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Zur Neuigkeit
70jähriges Priesterjubiläum
Vom Klassenzimmer bis zum Altar: Ein Leben für Generationen
Straubing 29. Juni 2026
Wer in den vergangenen Jahrzehnten in Straubing zur Schule ging oder die heilige Messe besuchte, dem ist sein Name ein Begriff: Pfarrer Michael Bauer. Seit seiner Priesterweihe am 29. Juni 1956 hat er den Wandel der Welt und der Kirche hautnah miterlebt. Als hochengagierter Religionslehrer hat er die Herzen unzähliger junger Menschen tief geprägt. Nun schließt sich in der Pfarreiengemeinschaft St. Elisabth – St. Peter beeindruckender Kreis. Nicht nur die Pfarreiengemeinschaft, die ganze Stadt Straubing und das Umland gratuliert ihrem beliebten Ruhestandsgeistlichen voller Wertschätzung zum Platin-Priesterjubiläum – einem seltenen Gnadenjubiläum nach 70 Jahren.
Vom Bauernhof in den Gäuboden
Geboren wurde Michael Bauer am 14. August 1931 im oberpfälzer Prackendorf bei Neunburg vorm Wald . Er wuchs als ältestes von neun Kindern auf dem elterlichen Hof auf. Schon früh spürte er den Ruf Gottes . Bereits mit zehn Jahren fragte er seinen Onkel Johann Fersch, den damaligen Pfarrer von Saulburg, ob er auch Priester werden könne . Der Onkel unterstützte diesen Wunsch nach Kräften. So kam der junge Michael vor genau 84 Jahren das erste Mal nach Straubing . Zur Vorbereitung auf das Gymnasium besuchte er fünf Monate lang die Volksschule Sankt Peter. Es war der Beginn einer lebenslangen, tiefen Verbundenheit zu diesem Ort, an dem er später selbst unterrichtete, in der Pfarrei Sankt Peter auch wohnt und in der Seelsorge mithalf
Später besuchte er das Johannes-Turmair-Gymnasium und war von 1942 bis 1950 Seminarist im Bischöflichen Knabenseminar. In diese Zeit fielen auch die prägenden Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Der Jubilar erinnert sich noch heute lebendig an den ersten Bombenangriff auf Straubing am 4. November 1944. Wegen der höchsten Alarmbereitschaft wurden die Zöglinge damals nach Hause geschickt. Dort erlebte er kurz darauf, wie am 17. Dezember 1944 die elterliche Scheune abbrannte und große Not herrschte. Doch sein Wille war ungebrochen. Ein Jahr später nahm er seine Studien in Straubing wieder auf und machte das Abitur.
Ein Leben im Dienst der Jugend und der Gemeinschaft
Ab 1950 studierte Michael Bauer Theologie in Regensburg. Am 29. Juni 1956 folgte der große Tag: Bischof Dr. Michael Buchberger weihte ihn zum Priester. Diesem feierlichen Versprechen ist er nun seit 70 Jahren in unerschütterlicher Treue nachgekommen. Seine ersten Stationen als Kaplan führten ihn nach Schönthal, Hiltersried und Rötz, bevor er im Gäuboden in der Pfarrei Leiblfing wirkte, wo er unter anderem tatkräftig am Neubau der dortigen Kirche mitarbeitete.
Anfang der 1960er Jahre kehrte er als Religionslehrer an die Volksschule Sankt Peter zurück. Im Jahr 1966 folgte er dem Ruf an die damalige Knabenrealschule, die heutige Jakob-Sandtner-Realschule. Ganze 28 Jahre lang prägte er dort Schülergenerationen. Auch an der Ulrich-Schmidl-Schule, der Berufsschule und der Pindlschule war er ein überaus geschätzter Pädagoge. Das hohe Vertrauen seines Kollegiums zeigte sich in seiner 16-jährigen Amtszeit als gewählter Personalratsvorsitzender. Pfarrer Bauer war kein distanzierter Lehrer. Er war ein feinfühliger Zuhörer, der heute noch die Gesichter, Namen und Familiengeschichten seiner ehemaligen Schüler kennt. Er schenkte echtes Interesse, leistete Beistand und lebte nach dem Motto von Edith Stein: Gottes Güte wie ein Fenster in die Welt hineinleuchten zu lassen. „Und sechs meiner Schüler haben den Dienst des Priester als ihre Berufung erkannt“ erzählt Michael Bauer mit strahlenden Augen. Neben der Schule schlug sein Herz natürlich auch für die Jugendseelsorge. Acht Jahre lang war er Stadtjugendseelsorger. Legendär sind die Treffen „7x für die Jugend“ im Kronensaal zwischen 1963 und 1972, zu denen jedes Mal rund 300 junge Menschen strömten.
Beeindruckende Seelsorge in Zahlen
Sein priesterliches Wirken lässt sich auch in beeindruckenden Zahlen ausdrücken. In seinem bewegten Leben leitete er stolz 350 Taufen, 313 Trauungen und 272 Beerdigungen. Er hielt jahrzehntelang an jedem Werktag die heilige Messe in Sankt Peter und half unzählige Male in der Stadt und im Landkreis aus. Von Beginn an gestaltete er zudem das Leben auch in der damals neugegründeten Pfarrei Sankt Elisabeth mit. Eine Zahl lässt besonders aufhorchen: In insgesamt 36 verschiedenen Kapellen und Kirchen in Straubing hat er Gottesdienste gefeiert und dabei so manches versteckte kirchliche Kleinod zum Klingen gebracht.
Sein vielseitiges Engagement reichte weit über die Grenzen des Kirchenraums hinaus. So sang er 25 Jahre lang mit großer Begeisterung im Kammerchor mit und war aktives Mitglied im Bayerwaldverein. Als Pionier der Hospizbewegung in Straubing zählt er zu den Gründervätern des Franziskus-Hospizvereins. Zudem unterstützte er als geistlicher Begleiter den Verband der Pfarrhaushälterinnen in der Diözese und war lange Jahre der Sprecher der Priesterseniorenrunde. Zu den besonderen Steckenpferden seiner aktiven Zeit gehörte außerdem die Mitplanung der Restaurierung der Schutzengelkirche. Aus den Treffen der Priesterseniorenrunde erzählt er gerne eine Anekdote über den Gäubodenhof und die Wirtin Hedwig Dietl. Wenn diese beim Zwölfuhrläuten in der Gaststube nach einem Kreuzzeichen den „Engel des Herrn“ anstimmte, nahmen alle Gäste augenblicklich ehrfürchtig ihre Hüte ab, was bei ihm bleibenden Eindruck hinterließ.
Dankbarkeit im hohen Alter
Die Corona-Pandemie bezeichnet Pfarrer Bauer rückblickend als schmerzhaften Wendepunkt. Zwar blieb er gesund, doch das plötzliche Einfrieren der sozialen und kirchlichen Kontakte veränderte das Gemeinschaftsleben nachhaltig. Mit Sorge blickt er heute auch auf den Rückgang der Priesterberufungen. Während er 1956 noch mit 31 Kurskollegen geweiht wurde, steht in diesem Jahr nur noch ein einziger Kandidaten vor der Weihe. Dass er der letzte lebende Priester seines eigenen Weihejahrgangs ist, stimmt ihn nachdenklich.
Dennoch überwiegt die tiefe Zufriedenheit und Dankbarkeit . Ein ganz besonderer Dank gilt seiner Pfarrhaushälterin Betty Deml . Seit nunmehr 65 Jahren steht ihm die Cousine zweiten Grades treu zur Seite. Dank ihrer unermüdlichen Unterstützung kann sich der rüstige Jubilar auch heute noch selbst versorgen.
Heute, den 29. Juni 2026, feiert die Pfarreiengemeinschaft Sankt Elisabeth-Sankt Peter dieses seltene Gnadenjubiläum. Um 18 Uhr findet in der Basilika Sankt Peter ein feierlicher Festgottesdienst zum Patrozinium statt. Dekan Johannes Plank wird dabei die feierlichen Worte des Dankes sprechen. Für den Jubilar, der sich zeitlebens so tief mit den Menschen vor Ort verbunden fühlte, gäbe es zu diesem Ehrentag kein schöneres Geschenk als eine lebendige, volle Kirche. Die Pfarrei lädt daher von ganzem Herzen alle Wegbegleiter, Freunde, Bekannte und ganz besonders die vielen ehemaligen Schüler ein, sich auf den Weg in die Basilika zu machen. Ein Wiedersehen mit so vielen vertrauten Gesichtern aus sieben Jahrzehnten priesterlichen Wirkens wäre für Pfarrer Michael Bauer die allergrößte Freude. Jeder der ihn kennt, sollte sich vor einem großen Lebenswerk im Weinberg des Herrn verneigen und von ganzem Herzen sagen: Vergelt’s Gott, Pfarrer Bauer!
Text und Foto: Irmgard Hilmer
(chb)




