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Zweiter Fastensonntag: Abwechslung gefällig?

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Das Evangelium des zweiten Fastensonntags will unseren Alltag durchbrechen: Christus selbst gibt dem Leben das Besondere. Ein Beitrag von Benedikt Bögle.

Manchmal kommt man im Alltag in einen gewissen Trott. Jeder Tag scheint gleich. Immer dieselben Abläufe, immer dieselbe Eintönigkeit. Tage reihen sich aneinander, alle Tage sind „Alltag“: Nichts Besonderes, austauschbar. Man sehnt sich dann nach einer Abwechslung, hofft auf ein Ereignis, dass die immer gleiche Abfolge der Tage unterbricht.

Das Evangelium des zweiten Fastensonntags (Markus 9,2-10) berichtet von einer solchen Abwechslung. Folgenden passiert: Jesus nimmt sich drei seiner Jünger, steigt mit ihnen auf einen Berg und steht plötzlich in leuchtend weißen Gewändern vor ihnen. Und im selben Augenblick erscheinen die beiden großen Propheten Elija und Mose, um mit Jesus zu reden. Die Jünger haben – ziemlich verständlich – Angst. Petrus weiß nicht, wie er mit der Situation umgehen soll, und fragt Jesus, ob er und die beiden anderen Jünger nicht Hütten bauen sollen, für ihn und die beiden Propheten. Da erscheint eine Wolke, aus ihr tönt es: „Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.“ (Markus 9,7) Nach diesem Satz sind die Propheten verschwunden und Jesus macht sich mit seinen Begleitern auf den Heimweg. Dort geschieht etwas Wesentliches: Er verbietet den Jüngern, etwas von den Geschehnissen zu berichten, „bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.“ (Markus 9,8)

 

Der Berg durchbricht den Alltag

Es ist wohl kein Zufall, dass diese Begebenheit, die man „Verklärung Christi“ nennt, auf einem Berg geschieht. Berge stechen aus der Landschaft heraus. Sie unterbrechen die Ebene und erheben. Auf Bergen hat man atemberaubende Ausblicke über Ebenen und Täler. In gewisser Weise durchbricht auch der Berg den Alltag. Während unten alles immer gleich erscheint, eröffnet der Berg eine neue Perspektive. Und das tut auch Jesus hier auf dem Berg. Er erscheint den drei Jünger nicht wie immer, nicht wie an den anderen Tagen. Er durchbricht den Alltag des immer Gleichen und wird ganz anders. Ein Zaubertrick? Nein. Jesus ist so glänzend, wie er auf diesem Berg erscheint. Das mag nicht immer sichtbar sei, aber sein ganzes Wesen ist Licht, weil er der Sohn Gottes ist. Dass bekennt die Stimme aus der Wolke: Gott selbst spricht und weist auf Jesus, seinen Sohn.

Wieso schweigen?

Da stellt sich die Frage, weshalb die Jünger bis zur Auferstehung Jesu nichts darüber weitererzählen dürfen. Schon wenige Verse vorher hatte Jesus seinen Jüngern etwas verboten: Da fragt Jesus, für wen die Jünger ihn halten. Und Petrus antwortet: „Du bist der Christus!“ Auch diese Einsicht muss Petrus für sich behalten. Das ist schon komisch – Jesus zieht predigend durch das Land, will aber nicht, dass die Menschen zum Glauben an ihn kommen? Der erste, der Jesus als Sohn Gottes offen und unwidersprochen bekennen darf, ist ausgerechnet ein römischer Soldat unter dem Kreuz. Nachdem er sieht, wie Jesus gestorben ist, sagt er: „Wahrhaftig, dieser Mann war Gottes Sohn.“ Und genau das ist der springende Punkt: Er sagt es nach dem Tod Jesu. Er hat gesehen, was dieser Mann auf sich genommen hat. Er hat gesehen, wie er litt, wie er schwach wurde, wie er seine letzten, verzweifelten Atemzüge am Kreuz getan hat. Er hat verstanden.

 

Jesus ist ohne Kreuz nicht denkbar

Jesu will, dass die Menschen verstehen, was es heißt, dass er der Messias ist. Es heißt nicht, dass er eine starke Armee hat und die Weltherrschaft ergreifen will. Es heißt nicht, dass er seinen eigenen Willen um jeden Preis durchzusetzen versucht. Es bedeutet, dass er alles hingibt, nicht seinen Willen tut, sondern den seines Vaters. Es bedeutet, dass er den größten Schmerz annimmt, um die Menschen zu erlösen. Wer das nicht versteht – und vor seinem Tod konnte das ja niemand verstehen – kann auch nicht wirklich begreifen, was es heißt, dass Jesus der Christus ist. Deswegen sollen die Jünger das Geschehen der Verklärung verschweigen: Was da passiert, zeigt wer Jesus ist. Er ist der Sohn Gottes, in tiefer Verbundenheit mit den Propheten Elija und Mose, durch die Gott zuvor gesprochen hatte, gekleidet in die blendende Herrlichkeit der weißen Gewänder. Aber das ist nicht alles. Jesus ist mehr. Indem er weniger wird, leidet und stirbt, ist er mehr.

Es wirkt seltsam, dass Jesus nur drei seiner Jünger mit auf den Berg nimmt. Wieso nicht alle Jünger, wieso nicht wenigstens alle der zwölf Apostel? Es scheint ihm wichtig gewesen zu sein, gerade diese drei sehen zu lassen, wer er ist. Vielleicht waren sie es, die am meisten eine Abwechslung gebraucht haben. Jesus selbst wird zu der Abwechslung, die den Alltag durchbricht und bereichert. Das hat vor zweitausend Jahren funktioniert. Das kann auch heute klappen.