Gruppenfoto, Priester, Bischof und Fahnenabordnungen auf Kirchenstufen

400 Jahre Marianische Männerkongregation Amberg

Mit gläubigem Herzen sehen und der Welt begegnen


Amberg, 15. März 2026

Ein besonderes Jahr darf die Marianische Männerkongregation der Pfarrei St. Georg in Amberg in diesem Jahr feiern. Sie kann heuer auf ihr 400-jähriges Bestehen zurückblicken. Zum Höhepunkt des Festjahres, dem Jubiläumshauptfest, begrüßte Stadtpfarrer BGR Markus Brunner die Gläubigen in der nahezu vollbesetzten St. Georgskirche in Amberg. Sein besonderer Gruß galt dem Oberhirten der Diözese, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer. Brunner zeigte sich hocherfreut, dass der Bischof den Festgottesdienst zelebrierte.  

Sein Gruß galt ebenso dem Präfekten der Kongregation, Michael Koller. Als Vertreter des öffentlichen Lebens, begrüßte der Geistliche den Amberger Oberbürgermeister Michael Cerny, sowie Landrat Richard Reisinger. Auch zahlreiche Vereine und Verbände waren mit ihren Fahnenabordnungen zum Pontifikalgottesdienst gekommen und natürlich viele Sodalen. 

Zu Beginn der Messe erklärte Bischof Rudolf den Gläubigen die etwas ausgefallene Farbe seines Messgewandes. Mit dem 4. Fastensonntag, der auch „laetare“ („Freue Dich“) genannt werde, sei schon etwas mehr als die halbe Fastenzeit vorüber. Deshalb tragen die Priester an diesem Sonntag die Farbe rosa im Messgewand, um die Vorfreude auf Ostern schon etwas sichtbar zu machen. Ein weiteres Mal finde diese Farbe im Kirchenjahr nur am 3. Adventssonntag, dem Gaudete-Sonntag Verwendung. 

In seiner Predigt griff der Bischof das Tagesevangelium aus dem Johannesevangelium (Joh 9,1–41) auf, in dem Jesus einem blind geborenen Bettler das Augenlicht schenkt, worauf sich eine höchst eindrucksvolle und spannende Geschichte entwickelt, die am Schluss zur endgültigen Heilung des Blindgeborenen führt.

Wenn heute ein Kind geboren werde, so sagte er, spreche man davon, dass es „das Licht der Welt erblickt“ habe. Umgekehrt sage man von einem verstorbenen Menschen, er habe „für immer die Augen geschlossen“. Dazwischen liege gewöhnlich die gesamte Lebensspanne eines Menschen. Anders sei dies jedoch bei Menschen, die blind zur Welt kommen – so wie der Mann im Evangelium. Dieser habe sich mit seinem Schicksal abgefunden und Jesus nicht einmal um Heilung gebeten. Vielmehr habe Jesus selbst die Initiative ergriffen. Nicht persönliche Schuld oder die seiner Eltern seien Ursache seiner Blindheit gewesen, sondern an ihm sollten die Machttaten und die Herrlichkeit Gottes offenbar werden.

Das wahre Licht der Welt

Jesus formte daraufhin aus Erde und Speichel einen Teig und legte ihn dem Blinden auf die Augen. Darin erkannte der Bischof einen deutlichen Verweis auf die biblische Schöpfungsgeschichte, in der Gott den Menschen aus Erde vom Ackerboden formt. Anschließend schickte Jesus den Mann zum Teich Schiloach, wo er sich waschen sollte. Dort erhielt der Blinde schließlich sein Augenlicht. Doch damit ist die Geschichte nicht zu Ende. Sie beginnt erst, und dem gerade sehend gewordenen Mann zeigt sich eine zum Teil feindselige Umgebung, für die er zum Anstoß wird.

Denn viele wollten dieses Wunder nicht anerkennen. Manche zweifelten sogar an der Identität des Geheilten – nicht zuletzt, weil Jesus die Heilung an einem Sabbat vollzogen hatte. Die Eltern verleugneten zwar ihren Sohn nicht, wollten sich aber nicht in die Geschichte hineinziehen lassen. Schließlich wird er gar aus der Gemeinschaft ausgestoßen.

Jesus aber nun lässt es darauf ankommen, dem Geheilten, der ihn ja noch gar nicht zu Gesicht bekommen hatte, zu begegnen. Er fragt ihn, ob er an den Menschensohn glaube. Der durch vielerlei Widerstand schon entnervte Mann fragt, wer das denn sei – bis er wohl Jesus an der Stimme wiedererkannt hatte. Und als dieser sich ihm dann auch noch zu erkennen gibt, kommt es, so der Bischof, zu einer der bewegendsten Szenen im Neuen Testament: Der Mann, der nun sehen konnte, erkenne, dass er seinem Retter begegnet sei – dem wahren Licht der Welt, und geht anbetend in die Knie.

Die abschließenden Worte Jesu machten, so der Bischof, ein grundlegendes Paradox menschlicher Existenz deutlich: Menschen könnten mit sehenden Augen blind sein und zugleich blind sehend werden. Entscheidend sei, mit einem gläubigen Herzen zu sehen und der Welt zu begegnen. Wer Christus als das Licht der Welt annehme, sei auch bereit, Verantwortung zu übernehmen – in Familie, Staat, Gesellschaft und Kirche.

Damit leitete der Bischof zum eigentlichen Anlass des Festtages über, nämlich 400 Jahre Marianische Männerkongregation. Noch bevor die Jesuiten ihr Kolleg in Amberg gründeten, entstand bereits in der von ihnen geführten Lateinschule 1626 die Marianische Kongregation. Die Patres wussten, dass man neben den Frauen auch die Männer für das Leben in Familie, Beruf und den Glauben stärken müsse. Deshalb sei die Geschichte der Marianischen Kongregationen eine außerordentliche Erfolgsgeschichte. Die Gottesmutter sei ein Vorbild und Urbild eines gläubigen Menschen.  So wünschte der Bischof den Männern der Marianischen Kongregation viel Freude über ihre Taufe und Erleuchtung. Dass sie in Christus wahrhaft sehende Menschen geworden seien, wie das Evangelium eindrucksvoll dargelegt habe. Am Ende des Gottesdienstes segnete der Bischof ein restauriertes Vortragekreuz, das für Eucharistische Prozessionen durch die Stadt, oder auch für Wallfahrten verwendet wird. 

Gemeinschaft des Glaubens und der Hoffnung

Oberbürgermeister Michael Cerny sagte in seinem Grußwort, dass die Amberger eine besondere, im Herzen verwurzelte Verbindung zur Gottesmutter hätten. Diese Verbundenheit werde an einem Tag wie heute sichtbar. Das Gründungsjahr der Marianischen Männerkongregation befand sich mitten im 30-jährigen Krieg. In einer Zeit großer Unsicherheit, entstand hier eine Gemeinschaft des Glaubens und der Hoffnung. Diese Gemeinschaft sei nun schon vier Jahrhunderte lebendig und das verdiene größten Respekt. Dies seien auch 400 Jahre gelebte Amberger Stadtgeschichte. In einer Zeit, in der sich vieles rasch verändere und verbindliche Werte oft an Bedeutung verlören, sei die Marianische Männerkongregation ein verlässlicher Anker. Wer auf eine 400-jährige Geschichte zurückblicken dürfe, beweist, dass er auch für die Zukunft bestens gerüstet sei. 

Pfarrer Brunner bedankte sich für die Mitgestaltung der Pontifikalmesse bei Bischof Rudolf Voderholzer, den liturgischen Diensten und vor allem für die musikalische Gestaltung bei den Sängerinnen und Sängern, den Musikerinnen und Musikern unter der Leitung von Dieter Müller. Mit dem gemeinsamen Rosenkranz am Nachmittag, dem Festkonvent mit Neuaufnahme und Ehrungen, der Prozession und dem eucharistischen Segen klang ein überaus gelungener und ereignisreicher Festtag aus. 


Text und Fotos: Wolfgang Schöpf

(jas)



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