienstgemeinde mit auf einen gedanklichen Weg, den er nach eigenen Worten häufig auch mit Kindern und Jugendlichen im Religionsunterricht gegangen ist: Was gehört unbedingt zu einer Kirche – und was macht sie im eigentlichen Sinn zur Kirche?

Kinder und Jugendliche würden meist spontan antworten: „Der Turm, der Kirchturm.“ Tatsächlich präge der Regensburger Dom mit seinen beiden markanten Türmen das Stadtbild. Sie ragten weit über die Dächer hinaus und ihre Glocken riefen die Menschen zusammen: „Jetzt ist Heilige Messe! Kommt herbei.“ Besonders erinnerte Bischof Rudolf daran, dass die heute charakteristischen Turmspitzen erst im 19. Jahrhundert entstanden seien, lange Zeit habe der Dom nur stumpfe Türme besessen. Zugleich machte er deutlich, dass ein Turm allein eine Kirche nicht zur Kirche macht. Es gebe Kirchen ohne Turm und umgekehrt Gebäude mit Türmen – etwa das Alte Rathaus in Regensburg – die dennoch keine Kirchen seien.

Im nächsten Schritt ging der Regensburger auf das Instrument aller Instrumente ein: Die Orgel. Auch sie werde von Kindern häufig als wesentliches Merkmal einer Kirche genannt. Stolz verwies er auf die neue Domorgel, die vor 17 Jahren geweiht wurde, rund 37 Tonnen wiegt und sowohl von oben als auch von unten gespielt werden kann. Sie begleite den Domspatzenchor ebenso wie die versammelte Gemeinde beim Gesang. Dennoch gelte auch hier: „So wichtig die Orgel ist. Sie macht ein Haus auch noch nicht zur Kirche.“ Es gebe arme Kirchen in der Welt, die sich keine Orgel leisten könnten und dennoch Kirchen seien. Umgekehrt verwies er auf Konzertsäle oder sogar Kinos mit Orgeln, die selbstverständlich keine Kirchen seien.
 

 

Der geweihte Altar, ist die Mitte der Kirche

Ebenso wenig seien Kanzel, Kreuze oder Heiligenfiguren das entscheidende Unterscheidungsmerkmal. Zwar gehörten sie vielfach zu Kirchenräumen, doch könnten Kreuze und Heiligenfiguren ebenso in Museen oder Antiquitätengeschäften zu finden sein. Mit einem Schmunzeln erzählte Bischof Rudolf die Antwort eines Ministranten, der einmal gesagt habe: „Die Kirche, das ist ein feierliches Gebäude, wo man Sitzgelegenheiten hat, bei denen man sich auch hinknien kann.“ Tatsächlich seien Kniebänke in vielen Kirchen ein charakteristisches Element. Doch auch sie seien nicht das Wesentliche, selbst wenn sie – wie im Regensburger Dom – inzwischen sogar beheizbar seien. „Aber warum braucht man Kniebänke? Zum Knien, warum, wann knien wir?“ In dieser Frage liege der entscheidende Hinweis zum Verständnis dessen, was eine Kirche wirklich zur Kirche macht.

Die entscheidende Antwort für Bischof Rudolf ist klar: Der Altar! „Wenn auf dem Altar durch den Dienst des Priesters Christus gegenwärtig wird in der Heiligen Messe. Der Altar, der geweihte Altar, ist die Mitte der Kirche. Er macht eine Kirche zur Kirche.“ Nicht Architektur, Ausstattung oder Größe seien ausschlaggebend, sondern der geweihte Altar als Ort der Feier der Eucharistie. Deshalb könne auch eine kleine und schlichte Dorfkirche vollständig Kirche sein, wenn sie einen geweihten Altar besitze. Umgekehrt gelte: „Und eine noch so prächtige gotische Halle mit Orgel, Kreuz, Kanzel, aber ohne geweihten Altar – ist keine Kirche.“

30. Juni: Datum aller Altarweihen im Dom

Im gotischen Dom St. Peter werden gegenwärtig zwei Altäre genutzt, erklärte der Regensburger Oberhirte weiter, um auf „ihnen die Heilige Messe zu feiern“. Einmal am Volksaltar im Mittelschiff und am Altar in der Sailerkapelle. Die Sailerkapelle sei zugleich ein Ort der Stille und des Gebets. Dort brennt auch das ewige Licht, dort würden die konsekrierten Hostien im Tabernakel aufbewahrt. Deshalb, so erklärte Bischof Voderholzer, sei Christus nicht nur während der Messfeier gegenwärtig, sondern bleibe darüber hinaus im Sakrament gegenwärtig – und vor dieser Gegenwart Christi beuge die Kirche ihre Knie. Beide Altäre verbänden den steinernen Opferaltar mit dem Tisch des Letzten Abendmahls. Christus habe durch seine Hingabe am Kreuz die Opfer der Vorzeit vollendet und am Abend vor seinem Leiden das Gedächtnismahl gestiftet, in dem er die Gläubigen mit sich und untereinander als Kirche vereine. 

Abschließend erinnerte er daran, dass beide Altäre des Domes an einem 30. Juni geweiht wurden – jenem Tag, an dem die Gläubigen im Bistum auch die Domkirchweihe begehen. So erinnere die Feier der Domkirchweihe daran, dass das eigentliche Herz jeder Kirche nicht ihre beeindruckende Architektur ist, sondern die lebendige Gegenwart Christi in der Eucharistie. Darin liegt das, was eine Kirche wirklich zur Kirche macht.

Früher ging man davon aus, dass erste Altar des gotischen Doms am 30. Juni 1276 geweiht wurde, doch dafür fehlen konkrete Belege, möglicherweise war es auch die Grundsteinlegung, so Bischof Rudolf. Gesichert sei hingegen, dass am 30. Juni 1976 sein Vorgänger Bischof Rudolf Graber den heutigen Volksaltar im Regensburger Dom St. Peter weihte. Dieser befindet sich im Zentrum des Doms und wurde vom Bildhauer, sowie dem damaligen Leiter der Dombauhütte, Richard Triebe, aus rotem Marmor und Bronze geschaffen. Der Altar verbindet den steinernen Opferstein mit einer bronzenen Tischplatte, die den Stein vollständig überwölbt und deren besondere Gestaltung sich erst bei genauer Betrachtung erschließt. Zudem erinnerte der Bischof an die Altarweihe der Sailerkapelle am 30. Juni 2004, deren Gestaltung von Helmut Langhammer stammt, der in diesem Januar von Bischof Rudolf mit der Wolfgangsmedaille ausgezeichnet wurde.

Er betonte zum Abschluss seiner Predigt, dass die „Kirchweih in Bayern seit jeher ein bedeutendes Fest ist“ und Anlass gebe, für die schönen Kirchen im ganzen Bistum dankbar zu sein. Diese seien Orte, an denen Menschen Gott auf besondere Weise begegnen und im Brot des Lebens Gemeinschaft erfahren können. Durch Jesus Christus würden die Gläubigen zu einer großen Familie von Schwestern und Brüdern verbunden, die füreinander da sind. Er wünschte dem Regensburger Dom, dass auch in den nächsten „50, 750 und 1000 Jahren noch viele Menschen den Weg durch die geöffneten Domtüren finden und in der Kathedrale ihre Sorgen, Nöte und Gebete vor Gott tragen und im Gebet Heil und Trost finden. Abschließend dankte Bischof Voderholzer allen Anwesenden für ihr Kommen und bat die Patrone des Regensburger Doms, die Gottesmutter Maria und den heiligen Petrus, um ihre Fürsprache. 

 

Zünftiges Sommerfest im Domgarten

Bei der zwanglosen Begegnung im Domgarten wurden Snacks und Speisen am Flying Buffet serviert. Italienische Eisspezialitäten sorgten für genussreiche Erfrischung an diesem besonderen Sommerabend. Bedient und verköstigt wurden die Gäste von Mitarbeitern der Caritas und der Katholischen Jugendfürsorge. Musikalisch umrahmten die Blaskapelle „D‘ Wadlbeißer“ aus Kumpfmühl die Feierstunde mit zünftiger Blasmusik und sorgten für eine ausgelassene Stimmung.

Text und Fotos: Christian Beirowski
(jas)



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