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Zur Neuigkeit
Festakt für Straubings Kulturschätze und das Lebenswerk von Bürgermeister a. d. Werner Schäfer
Im Sterben liegt Hoffnung auf Gerechtigkeit
Straubing 14. Juli 2026
Es war ein Abend des Dankes, der theologischen Reflexion und der festlichen Würdigung: Am Dienstagabend versammelten sich zahlreiche Festgäste zu einer Feierstunde im historischen Rittersaal im Herzogschloss Straubing. Im Mittelpunkt stand die Präsentation von Band 76 der „Straubinger Hefte“ über die Totentanzkapelle am Friedhof St. Peter, verfasst von Bürgermeister a. D. Werner Schäfer, der im weiteren Verlauf des Abends feierlich zum Altbürgermeister erhoben wurde.
Ein Brückenbauer zwischen Vergangenheit und Zukunft
Zur Eröffnung des Festaktes übernahm Bürgermeister Albert Solleder die Begrüßung der zahlreich erschienenen Ehrengäste, unter ihnen Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer, Oberbürgermeister Markus Pannermayr, Vertreter des Bischöflichen Baureferats, Bezirksheimatpfleger Dr. Clemens Knobling, amtierende und ehemalige Stadtratsmitglieder sowie Repräsentanten aus Kirche, Kultur und Gesellschaft. Den festlichen Rahmen der Veranstaltung untermalten Musikstücke von Artur Weide am Flügel.
Der Tod als Gleichmacher und Tor zur göttlichen Gnade
In seinem Grußwort schlug Bischof Rudolf den Bogen von der kunsthistorischen Einordnung der Neuerscheinung zur christlichen Eschatologie. Das Motiv des Totentanzes gehöre zu den klassischen „Memento Mori-Darstellungen“ – jenen künstlerischen Erinnerungen an die menschliche Vergänglichkeit, die stets mit der Mahnung verbunden ist, das eigene Leben im Angesicht der Ewigkeit, „sub specie aeternitatis“ (Anmk.: unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit), zu gestalten. Es gehe nicht darum, neugierig auf das persönliche Lebensende oder den Jüngsten Tag zu blicken, wohl aber darum, stets bereit zu sein, um vor den Schöpfer und Erlöser hinzutreten.
Der Tod sei der große Gleichmacher, betonte der Bischof. Doch im christlichen Glauben liege im Sterben vor allem die Hoffnung auf Gerechtigkeit – gerade für jene Menschen, die es im irdischen Leben nicht so einfach hatten und zu Gott gekommen sind. Diese Hoffnung auf ein ewiges Leben dürfe jedoch niemals zu einer bloßen Vertröstung reduziert werden.
Lobend hob der Regensburger Oberhirte hervor, dass die Neuerscheinung von Werner Schäfer das Totentanz-Thema geschichtlich hervorragend einordnet, exzellent illustriert ist und die wichtigsten Informationen zur katholischen Lehre von den Letzten Dingen liefert. Bischof Voderholzer erinnerte daran, dass es im eigentlichen Sinne keine letzten Dinge gebe, sondern nur den einen Letzten: den Herrgott selbst. Dieser sei als Gewonnener der Himmel, als Verlorener Hölle, als Reinigender das Fegfeuer und als Prüfender der Richter. Das Purgatorium, das reinigende Fegfeuer, stellte der Bischof dabei ausdrücklich nicht als Schreckensvision dar, sondern als ein Geschenk der Gnade Gottes zur postmortalen Reinigung und Ausheilung von Sündenfolgen, dessen Ursprung im traditionellen Gebet für die Verstorbenen liege.
Sodann würdigte der Bischof Werner Schäfer als Glücksfall für Straubing, da er es verstehe, die religiösen und kulturellen Schätze unserer Heimat zu erschließen und zu vermitteln, wie er selbst anlässlich der Orgelnacht am 17. Juni 2023 erleben durfte, als Werner Schäfer die Gestalt des Bistumspatrons St. Wolfgang sowohl historisch verantwortet als auch geistlich tief vorstellte.

Die Totentanzkapelle: Eine barocke Transformation voller sanfterer Noten
Im Anschluss an das bischöfliche Grußwort und einem Grußwort von Oberstudiendirektorin Andrea Kammerer vom Turmair-Gymnasium stellte der Autor Werner Schäfer sein Werk vor. Bei der Totentanz- oder Seelenkapelle gehe es um etwas Grundsätzliches: Alle müssen sterben. Das Friedhofs-Ensemble von St. Peter, zu dem die Kapelle gehört, sei ein geschichtlicher Ort von europäischem Rang. Der Boden, der zum UNESCO-Welterbe zählt, spiegelt die Stadtgeschichte von der römischen Antike bis heute wider. Mit über 1000 Grabdenkmälern aus sieben Jahrhunderten, der im Kern romanischen Basilika und den drei einzigartigen, hintereinander geschalteten Prozessionskapellen – der Dornenkrönungskapelle, dem Neuen Karner und der Agnes-Bernauer-Kapelle – besitze Straubing ein architektonisches und liturgisches Denkmal, das im deutschsprachigen Raum nahezu einmalig sei.
Schäfer erläuterte die faszinierende Entstehungsgeschichte der Totentanzkapelle, deren bauliche Instandhaltung erfreulicherweise unmittelbar bevorsteht. Dabei werden Stadt und Diözese zusammenarbeiten. Ursprünglich am Ende des 15. Jahrhunderts als Beinhaus zur würdigen Versorgung der Totengebeine errichtet, bewahrt die Kapelle im Kern ihrer Architektur, eine tiefe Gruft und bemerkenswerte mittelalterliche Schätze wie eine ikonografisch Steinfigur des erbarmten Christus.
Ihre entscheidende Transformation erlebte die Kapelle ab dem Jahr 1762 unter dem gelehrten Pfarrer Maximilian Kajetan Ossinger von Haibach. Um der Kirche finanzielle Mittel zukommen zu lassen, ließ der einstige Jesuit die Gruftanlage für privilegierte Grabstätten ausbauen. Dank einer Erbschaft aus dem Nachlass einer Straubinger Bierbrauerin konnte schließlich der ortsansässige Maler Felix Hölzl mit der Erschaffung des monumentalen Totentanzzyklus beauftragt werden.
Schäfer ordnete das Motiv historisch in die große europäische Tradition der Ars Moriendi-Literatur, die Kunst des christlichen Sterbens, ein, die seit 600 Jahren zum Kernbestand der religiösen Kultur gehört. Der Straubinger Zyklus weist jedoch eine barocke Besonderheit auf: Anstelle der grausamen, verwesenden Pestleichen des Mittelalters tritt der Tod hier als unmissverständlicher Knochenmann und geordneter Abgesandter Gottes auf. Inspiriert von den Holzschnitten Hans Holbeins des Jüngeren zeigt der Zyklus in 31 beziehungsweise 37 Einzelbildern das Zusammentreffen des Todes mit Vertretern aller Stände – vom Kaiser und Papst bis zum Bettler und Ratsherren.
Eine theologische Besonderheit sticht hervor: Unter den Bildern befindet sich nur eine einzige Frau, eine Klosterfrau. Diese begegnet dem Knochenmann jedoch nicht mit Schrecken, sondern begrüßt ihn gläubig als Brautführer zu Jesus Christus selbst. Zudem besitzt das Bildprogramm feine didaktische und humorvolle Nuancen des Rokoko. Eingebettet ist dieses menschliche Panoptikum in den großen Rahmen der Heilsgeschichte: Der Zyklus beginnt mit dem Urevangelium im Paradies und endet mit der Passion Christi und dem Jüngsten Gericht.
Ein treuer Staatsdiener und glaubwürdiger Botschafter
Sodann folgte der kommunalpolitische Höhepunkt des Abends: die feierliche Verleihung der Altbürgermeister-Würde an Werner Schäfer durch Oberbürgermeister Markus Pannermayr. Das Stadtoberhaupt wies in seiner Laudatio darauf hin, dass dieser Ehrentitel kein Automatismus und keine reine Formsache sei. Er sei der Ausdruck tiefster kommunaler Wertschätzung für ein Wirken, das über Jahrzehnte hinweg Vertrauen geschaffen hat. Pannermayr zeichnete Schäfers Lebensweg nach – von seiner ersten Wahl in den Stadtrat im Jahr 1974 über seine Zeit im Ausland (Genua und Alexandrien), später als Schulleiter des Anton-Bruckner-Gymnasiums bis hin zu seiner Rückkehr im Jahr 2008 in die aktive Kommunalpolitik und seiner sechsjährigen Amtszeit als dritter Bürgermeister ab Mai 2020.
Zum Ausklang lud die Stadt Straubing alle Festgäste zu einem feierlichen Empfang. Bei einem gemeinsamen Imbiss nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit zu anregenden Gesprächen und stießen auf das Wohl des Geehrten an. „Ad Multos Annos“ wie es Bischof Rudolf Voderholzer auch in seinem Grußwort gesagt hatte.
Text und Fotos: © Irmgard Hilmer
(jas)







