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Zisterzienserabt Maximilian Heim über die Neuevangelisierung

Die Barmherzigkeit soll die Grundmelodie unseres Lebens werden

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Heiligenkreuz / Regensburg, 10. August 2022. Dr. Maximilian Heim OCist, Abt des Zisterzienserstifts Heiligenkreuz im Wienerwald, hat ein Interview über die Weitergabe des Glaubens gegeben. Er sagt dabei, was wir tun und wie wir uns verhalten können, wenn trotz vieler Bemühungen diese Weitergabe des Glaubens, die Neuevangelisierung keine Frucht trägt. Jüngster Aufenthalt des Abtes in Regensburg war anlässlich seiner Teilnahme am Kongress „Freude am Glauben“, in dessen Rahmen Abt Heim einen Vortrag über die Eucharistie gehalten hat. Außerdem hat der Zisterzienser am Sonntag, 17. Juli, den Gottesdienst im Hohen Dom St. Peter zum Abschluss des Kongresses gehalten.

Prof. Veit Neumann: Verehrter Abt Maximilian, die Weitergabe des Glaubens ist ein großes Anliegen. Was können Sie in Heiligenkreuz und von Heiligenkreuz aus dafür und dazu tun?

Abt Dr. Maximilian Heim: Die Stifte in Österreich sind seit Jahrhunderten Stätten der Kultur des Landes. Sie sind es deshalb geworden, weil in ihnen als erste Aufgabe der Kult, d.h. die Gottesverehrung, ihre eigentliche Daseinsberechtigung begründet. Gerade in unserer krisenbedrängten Zeit, in der der kirchliche Glaube und das Leben nach dem Evangelium immer mehr verblassen, haben Klöster die prophetische und missionarische Aufgabe, Oasen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe zu sein. Gleichzeitig sind sie Stätten der Bildung, denn gerade die Abteien waren von Anfang an Orte, an denen die religiöse, monastische, musikalische, wirtschaftliche und künstlerische Bildung wesentlich gefördert wurde. Heiligenkreuz, gegründet von Zisterziensern von Morimond in Burgund und gestiftet vom heiligen Markgrafen Leopold III., hatte schon im 12. Jahrhundert eine missionarische Ausstrahlung. Im Laufe seiner Geschichte gab es zehn Neugründungen, die meisten von ihnen im Mittelalter; aber auch in der Gegenwart hat Heiligenkreuz zwei neue Priorate gegründet: Bochum-Stiepel in der Diözese Essen und Neuzelle in der Diözese Görlitz, und außerdem ein Kloster in Sri Lanka in der Erzdiözese Colombo errichtet. Es sind Orte der geistlichen Ausstrahlung, weil in ihnen das opus Dei, d.h. der Gottesdienst, als erste Aufgabe vollzogen wird, ein Magnet für geistlich suchende Menschen. Neben den Klostergründungen sind die Mönche von Heiligenkreuz seit Jahrhunderten als Seelsorger in den anvertrauten Pfarren tätig. Um eine entsprechende Ausbildung der Priester zu gewährleisten, getragen von der monastischen Haltung der Gottsuche und pastoralem Eifer, wurde die 1802 gegründete Hauslehranstalt in den vergangenen Jahrzehnten als Hochschule päpstlichen Rechtes zu einem ausstrahlenden Ort der Priesterausbildung ausgebaut und darf seit 2007 den Namen des emeritierten Papstes Benedikt XVI. tragen, der Heiligenkreuz im gleichen Jahr besuchte.

Können Sie das innere Moment beschreiben, das bei der Weitergabe des Glaubens wirkt: Welcher ist der Punkt, an dem sich die Weitergabe vollzieht? Worauf müssen wir dabei besonders achten?

Das Entscheidende bei der Weitergabe des Glaubens ist, dass das Herz zum Herzen spricht: cor ad cor loquitur, wie es der heilige John Henry Kardinal Newman in seinem Wahlspruch formuliert hat. Wo nämlich das Herz unberührt bleibt, springt der Funke nicht über. Das Glaubenswissen kann nicht einfach als Information weitergegeben werden, sondern muss bezeugt werden durch das eigene Leben. Es gilt das lateinische Sprichwort: Verba docent, exempla trahunt! - Worte belehren, Beispiele ziehen an. Entscheidend ist, dass der Zeuge selbst aus der Kraft der Umkehr lebt, aus der täglichen Hinwendung zu Jesus Christus. Er muss selbst ein von Gott Berührter sein und immer wieder neu werden.

Wo und wie ist bei Ihnen diese Glaubensweitergabe geschehen, was hat Sie insbesondere damals und seither getragen?

Die Glaubensweitergabe erfolgte bei mir in einer gläubig praktizierenden Familie. Das war auch für mich das Fundament, mich als junger Mensch bewusst für den Glauben zu entscheiden. Dass Erschütterungen mir nicht erspart blieben, hat letztlich mein Leben in eine neue Tiefe geführt und zugleich offener gemacht für die Glaubensnot, in die ich immer wieder als Seelsorger hineingestellt wurde. Mich trägt die brennende Liebe zur Eucharistie und zur Gottesmutter wie auch das großherzige Vertrauen zum jeweiligen Petrusnachfolger.

Welche Bedeutung kommt dabei der heiligen Eucharistie zu?

Der Eucharistie kommt hierbei die zentrale Bedeutung zu. Schon als Kind besuchte ich gerne die Heilige Messe und hatte das Glück, im Alter von fünf Jahren zur Frühkommunion gehen zu dürfen. Aus dieser Liebe zur Eucharistie nährt sich mein geistliches Leben, ja sie ist für mich wie für alle anderen Gläubigen Quelle und Höhepunkt des ganzen Lebens.

Wie sollen wir uns verhalten, wenn trotz vieler Bemühungen diese Weitergabe des Glaubens, die Neuevangelisierung keine Frucht trägt? Welche Ressourcen können uns in diesem Fall helfen?

Ich würde nie hoffnungslos in unsere Zeit hineingehen und bewundere das Vertrauen, das mein Namenspatron, der heilige Maximilian Kolbe, in dunkelster Zeit lebte. Als er mit seinen Mitbrüdern verhaftet wurde, um ins Konzentrationslager eingeliefert zu werden, sagte er nicht ohne einen guten Schuss Humor: „Wir gehen auf Missionsreise und man bezahlt uns sogar die Reise. Vergesst die Liebe nicht!“ Dort, wo der Glaube erstorben ist, kann trotzdem das Licht der gelebten Liebe und des Glaubens nicht ausgelöscht werden. Es ist letztlich der österliche Glaube, der mein Leben prägt und jeden Tag neu verwandelt. Dieses österliche Licht wird auch die Dunkelheit der Herzen durchbrechen, wenn wir den Mut haben, uns seiner nicht zu schämen. Driften wir, wie es Papst Franziskus mahnt, nicht in eine „spirituelle Weltlichkeit“ ab, die unser Leben verflacht und uns zu gleichgültigen „Sofachristen“ macht. Die eigentlichen Ressourcen bereitet uns nämlich der Herr: Sein göttliches Wort, das auch heute zu uns spricht, und seine Sakramente, durch die Jesus auch heute Menschen berührt. Schließlich sind es der gütige Blick und die helfende Hand, die uns inmitten einer leistungsorientierten Welt seine verwandelnde Kraft der Barmherzigkeit vermitteln. Diese Barmherzigkeit und Güte Gottes den Menschen zu bezeugen, soll die Grundmelodie unseres Lebens werden: Misericordias Domini, in aeternum cantabo – Vom Erbarmen des Herrn will ich in Ewigkeit singen.

Prof. Dr. Veit Neumann, der die Fragen gestellt hat, leitet das Lizentiatsstudium „Spiritualität und Evangelisation“ an der Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz.