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Zur Neuigkeit
Zur Bedeutung der Regensburger Vorlesung Benedikts XVI.
Grundfesten Europas und des Glaubens
Regensburg, 11. September 2026
In der sogenannten „Regensburger Rede“, also der Vorlesung Papst Benedikts XVI. am 12. September 2006 in der Aula Magna der Universität Regensburg, ist weit mehr zu finden als nur das immer wieder zitierte Wort zum Islam. Vielmehr sind hier Herausforderungen für eine zeitgemäße christliche Theologie benannt, die heute dringlicher und gültiger sind denn je.
Es lohnt, die Worte des aus Bayern stammenden Papstes immer wieder neu zu lesen und an ihnen die Sicht auf die Welt und den Glauben zu überprüfen. Das tut auch der Wiener Theologe Jan-Heiner Tück in seinem Theologie-Podcast „Diesseits von Eden“ aus Anlass des 20. Jahrestages der Rede. Der Eklat, den ein Islamzitat von Benedikt XVI., das er seinerseits aus einem älteren Traktat übernommen hatte, im Jahre 20026 ausgelöst hatte, überlagerte damals laut Tück die eigentliche Stoßrichtung der Rede. Es ging dem Pontifex nicht um ein Gegeneinander von Religionen, damit würde man seinem Denken keineswegs gerecht. Es ging und geht in den Worten Benedikts vielmehr um ein Zueinander von Glaube und Vernunft.
Weit mehr als der Islam stehen die griechische Kultur und Philosophie im Mittelpunkt der Ausführungen Benedikts. Von bleibender Bedeutung sei, so Tück, die Forderung, dass eine zeitgemäße Theologie „traditionssensibel“ auch in dem Sinne sein müsse, dass sie die Kategorien und Sprachangebote der griechischen Philosophie nicht als Störfaktoren und Momente der Entfremdung verstehe, sondern als für das Christentum „konstitutiv“, so Tück unter Bezug auf Benedikt XVI. Diese Allianzen und Durchdringungen von Glaube und griechischer Vernunft beziehungsweise Philosophie hätten den christlichen Glauben von Beginn an bestimmt. Darauf hat Benedikt in Regensburg unter Verweis auf die Konzilien und frühchristlich ausbuchstabierten Bekenntnisse wie jenes von Nizäa aus dem Jahre 325 ausdrücklich hingewiesen.
Reaktion auf metaphysikkritische Tendenzen
Letztlich habe Benedikt XVI. mit diesen Reflexionen auf die „metaphysikkritischen Tendenzen“ in der gegenwärtigen Theologie reagieren wollen, führte Tück aus. Anhand verschiedener „Enthellenisierungswellen“ in der Kirchengeschichte habe er aufgezeigt, dass diese zu einer Relativierung wesentlicher Gehalte der Tradition und damit des Glaubens führen würden. Man müsse die Thesen Benedikts nicht zwingend teilen, sie seien aber wichtige Marksteine für die Orientierung der Theologie in der Gegenwart, erklärte Tück.
Die Empörungswellen, die die Rede aufgrund eines Zitats des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaiologos (1350 - 1425) aus einer Unterhaltung mit einem persischen Gelehrten auslöste („Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten“) müssten vor dem Hintergrund der Erinnerung an die islamistischen Anschläge vom 11. September 2001 und dem hohen Druck, unter dem der Islam damals stand, verstanden werden. Die Rede Benedikts fand fast auf den Tag fünf Jahre nach „9/11“ statt.
Gewaltpotential in der Religion
Eine bleibende Aufgabe im christlich-islamischen Dialog ortete Tück in der Klärung des Gewaltpotenzials der Religion. Dies betreffe Christentum und Islam in ähnlicher Weise. Auch hier weise die „Regensburger Rede“ einen Weg, insofern die Rückkopplung des Glaubens an die Vernunft ein „Domestizierungspotenzial gegenüber gewaltträchtigen Gottesinterpretationen“ biete. „Die Synthese von Glaube und Vernunft ist dafür aus meiner Sicht weiterhin eine hilfreiche Generalformel.“
Unzulässig seien jedenfalls kollektive Vorbehalte, wie sie aktuell wieder mit dem Schlagwort des „Politischen Islam“ vorgebracht würden. Tück: „Im Spektrum des heutigen Islam gibt es problematische Tendenzen, die die liberale demokratische Rechtsordnung im Sinne eines Scharia-Islam aushöhlen wollen. Hier ist politische Wachsamkeit wichtig.“ Den Islam jedoch unter einen Generalverdacht zu stellen sei „kontraproduktiv“, so Tück. Dass aber stete Wachsamkeit nötig ist, wenn es nicht zu einseitigen Gewaltakten zulasten von Christen weltweit kommen soll, lernen wir bei Papst Benedikt XVI.
Text: Vatican News / Sebastian Sigler
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