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Zur Neuigkeit
Einzigartige Aktion in der Diözese: Ministranten bringen das Licht der Apostel zum Leuchten
Apostelleuchter erinnern an Ursprünge unseres Glaubens
Riekofen-Schönach, 25. Juni 2026
Es war ein tief bewegender und denkwürdiger Wortgottesdienst, den die Pfarreiengemeinschaft Riekofen-Schönach in der feierlich geschmückten Pfarrkirche in Riekofen erleben durfte. Am Vorabend der Spendung der heiligen Firmung versammelten sich viele Gläubige: Zahlreiche Ministrantinnen und Ministranten, stolze Eltern, engagierte Ministrantenbetreuerinnen sowie die Mitglieder der Kirchenverwaltung und des Pfarrgemeinderats waren zusammengekommen, um einen ganz besonderen Gast in ihrer Mitte zu begrüßen. Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer war eigens angereist, um diesen Moment gemeinsam mit der Gemeinde zu feiern. Im Mittelpunkt des Interesses stand dabei ein Projekt, das in der gesamten Diözese Regensburg als bisher einmalig gilt: Die Messdiener der Pfarreiengemeinschaft hatten in wochenlanger, liebevoller Handarbeit die Kerzen für die zu jeder Kirche gehörenden Apostelleuchter selbst verziert und gestaltet. Neben Pfarrer Abasili feierten auch Pfarrvikar Pater Kessington Anyanwu SMMM sowie Diözesanjugendseelsorger Matthias Strätz den Festgottesdienst mit.
Vom Geistesblitz zum großen Gemeinschaftswerk
Die Geburtsstunde dieses außergewöhnlichen Projekts lag bereits einige Monate zurück. Pfarrer Pater Dr. Alexander Abasili SMMM begrüßte die Festgemeinde voller Freude und blickte dankbar auf den 19. Oktober 2025 zurück, als Bischof Rudolf zu Gast in Schönach war und diese wunderbare Idee rund um die Apostelleuchter geboren wurde. Der Bischof selbst war der Impulsgeber. Bei der Segnung einer frisch renovierten Nebenkirche waren zwar Halterungen vorbereitet, aber es fehlten noch die Kerzen. Da kam ihm die Idee für diesen Vorschlag. Die Messdiener ließen sich nicht zweimal bitten und gingen mit Engagement ans Werk. Jede einzelne der zwölf Kerzen wurde in einer Gruppenstunde intensiv vorbereitet, in der sich die Jugendlichen mit der Symbolik des Lichts und den Lebensgeschichten der Apostel auseinandersetzten. Als Zeichen seiner großen Wertschätzung für diesen Eifer übernahm Bischof Rudolf sogar persönlich die Kosten für die Kerzen. So etwas hat es noch nicht gegeben, zeigte sich Bischof Rudolf sichtlich begeistert von der eigenständigen Gestaltung und dem gemeinsamen Aufstellen der Lichter. Das Ergebnis sei umwerfend, wunderschön und schlichtweg perfekt. Es sei immer etwas Schönes, wenn man ein Projekt in echter Gemeinschaft verwirkliche. Augenzwinkernd fügte der Bischof hinzu, er sei sich sicher, dass die Ministranten von nun an in jeder Kirche, die sie betreten, ganz genau hinsehen werden, ob es dort schöne Apostelleuchter gibt oder ob man etwas verbessern könnte.
Der Gottmensch als Mitmensch: Vom Ruf in die Nachfolge
In seiner Predigt zeigte sich Bischof Voderholzer tief beeindruckt von der Initiative und dem Fleiß der Jugendlichen. Er nahm die kunstvollen Kerzen zum Anlass, um den Bogen von den heutigen Altardiensten direkt zu den historischen Anfängen der Kirche zu schlagen. Das Allererste, was Jesus nach seinem Aufenthalt in der Wüste und seinem Eintritt in die Öffentlichkeit getan habe, sei weder ein großes Wunder noch eine theologische Rede gewesen. Das Erste, was uns die Evangelien überliefern, ist die Berufung der Jünger. Der Gottmensch ist ein Mitmensch, der nichts alleine tut, betonte der Oberhirte vor den Gläubigen. Gott suche die Gemeinschaft mit den Menschen, um sein Heilswerk auf Erden fortzuführen.
Anschaulich schilderte Bischof Rudolf, wie Jesus am See Genezareth entlangging und mit den Brüdern Simon Petrus und Andreas sowie Jakobus und Johannes die ersten Fischer von ihrer täglichen Arbeit wegrief, um sie zu Menschenfischern zu machen. Selbst vor dem Zöllner Matthäus, der in der damaligen Gesellschaft als Halsabschneider galt, machte dieser Ruf nicht halt. Während die damaligen Gesetzeslehrer und Rabbiner traditionsgemäß niemals mehr als fünf Schüler um sich versammelten, überschritt Jesus diese Grenze ganz bewusst und wählte exakt zwölf Apostel aus.
Die heilige Zahl Zwölf und das Fundament unseres Glaubens
Bischof Voderholzer erläuterte der Festgemeinde die tiefe theologische Symbolik dieser heiligen Zahl. Die Zwölf, mathematisch und biblisch aus drei mal vier gefügt, stehe im Neuen Testament für die Neusammlungsbewegung des Volkes Gottes. Da zur Zeit Jesu vom einstigen Zwölf-Stämme-Volk Israel nach den Wirren der Geschichte eigentlich nur noch ein einziger Stamm nennenswert existierte, setzte Christus mit der Wahl der zwölf Apostel ein unübersehbares Zeichen für den Neubeginn und die Zusammenführung aller Menschen im Glauben.
Diese Zwölfzahl ziehe sich bis in das Fundament der Kirche. Der Bischof verwies auf eine fromme Legende, nach der jeder der zwölf Apostel vor der Himmelfahrt Christi jeweils einen Satz zum Apostolischen Glaubensbekenntnis beigesteuert habe. Beginnt man dieses Bekenntnis auseinanderzunehmen, stellt man fest, dass es tatsächlich aus genau zwölf Sätzen besteht. Wenn alle Apostel zusammenstehen und Zeugnis ablegen, dann ist das Wichtigste über unseren Glauben gesagt.

Ein leuchtendes Zeugnis und der Funke für die Firmung
An den Wänden und Säulen der Gotteshäuser zeugen die Salbungskreuze von der einstigen Kirchweih. Damit diese Segenszeichen im Alltag nicht übersehen werden, brennen daneben traditionell die Apostelleuchter. Dass genau diese geschichtsträchtigen Leuchter nun durch die von den Ministranten handverzierten Kerzen neu erstrahlen, erfüllte den Diözesanbischof mit großer Freude und Stolz. Den Riekofenern kann ich wirklich nur den herzlichsten Glückwunsch aussprechen, dass sie so tolle Ministranten haben, lobte er die Jugendlichen unter dem Beifall der Gemeinde. Durch ihren Fleiß hätten sie dieses schöne Zeichen, das uns an die tiefen Ursprünge unseres christlichen Glaubens erinnert, auf wunderbare Weise sichtbar vor Augen gestellt.
Anbringen der Apostelkerzen
In einem ergreifenden Lobpreis wechselten sich Bischof, Pfarrer, Gemeinde, Gruppenleiterin, Lektor und Ministrant ab. Zu jedem Licht sprach Bischof Rudolf den feierlichen Segen: Möge dieses Licht leuchten als Zeichen Christi; möge es Wärme, Hoffnung und Wegweisung schenken. Nach jedem Entzünden stimmte die Gemeinde den Liedruf „Mache dich auf und werde Licht“ an. Nacheinander nahmen die Ministranten die zwölf Kerzen in die Hand und brachten sie zusammen mit dem Bischof zu den Weihekreuzen, wo sie aufgesteckt und feierlich entzündet wurden. Das Licht wurde symbolträchtig von der Osterkerze genommen. Jede Kerze trägt das individuelle Symbol und Attribut eines der zwölf Apostel und den Namen. Die Lichter erinnern an Petrus, den Fels und Anführer, sowie an Andreas, Jakobus den Älteren, Johannes, Philippus, Bartholomäus, Thomas, Matthäus, Jakobus den Jüngeren, Thaddäus, Simon Zelotes und Matthias. Die Fürbitten, vorgetragen durch die Ministranten, und das gemeinsame „Vater unser“ rundeten die Feierstunde ab. Von nun an werden die Apostelleuchter an Festen wie Kirchweih, Patrozinium, dem Festtag des jeweiligen Apostels, bei der Firmung und beim Besuch des Bischofs brennen.
Zum Ende der feierlichen Liturgie schlug Bischof Rudolf schließlich die Brücke zum darauffolgenden Tag, an dem der Vertreter des Bischofs das Sakrament der Firmung in der Pfarreiengemeinschaft spenden sollte. Die Flamme des Glaubens, die einst von Jesus auf die Apostel überging und nun auf den selbstgestalteten Kerzen der Ministranten brennt, solle am kommenden Tag als Feuer des Heiligen Geistes auch auf die Herzen der Firmbewerber überspringen und sie für ihren weiteren Lebens- und Glaubensweg stärken. Für alle Gottesdienstteilnehmer gab es anschließend noch die neue Broschüre „Leuchtende Zeugen“ – über die Apostelleuchter in den Kirchen, deren Herausgeber Bischof Rudolf Voderholzer ist.
Fleißige Hände und große Vorfreude schon vor der Erstkommunion
Wie tief das Projekt die Herzen der jüngsten Gemeindemitglieder berührte, zeigte die siebenjährige Magdalena aus Dengling. Als sie hörte, dass die Apostelkerzen gestaltet werden, gab es für sie kein Halten mehr. Gemeinsam mit ihrer Freundin Antonia aus Riekofen und vielen weiteren Freunden bastelte sie eifrig mit. Magdalenas besondere Aufgabe war es, mit kleinen Stechern die feinen Vierecke für die Verzierungen auszustechen. Schon seit Wochen hatte sie sich nach getaner Arbeit voller Vorfreude nach diesem großen Tag der „Apostelleuchtersegnung“ gesehnt – und ganz besonders auf ihren wichtigen Dienst beim Vortragen der Fürbitten.
Dass sie mit ihren gerade einmal sieben Jahren schon stolze Ministrantin ist, hat einen ganz praktischen und zugleich berührenden Grund. Ihre Heimatortschaft ist sehr klein und es gab dort im Moment nur eine einzige Messdienerin. Allein ist es ja nicht so schön, stellte Magdalena treffend fest. Aus diesem Grund darf sie bereits vor ihrer Erstkommunion den Altardienst übernehmen. Immer mittwochs und samstags ist sie nun mit großem Eifer und voller Freude dabei – und bildete an diesem Festabend zusammen mit den älteren Jugendlichen ein wunderbares Vorbild an Gemeinschaft.

Gemeinsamer Glaube wird sichtbar
Unterstützt und angeleitet wurde die Arbeit der Jugendlichen von der Fachstelle Ministrantenpastoral des Bischöflichen Jugendamtes, angeführt von Gemeindereferent Winfried Brandmaier. Die Ministrantenbetreuerinnen Tanja Mühlbauer, Verena Fisch, Bettina Wittmann und Sabrina Buchs standen den Jugendlichen während des gesamten Prozesses liebevoll zur Seite.
Die theologische Bedeutung der Apostelleuchter
Am Rande der Feierlichkeiten ging Bischof Rudolf Voderholzer noch einmal tiefer auf den Hintergrund des Projektes ein. Er erklärte, dass die Apostelleuchter die Apostelkreuze bezeichnen. Dies sind die zwölf Stellen in der Kirche an den Wänden oder an den Säulen, an denen der Bischof bei der Kirchweih das Gotteshaus neben dem Altar salbt. Sie erinnern die Gläubigen daran, dass die Kirche aus lebendigen Steinen auf dem Zeugnis der Apostel ruht. Das physische Kirchengebäude, das aus Materialien wie Ziegelsteinen und Holz besteht, soll transparent werden auf die Kirche aus den lebendigen Steinen, welche die eigentliche Gemeinschaft der Schwestern und Brüder Jesu darstellt. Der Regensburger Oberhirte betonte, dass in der Regel alle katholischen Kirchen solche Apostelkreuze und die zugehörigen Segenskreuze besitzen, da sie ja schließlich gesegnet worden sind. Manche sind feierlich verziert, manche muss man ein bisschen suchen, aber es wäre eine große Ausnahme, wenn eine Kirche keine hätte. Es könne zwar passieren, dass sie aus Unkenntnis übermalt oder vergessen wurden, aber normalerweise wissen der Pfarrer und die Kirchenverwaltung genau, dass dies dazugehört.
Ein wunderbarer Auftrag für die jungen Christen
Auf die Frage, warum sich gerade die Ministranten mit den Apostelleuchtern beschäftigen sollten, fand der Bischof klare Worte. Seiner Ansicht nach sollen sich die Messdiener grundsätzlich mit der Liturgie, dem Kirchenraum und allen dazugehörigen Elementen auseinandersetzen. Die Apostelleuchter eignen sich besonders, um die Jugendlichen aktiv mit einzubeziehen. Alle Christen sind aufgerufen, das Licht weiterzugeben, das die Apostel einst von Christus empfangen haben. Das gilt für Pfarrer, Religionslehrer und pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diesen Dienst im Beruf ausüben und dazu vom Bischof bestellt wurden. Darüber hinaus ist jeder getaufte und gefirmte Christ berufen, auf seine eigene Weise einen apostolischen Dienst auszuüben und das Licht des Glaubens weiterzuschenken. Ministranten seien hierbei qualifizierte, junge Christinnen und Christen, bei denen man deutlich sehen kann, wie sehr sie dieses Thema interessiert. Bischof Rudolf bezeichnete das vollendete Gemeinschaftswerk der Jugendlichen als wunderschön und schlichtweg perfekt. Was die Ministranten in der Pfarreiengemeinschaft Riekofen-Schönach ins Leben gerufen haben, habe Vorbildcharakter für die Pfarreien im gesamten Bistum Regensburg.
Text und Fotos: Irmgard Hilmer
(jas und SG)

















