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„Worüber würde Berthold heute Abend predigen?“

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Bischof Rudolf Voderholzer feiert am Grab des seligen Berthold von Regensburg ein Pontifikalamt zu dessen Gedenken

Am 14. Dezember begeht die Kirche den Gedenktag des seligen Berthold von Regensburg, der einer der bedeutendsten Prediger des Mittelalters war. An seinem Grab in der Regensburger Minoritenkirche feierte Bischof Rudolf Voderholzer am Vorabend des Gedenktages zu dessen Ehren ein Pontifikalamt. Diese Tradition, in der seit der Säkularisation profanierten Kirche wieder eine Heilige Messe zu Ehren des großen Seligen zu feiern, war vor einigen Jahren von Diözesanbischof Gerhard Ludwig Müller ins Leben gerufen worden. Nach vielfältiger Nutzung kamen Kirche und Kloster 1931 in den Besitz der Stadt Regensburg, die dort das Städtische Museum einrichtete, das heute noch dort zuhause ist. Nur vom Schein der vielen Kerzen erleuchtet, zog Bischof Rudolf mit den Konzelebranten aus dem Domkapitel und dem liturgischen Dienst in den Chorraum der Minoritenkirche ein, die vom 13. Jahrhundert bis zur Aufhebung des Konventes 1810 geistliches Zentrum des Franziskanerklosters St. Salvator in Regensburg war. Eben aus Rom von der Übergabe des Waldmünchner Christbaumes für den Petersplatz zurückgekehrt, konnte Bischof Rudolf die guten Wünsche von Papst Franziskus an die Gläubigen im Bistum Regensburg übermitteln, verbunden mit der Bitte um das Gebet für ihn. In der Kirche des Ordens, der vom Namenspatron des Heiligen Vaters gegründet wurde, kamen die Regensburger dieser Bitte dann auch erstmals nach. Für das gesungene Gotteslob waren neben den zahlreich erschienenen Gläubigen das „Ensemble Passero“, aus ehemaligen Regensburger Domspatzen bestehend, unter Leitung von Maximilian Betz verantwortlich. Die Schwalbennestorgel brachte Thomas Hödl zum klingen.

„Worüber würde Berthold heute Abend predigen?“
Diese Frage stellte sich Bischof Rudolf Voderholzer und blickte dabei auf den hölzernen Reliquienschrein des Seligen, der eigens aus der Bischofsgruft im Dom in die Chorhalle der Minoritenkirche geholt worden war. Vielleicht würde er über die beiden Worte predigen, so Bischof Rudolf, die er selbst in den vergangenen Wochen kennengelernt hätte: Lichtsmok und Lichtverschmutzung. Dies Worte bezeichneten den Tatbestand, dass man auf Grund des starken künstlichen Lichtes heutzutage die Sterne schon nicht mehr sehen könne, die Städte seien heute nachts oft hundert- bis tausendmal heller als noch vor hundert Jahren. Das sei nun keine Kritik an dem Fortschritt der Lichttechnik, wir alle wüssten sie ja auch zu schätzen, es sei aber bezeichnend, das, je mehr künstliches Licht wir erzeugten, desto mehr wachse auch die Sehnsucht nach dem eigentlichen, dem wahren Licht. Gerade die Lichtsymbolik des Advents, die wachsende Zahl der brennenden Kerzen am Adventskranz auf Weihnachten hin, mache das sehr anschaulich deutlich. Der Mensch, „ das Volk das im Dunkeln lebt“, wie es beim Propheten Jesaja heiße, brauche das wahre Licht, das uns im menschgewordenen Gottessohn erschienen sei. Der Selige Berthold von Regensburg habe, sozusagen als „Lichtgestalt“, das Licht des Glaubens den Menschen seiner Zeit gebracht, er solle auch heute unser Wegweiser zu Christus dem wahren Licht sein.

Stichwort: Berthold von Regensburg
Wohl um 1210 in Regensburg geboren, trat er 1226 in das Franziskanerkloster der sogenannten „Minderen Brüder“ in Regensburg ein und machte sich schon bald als wortgewaltiger und weitgereister Prediger einen Namen. Hunderte, gar trausende Zuhörer nennen die Chronisten bei seinen Predigten, die oft im Freien stattfanden. Die Volkspredigt war zu Zeiten, in denen nur wenige Menschen des Lesens und Schreibens mächtig waren, sozusagen ein Massenmedium. In ganz Europa sprach Berthold zu den Menschen, bei den rund 400 lateinischen und rund 70 mittelhochdeutschen Predigten, die von ihm überliefert sind, handelt es sich jedoch um Mitschriften von Zeitzeugen und nicht um authentische Predigten. Berthold verstarb wohl am 13. oder 14. Dezember 1272 in Regensburg und wurde in der Minoritenkirche im südlichen Seitenschiff beigesetzt. Seine Grabplatte wurde im Zuge der Säkularisation mit der Auflösung des Klosters als Pflasterstein in einem Privathaus verbaut, 1862 dann wiederentdeckt und im Domkreuzgang platziert. Heute befindet sich der Grabstein mit einer figürlichen Ritzzeichnung und lateinischen Umschrift wieder in der Minoritenkirche, diesmal zentral im Chorraum platziert. Direkt vor der Grabplatte wurde auch die Gedenkmesse für ihn gefeiert. Seine Reliquien befinden sich in einem hölzernen Schrein in der Bischofsgruft, der an diesem Abend neben dem Meßaltar seinen Platz gefunden hatte und nach dem Pontifikalgottesdienst von einigen Gläubigen noch zum Gebet aufgesucht wurde.