Meßkelche, Regensburg

Eucharistie wird immer seltener zelebriert

Kein Weg zu weit


Trier / Regensburg, 30. Juli 2026

Immer weniger Priester, immer weniger Eucharistiefeiern: Für Margarete Eirich ist das kein Grund, auf die Messe zu verzichten. Sie wirbt dafür, auch weitere Wege in Kauf zu nehmen – denn die Eucharistie sei die geistliche Nahrung, von der Kirche und Gläubige leben. Jacqueline Straub sprach mit der Theologin und Publizistin.

In Ihrer Publikation «Verwandelnde Mitfeier der Eucharistie» schreiben Sie, dass es heutzutage ein «Unterfangen» sei, vom Messopfer zu sprechen. Kann man heutzutage diesen Begriff und das, was dahintersteckt, überhaupt noch plausibel erklären?

Margarete Eirich: In allen Zeiten war es notwendig, Glaubensinhalte zu erläutern und verständlich zu erklären. Auf die Krise in der Katechese hat aber bereits 1983 Kardinal Ratzinger hingewiesen. Viele zentrale Glaubensinhalte und Begriffe sind seit langem unklar. Hinzu kommt der Relativismus. Man meint, nicht mehr von Überwindung, Leid und allem, was mit Opfer verbunden wird, sprechen zu können. Umso notwendiger ist es, diesen zentralen Begriff der Erlösungslehre zu erläutern.

Eucharistie wird noch immer mit den Begriffen Opfer und Sühne in Verbindung gebracht. Das schreckt viele ab. Wie ist das in einen heutigen Sprachgebrauch zu übersetzen?

Eirich: Es ist die tiefste Feier des Geheimnisses der Liebe Gottes: Christi einzigartiges Opfer am Kreuz wird vergegenwärtigt. Aus dieser Fülle dürfen wir bis heute schöpfen. Er hat «mit dem einen Opfer für immer alle vollendet, die sich heiligen lassen» (Mediator Dei). Das Sühnopfer Christi ist «ein heilender Akt der versöhnenden Liebe des menschgewordenen Gottes» (JRGS 11, 648), es ist Erlösung. Es dient der Verwandlung des Menschen, damit er gottgemäss das heisst Liebe wird.

Viele Menschen verstehen heute gar nicht mehr, welche Bedeutung die Eucharistie hat. Wie würden Sie es diesen Menschen in wenigen und plausiblen Sätzen erklären?

Eirich: Die Heilige Messe schenkt der Kirche Leben und verwandelt sie. Sie nährt sich am Tisch des Wortes (Wort Gottes) und am Tisch des Brotes (Leib Christi). Wir hören Gottes Wort, das uns auf das folgende grossartige Geschehen vorbereitet. Es folgt die Verwandlung von Brot und Wein sowie der ganzen Welt. Durch ihre tätige Mitfeier werden die Gläubigen in den Leib Christi hineinverwandelt und dürfen als Höhepunkt den Herrn empfangen.

Das ist die sehr klassische Erklärung von Eucharistie.

Eirich: Wenn jemand berichten würde, dass Jesus Christus heute an einem bestimmten Ort auftreten und zu den Menschen sprechen wolle, würden die Menschen dorthin in Scharen strömen. Aber wenn wir in der Eucharistiefeier sein Wort hören und er sich uns selbst schenkt, dann strömen keine Scharen. In jeder Heiligen Messe begegnet uns Jesus persönlich. Dadurch ist sie ein unerschöpflicher Schatz.

Sie schreiben, dass die Erneuerung der Kirche wesentlich von der Eucharistie ausgeht. Wie kann das konkret gelingen?

Eirich: Die Eucharistiefeier ist ein Verwandlungsgeschehen. Nicht nur Brot und Wein werden verwandelt, sondern auch die ganze Schöpfung – insbesondere die Menschen (Geschöpfe). Doch nicht nur das. Die Gläubigen sind auch eingeladen in Freiheit daran mitzuwirken. Ihre tätige Mitfeier bei der Messe war ein Kernanliegen des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Was genau meint das?

Eirich: Dies meint weniger äusseres Tun, als vielmehr eine innere rege Mitfeier. Dafür ist es hilfreich, sich über Bücher oder Glaubenskurse immer mehr in das Geheimnis zu vertiefen. Kurz gesagt meint es das Wort Gottes offen aufzunehmen, bei der Gabenbereitung alles hinzugeben, sich aktiv in das Verwandlungsgeschehen hineinnehmen zu lassen, dem Herrn einen Empfang zu bereiten und das Brot des Lebens offen und bereit zu empfangen. Die Kommunion, die Vereinigung mit Jesus Christus, ist der dichteste Moment, bei dem ich seine Liebe aufnehmen und ihm mein Herz ausschütten kann.

Viele Katholiken besuchen regelmässig die Messe, erleben sie aber oft als Routine. Was kann helfen, die Eucharistie neu zu entdecken?

Eirich: Heute gehen die Menschen doch eher aus Überzeugung zur Heiligen Messe. Zugegeben die innere Struktur wiederholt sich. Doch das schafft auch Vertrautheit. Diese half mir im Ausland immer wieder ohne Kenntnis der Sprache aktiv mitfeiern zu können. Wenn es einmal sehr trocken wird, können wir den Herrn auch bitten uns zu helfen.

Sie greifen die Konzilsaussage auf, dass die Kirche «durch die Eucharistie lebt und wächst». Woran wird das heute sichtbar?

Eirich: Sie lebt und wächst aus der Eucharistiefeier, weil in ihr Jesus Christus selbst gegenwärtig wird und sich den Gläubigen als geistige Nahrung schenkt. Die Gläubigen nähren sich durch das Wort Gottes und schöpfen aus dem angesprochenen Verwandlungsgeschehen. Geistige Früchte sind aber nicht immer «sichtbar», weil sie geistig sind. Augenscheinlich werden diese jedoch vielfach dort, wo eine schöne Liturgie gefeiert wird und die Gläubigen innerlich tätig mitfeiern.

Was bedeutet das für Gemeinden, in denen die Eucharistie immer seltener gefeiert wird, weil es an geweihten Priestern fehlt.

Eirich: Wie wir für unsere leibliche Nahrung bereit sind zum nächsten Supermarkt zu fahren, so auch für die geistliche Nahrung – auch wenn ich keinesfalls die Kirche mit einem Supermarkt vergleichen möchte. Was für eine wertvolle Speise dürfen wir in jeder Heiligen Messe doch empfangen!

Text: Kath.ch

(SG / sig)

Weitere Infos

Dr. Margarete Eirich ist Theologin, Betriebswirtin und Pädagogin, war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Trier, ist seither Publizistin und Sprecherin im christlichen Radio und Fernsehen. Ihr Buch «Verwandelnde Mitfeier der Eucharistie» ist im Regensburger Verlag Friedrich Pustet erschienen.



Nachrichten