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Zur Neuigkeit
Brauchtum in Ostbayern: Das Tilly-Fest zu Breitenbrunn
Tilly-Monstranz und Tilly-Fahne
Regensburg, 11. September 2026
Nur einen „Katzensprung“ hinter der Grenze des Bistums Regensburg – am Rand des Bistums Eichstätt – liegt Breitenbrunn. Alljährlich am zweiten Wochenende im September wird der Markt in der Oberpfalz zur Kulisse eines historischen Spektakels. Für zwei Tage lassen die Breitenbrunner eine bedeutende Epoche in der Geschichte des Marktes wieder aufleben. Mit dem Tilly-Fest huldigen sie dem großen Feldherrn des 30-jährigen Krieges, Johann T'Serclaes Graf von Tilly.
Monstranz und Messgewand
Es war im Jahr 1624, als Kurfürst Maximilian von Bayern seinem erfolgreichen Feldherrn Tilly die Herrschaft Breitenegg mit der Burg und dem Markt Breitenbrunn schenkte. Auch wenn der „Heilige Harnisch“ nur wenige Tage in Breitenbrunn war, so hat er doch markante Spuren in dem Markt hinterlassen. Er schenkte der Kirche 100 Taler, dazu ein kostbares Messgewand, und er war der Stifter der bis heute bestehenden Rosenkranzbruderschaft. Ihm verdankt Breitenbrunn auch die „Tilly-Monstranz“, eine wertvolle gotische Silberarbeit aus dem Jahr 1507. Drei Brüder aus dem Rittergeschlecht der Wildensteiner hatten sie für die Pfarrkirche, in der sich noch heute die Familiengruft befindet, gestiftet.
Fern der „Heimat“
Die Monstranz blieb allerdings nicht einmal 100 Jahre in der Breitenbrunner Kirche. Denn dann wurde die wertvolle Silbermonstranz „politisch“. Wegen eines heftigen juristischen Streits über die Patronatsrechte der Kirche zwischen dem Herzog von Bayern und dem Grafen von Pfalz-Neuburg ordnete der bayerische Herzog 1593 die Überführung nach München an, um das wertvolle Objekt als Beweisstück sicher zu verwahren. Erst durch die persönliche Vermittlung Tillys verzichtete Kurfürst Maximilian I. im Jahr 1631 offiziell auf alle landesherrlichen Rechte in der Herrschaft Breitenegg. So kehrte die wertvolle Silbermonstranz nach 38 Jahren nach Breitenbrunn zurück.
Und jedes Jahr am 2. Sonntag im Oktober wird die Monstranz beim festlichen Rosenkranzbruderschaftsfest traditionell durch den Ort getragen.
„Unserm überaus geschätzten Grafen…“
Besonders stolz ist der Markt aber auf das kostbarste Erinnerungsstück: Eine echte seidene Fahne des Regiments Alt-Tilly, die Kurfürst Maximilian persönlich seinem Freund und Generalleutnant gewidmet hat.
Neben zwei ähnlichen Fahnen in Stockholm und München ist die Breitenbrunner Tilly-Fahne die Einzige, die diese persönliche Widmung trägt: „Unserem überaus geschätzten Grafen und dem uns anvertrauten Volk“. Diese Tilly-Fahne, von den Spuren des Krieges und der Zeit gezeichnet, ist heute in Glas gefasst und wird im Rathaus von Breitenbrunn aufbewahrt.
Die letzte Nachfahrin Tillys war Maria Anna Katharina Theresia von Tilly-Montfort, eine Urenkelin von Tillys Neffen Werner T'Serclaes Graf von Tilly zu Breitenegg, dem ersten richtigen Herrn über Breitenbrunn aus dem Geschlecht der Tillys. Sie starb am 21. Juli 1744 in Breitenbrunn. Mit ihr ging für den Markt die Tilly-Ära zu Ende, die 1624 so überraschend begonnen hatte.

Buntes Markttreiben
Doch am 12. und 13. September lassen die Breitenbrunner diese Zeit wieder aufleben. Monatelang wurde in mühsamer Kleinarbeit gebastelt, gehämmert und genäht, um den Ort in ein Landsknechtslager zu verwandeln. Alle verwendeten Materialien und Stoffe müssen den historischen Vorlagen entsprechen, sogar die Verkehrsschilder werden mit Säcken abgedeckt.
Dann ist es so weit. Fanfaren, Trommeln und Pfeifen erschallen, raue Landsknechte treiben ihr Unwesen und der Besucher glaubt sich in die Zeit des 30-jährigen Krieges zurückversetzt. „Heil Tilly, heil sei Dir, Du aller Feldherr Zier…“, singt der Chor der Bürgerwehr. Zigeuner locken mit rotem Wein, der Bettler bittet um eine milde Gabe, ein Mönch gewährt Ablass und altes Handwerk wird vorgeführt. Besondere Höhepunkte des zweitägigen Festes sind der Fackelzug am Samstagabend und der große Festzug, der am Sonntag um 14 Uhr beginnt.
Epfelwine und Klosterpihr
Natürlich kommen auch die leiblichen Genüsse nicht zu kurz. Die Tilly-Schänke lockt mit allerlei „geheimnisvollem Trunk“, es gibt Tilly-Kugeln in Schmalz gesotten, „Saupraten am Spiess“, „Visch aufm Stock“ oder „Feiersüppli“. Für die durstigen Kehlen empfiehlt sich ein „kräftig, hinterfotzig aber goada Epfelwine“ oder ein süffiges „Klosterpihr“.
Text: Judith Kumpfmüller




