Nahaufnahme: Junger Mann raucht eine E-Zigarette, viel Rauch

Weltlungenkrebstag am 1. August

Vapes genauso gefährlich wie Tabak


Regensburg/Donaustauf, 30. Juli 2026

Am 1. August weist der Weltlungenkrebstag auf die häufigste Form der Krebserkrankung weltweit hin. Als Direktor der Klinik für Pneumologie am Caritas-Krankenhaus St. Maria gibt Prof. Dr. Maximilian Malfertheiner Einblick in Vorsorge und Therapie.

Herr Professor Malfertheiner, auch heuer wird am 1. August der Weltlungenkrebstag begangen. Was bedeutet dieser Tag für einen Lungenspezialisten wie Sie?

Prof. Malfertheiner: Ich nehme es positiv auf, dass es einen Weltlungenkrebstag gibt, der hoffentlich zunehmend Bewusstsein auf das Thema lenkt. Wir Ärzte nutzen den Weltlungenkrebstag, um auf die Gefahren des Krebses aufmerksam zu machen, auf seine Hauptursachen und um auf das neue Vorsorge-Screening hinzuweisen, das es seit diesem Frühjahr gibt.

Wie viele Menschen erkranken in Deutschland aktuell jährlich an Lungenkrebs, und wie gut sind deren Heilungschancen?

Jedes Jahr erkranken hierzulande etwa 25.000 Frauen an Lungenkrebs und über 33.000 Männer. In den 1990er-Jahren war es eine Seltenheit, wenn eine Frau Lungenkrebs hatte; es war quasi eine Männerkrankheit. Die Frauen holen hier leider auf. 

Zu den Heilungschancen kann ich pauschal sagen: Sie sind besser, je früher man den Krebs erkennt. Im Frühstadium sind Operation und Bestrahlung möglich. Wenn man ihn erst im Stadium 4 entdeckt, weil er sich zuvor nicht bemerkbar gemacht hat, sieht es schlechter aus. Dann hat der Krebs bereits im Körper gestreut. Auch dann gibt es spezifische Therapien, die weit über Chemotherapie hinaus gehen und oft über mehrere Jahre die Erkrankung kontrollieren. Nichtsdestotrotz beklagen wir jährlich 44.000 Todesfälle allein durch Lungenkrebs in Deutschland. 

Wenn Lungenkrebs im Frühstadium keine Beschwerden verursacht, was sollte mich zur Vorsorge treiben? Gibt es das überhaupt, Lungenkrebsvorsorge? 

Nur durch mein Risikoprofil komme ich auf die Idee, mich vorsorglich untersuchen zu lassen. Als langjähriger Raucher ist das einfach eine Vernunftentscheidung. Die Vorsorge, das Lungenkrebsscreening, ist ganz neu in Deutschland, das gibt es erst seit April 2026 als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Es ist nur für bestimmte Patienten mit einem Risikoprofil vorgesehen. Sie müssen zwischen 50 und 75 Jahre alt und langjährige aktive oder ehemalige Raucher sein.

Gibt es diese Lungenkrebsfrüherkennung auch schon in St. Maria? 

Wir sind gerade dabei, die Strukturen zu etablieren und hoffen, das Screening in Kürze anbieten zu können. Die nötigen Weiterbildungen für die Ärzte haben wir alle bereits absolviert. Aber ein paar Themen sind noch zu klären. Der Weg zur Lungenkrebsfrüherkennung würde dann über den Hausarzt zu uns führen. Er klärt ab, ob die Voraussetzungen gegeben sind. 

In den meisten Fällen wird Lungenkrebs in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Welche Beschwerden haben Betroffene?

Es gibt mehrere Hinweise, die dringend ärztlich abgeklärt werden sollten. Die wichtigsten sind ein unerklärlicher Gewichtsverlust, hartnäckigerer Husten, eventuell mit blutigem Auswurf, Atemnot und Brustschmerzen. Ein Symptom allein reicht im Grunde aus, um alarmiert zu sein, aber oft treten mehrere Symptome zusammen auf. Oft kommen die Menschen mit einem dringenden Krebsverdacht zu uns, und eine Gewebeentnahme bei uns im Haus sorgt schließlich für Klarheit.

Welche Therapien werden in St. Maria bei Lungenkrebs angeboten?

Operiert wird bei uns in Donaustauf nicht; alle anderen medikamentösen und modernen Tumortherapien bieten wir an. Unser Team besteht aus Spezialisten mit teils jahrzehntelanger Erfahrung. Gleichzeitig ist es uns Verpflichtung, hier weiter voranzuschreiten. Wir bauen deshalb gerade eine neue Tagesklinik für ambulante Tumortherapien in St. Maria.

Voranschreiten ist ein gutes Stichwort: Kann man in St. Maria auch an Therapiestudien teilnehmen, um von neuesten Erkenntnissen zu profitieren?

Wir sind Kooperationspartner des Lungenkrebszentrums am Universitätsklinikum Regensburg. Dadurch versuchen wir, den Patientinnen und Patienten immer die neuesten Therapien für ihren Einzelfall anzubieten. Jeder Fall wird im interdisziplinären Tumorboard besprochen und die für den Patienten aktuell beste Therapie gewählt.

Rauchen ist Risikofaktor Nummer 1 für Lungenkrebs; das ist allseits bekannt. Rauchen die Leute heute weniger als vor 20 Jahren? Gesundheit und Fitness sind ja groß im Trend.

So einfach ist es leider nicht. Ich sehe zwei Probleme: Die Menschen mit Lungenkrebs haben meist vor 15 Jahren geraucht, denn Lungenkrebs kommt nicht sofort. Er hat eine lange Entstehungsgeschichte. Wenn es irgendwann weniger Krebsfälle wegen Tabakverzichts gäbe, dann wäre das erst weit in der Zukunft. Dagegen spricht leider die riesige Auswahl an Vapes und Ersatzprodukten, die Sie an jeder Tankstelle, in jedem Supermarkt bekommen. Die sind genauso gefährlich wie Tabak, und gerade die Jugend greift dazu. Letztlich weiß kein Mensch, was die langfristig in der Lunge anrichten. 

Wenn Sie heute einen Wunsch frei hätten: Was würden Sie sich zum Weltlungenkrebstag wünschen?

Ich habe drei Wünsche! Einerseits, dass die Beschränkungen für Vapes stärker werden, um die jungen Leute zu schützen. Da ist das europaweite Verkaufsverbot von Einweg-Vapes ab 2027 schon ein guter Schritt. Zweitens, dass die langjährigen Raucher das neue Vorsorgeangebot wahrnehmen. Und als drittes wünsche ich mir, dass die Menschen auch mit fortgeschrittenem Lungenkrebs zuversichtlich bleiben. Es gibt immer mehr Betroffene, die wir ganz spezifisch behandeln können, sodass sie häufig noch viele Jahre mit guter Lebensqualität haben können. 

Interview: Katja Vogel/Caritas-Krankenhaus St. Maria

(kw)

Weitere Infos

Zur Person:

Prof. Dr. med. Maximilian Malfertheiner ist Direktor der Klinik für Pneumologie am Caritas-Krankenhaus St. Maria in Donaustauf. Er ist Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Intensivmedizin und in verschiedenen Fachgesellschaften aktiv, darunter der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) sowie Mitgründer der Nachwuchsorganisation Young DGP. Unter Prof. Malfertheiners Leitung wird in der Fachklinik St. Maria das gesamte Spektrum akuter und chronischer Erkrankungen der Atemwege und der Lunge behandelt.



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