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Woche für das Leben 2021

Sterben heißt: Ewig bei Gott leben

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„Während draußen alles grünt und blüht, machen wir uns Gedanken um das Vergehen des Lebens“, machte Regionalbischof Klaus Stiegler auf das Paradoxon, den der Tod oft mit sich bringe, aufmerksam. Denn man erlebe den Tod oftmals so, dass Dinge nicht zusammenpassen würden, er komme unerwartet und mache einem einen Strich durch die Rechnung. Am Sonntagnachmittag, 16. Mai, zelebrierten Bischof Rudolf Voderholzer und Regionalbischof Stiegler in der Regensburger Dreieinigkeitskirche einen ökumenischen Gottesdienst anlässlich der „Woche für das Leben 2021“. Offiziell ist die „Woche für das Leben 2021“ mit dem Motto „Leben im Sterben“ bereits am 24. April zu Ende gegangen. Doch das Thema sei immer noch aktuell, bekräftigte Pfarrerin Bärbel Mayer-Schärtel bei ihrem Grußwort.

 

Todsicheres Ende sorgt für Spannung

Bischof Rudolf zog den Vergleich zwischen Leben und Tod und einem Fußballspiel. Auch wenn das Spiel länger dauere als erwartet, es eine Verlängerung oder Elfmeterschießen gibt, müsse es irgendwann enden. Und nur weil das Spiel ein Ende habe, sei es spannend. „Es ist, wie man so schön sagt, todsicher, dass das Leben ein Ende hat. Und weil wir wissen, dass es ein Ende hat, hat das Leben so viel Gewicht“, so Bischof Rudolf. Es sei eine alte Lebensweisheit: „Der Tod gehört zum Sterben“. Dennoch würden die Menschen dagegen mittels Anti-Aging-Verherrlichung ankämpfen. Denn die Menschen wollen zwar alt werden, aber sie wollen nicht alt sein mit den einhergehenden Gebrechen. Doch die christliche Hoffnung laute: „Ich will nicht möglichst lange leben, ich will ewig leben bei Gott“, erklärt Bischof Rudolf.

 

Sternstunden des Lebens erkennen

Das Evangelium nach Lukas (LK 24, 13–35) erzählt von zwei Jüngern Jesu, die, nach dessen Tod am Kreuz, auf dem Weg nach Emmaus sind. Dabei begegnet ihnen der auferstandene Jesus, doch sie erkennen ihn nicht. Abends laden sie den „Fremden“ ein, mit ihnen zu speisen. Doch erst als Jesus das Brot bricht und an sie verteilt, erkennen sie ihn. Und die Jünger gehen nach Jerusalem, um den anderen Aposteln von Jesu Auferstehung zu berichten. Erst als Jesus vom Gast zum Gastgeber wird, das Brot bricht und die Apostel somit an das letzte Abendmahl erinnert, erkennen sie ihn. Die Menschen erkennen oftmals glückliche Momente und gute Dinge in ihrem Leben erst im Nachhinein. „Gerade die Sternstunden unseres Lebens erschließen sich erst im Nachdenken“, sagt Bischof Rudolf.

 

Palliativmedizinische Sterbebegleitung

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts hinsichtlich des Verbots der „geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ stehe im Kontext mit der „Woche für das Leben“, so Bischof Rudolf. Der Wunsch nach dem Tod rühre meist daher, dass man sehr leide, z.B. Angst vor dem Alleinsein oder große Schmerzen habe. Deshalb sei das Ziel nach christlicher Überzeugung nicht die aktive Sterbehilfe, sondern die umsorgende Sterbebegleitung: „Das Leben ist eine Gabe Gottes. Es ist anzustreben, nicht durch die Hand anderer zu sterben, sondern an der Hand von liebenden, sich sorgenden Menschen gehalten zu sterben“, erklärt Bischof Rudolf.

Oftmals sei der Sterbewunsch eines Menschen eigentlich ein Hilferuf: Der Betroffene wolle durchaus leben, nur nicht unter den gegebenen Bedingungen. „Als Christen dürfen wir nicht müde werden, die Angst der Betroffenen zu sehen und zu helfen“, betont Regionalbischof Stiegler. Palliativmedizinische Einrichtungen, wie das Johannes-Hospiz in Pentling, leisten wertvolle Hilfe. Für eine umsichtige Palliativversorgung brauche es Fachwissen, Kompetenz, Empathie und vor allem Menschen, die sich den Sterbenden hingeben, so der evangelische Regionalbischof Stiegler.

 

Pfarrerin Bärbel Mayer-Schärtel mit Bischof Rudolf Voderholzer und Regionalbischof Klaus Stiegler.