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Zur Neuigkeit
Young Faith über Nähe und Freundschaft zu Gott
Eine radikale Idee des christlichen Glaubens
Regensburg, 11. Juni 2026
„Ich habe euch meine Freunde genannt” (Joh 15,15). Dieser Satz, den Jesus kurz vor seinem Tod im Abendmahlssaal zu seinen Jüngern spricht, klingt vertraut. Wer ihn ernst nimmt, stößt auf eine der wichtigsten Aussagen der Heiligen Schrift: Gott will nicht Distanz, sondern Nähe. Nicht Unterwerfung, sondern Freundschaft.
Knecht oder Freund?
Der Kontrast, den Jesus selbst zieht, ist deutlich. Ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Er gehorcht, weil er muss, ohne Einblick, ohne Vertrauen, ohne wirkliche Verbindung. Ein Freund hingegen wird eingeweiht. Er kennt die Gedanken des anderen, trägt seine Last mit, ist wirklich beteiligt.
Wenn Jesus seine Jünger aus diesem Verhältnis des Gehorsams in das der Freundschaft erhebt, dann ist das keine fromme Geste am Rande. Es ist eine theologische Aussage mit enormer Tragweite: Gott hält uns nicht auf Distanz. Er teilt sich uns mit.
Was Freundschaft wirklich fordert
Freundschaft ist nicht einfach ein wohliges Gefühl. Sie lebt von Wohlwollen, von Gegenseitigkeit und von echter Gemeinschaft. Ich will das Gute für den anderen, nicht wegen eines Nutzens, den ich davon habe, sondern um seinetwillen. Und dieses Wohlwollen muss auf Gegenseitigkeit beruhen, sonst bleibt es Bewunderung auf Distanz, aber keine Freundschaft.
Genau hier liegt die eigentliche Kühnheit des christlichen Gottesbildes. Gott überbrückt den unendlichen Abstand zwischen sich und dem Menschen nicht durch ein allgemeines Wohlwollen aus der Ferne, sondern durch echte Selbstmitteilung. In Jesus Christus gibt Gott sich selbst in die Welt hinein, wird Mensch, redet, leidet, stirbt und steht auf. Der Heilige Geist setzt diese Selbstmitteilung fort und verbindet uns mit Gott von innen heraus. Das ist keine Metapher. Es ist der Kern des christlichen Glaubens.
Freiheit als Bedingung der Liebe
Aber kann man überhaupt von echter Freundschaft sprechen, wenn Gott der Schöpfer ist und wir Geschöpfe, wenn er unendlich ist und wir endlich? Ist das nicht ein ungleiches Verhältnis?
Die Antwort liegt in der Freiheit. Gott zwingt uns nicht zu lieben. Er macht uns fähig dazu. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied. Liebe, die erzwungen wird, ist keine Liebe. Freundschaft, die keine Wahl lässt, ist keine Freundschaft. Gott will keine willenlosen Werkzeuge, sondern Menschen, die sich frei und bewusst auf ihn einlassen, die fragen, zweifeln, ringen und trotzdem bleiben.
Darin zeigt sich Gottes eigentliche Größe: nicht darin, dass er alles kontrolliert, sondern darin, dass er seinen Geschöpfen echte Freiheit schenkt, eine Freiheit, die auch die Möglichkeit der Ablehnung einschließt. Wer das versteht, begreift, warum der christliche Glaube kein Knechtschaftsverhältnis ist, sondern eine Einladung.
Ein Weg, der gepflegt sein will
Freundschaft mit Gott ist nichts, das man einmal erreicht und dann für sich verbucht. Sie ist ein Weg, der Pflege braucht, im Gebet, in den Sakramenten, in der Gemeinschaft der Kirche, im ehrlichen Suchen, auch in den Momenten, in denen Gott zu schweigen scheint und der Zweifel lauter ist als die Gewissheit. Gerade die großen Heiligen beschreiben ihre Gottesbeziehung nicht als reibungslose Idylle, sondern als lebendiges Ringen, als echte Beziehung mit Höhen und Tiefen. Gott erwartet daher keine Perfektion. Er erwartet Beziehung. Kein makelloses Frommsein, sondern ein ehrliches Miteinander, so wie es unter echten Freunden eben ist.
„Ich habe euch meine Freunde genannt.” Dieser Satz gilt nicht nur den Jüngern im Abendmahlssaal. Er gilt heute genauso.
Text: Young Faith
(kw)
Weitere Infos
Young Faith ist das digitale Glaubensprojekt junger Erwachsener im Bistum Regensburg. Young Faith ist unterwegs auf Instagram und im Web unter https://young-faith.com/




