News Bild Weihbischof Pappenberger feierte mit Gläubigen 125 Jahre Kloster Reichenbach

Weihbischof Pappenberger feierte mit Gläubigen 125 Jahre Kloster Reichenbach

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125 Jahre ist dies nun her, dass die ersten Barmherzigen Brüder mit vollgepackten Rucksäcken die Straßen Reichenbachs durchquerten, um dort ihr Kloster zu errichten. Über die Pfisterstraße hinauf zum Klosterberg zogen deshalb am Sonntagvormittag auch die Reichenbacher, um dieses Jubiläum zu feiern.

Alles begann 1889 in einem Zugabteil. Dort erzählte ein Karmelitenpater dem Frater Cajetan Pflügl, damals Prior der Barmherzigen Brüder in Attl, dass die Diözese Regensburg in Reichenbach klösterliches Leben ansiedeln lässt. Der Frater war gleich begeistert, Verhandlungen wurden aufgenommen. Am 5. Mai 1891 erhielt der Reichenbacher Prior Frater Paulus Schmid vom Königlichen Bezirksamt in Roding schlussendlich die Erlaubnis zur Errichtung einer Pflegeanstalt.

 

Dank an die Barmherzigen Brüder für ihre Anwesenheit und ihren Dienst

Im Innenhof des Klosters Reichenbach angelangt, hießen die Gläubigen Weihbischof Reinhard Pappenberger mit Gesang willkommen. „Wir sind heute zusammengekommen, um den Barmherzigen Brüdern für 125 Jahre Anwesenheit und Dienst an diesen Ort zu danken“, begrüßte der Weihbischof die Anwesenden. Aufeinander schauen, füreinander empfinden und einander zu pflegen. All diese Werte, betonte Pappenberger, werden auch in Zukunft ein Grundpfeiler der Mitmenschlichkeit bleiben. Diese Werte verkörpere auch Papst Franziskus, wenn er das Jahr der Barmherzigkeit ausruft. Schon der heilige Papst Johannes XXIII. war bereit, die Kirche dorthin zu bewegen, wo sie gebraucht wird. Seitdem, erinnert Weihbischof Reinhard, sind die Päpste nicht müde geworden, Barmherzigkeit zu predigen. Das sei keine heiße Luft, sondern der immerwährende Appell, der die Herzen der Menschen der Gegenwart erreichen soll; eine Probe, ob unser Handeln, Reden und Tun miteinander im Einklang sind. Auch nach den Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg vor 70 Jahren waren die Menschen herausgefordert, zu überlegen, wie es künftig weitergeht. Sie entschieden sich für eine Grundordnung: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist unser aller Verpflichtung. „Aber die Antworten, wenn man nachfragt, was denn Würde sei, werden immer dünner“, erklärte Weihbischof Pappenberger. „Das Grundgesetz gibt einen Richtungsimpuls vor.“ Schließlich heiße es in der oft vergessenen Präambel: Alles was wir tun, was uns herausfordert, wozu wir uns verpflichtet fühlen, hat mit der Verantwortung vor Gott zu tun.

 

„Eine Ordensfrau, Isa Vermehren, hat mich sehr beeindruckt und eine spannende Spur gelegt. Sie fragte sich, worin die Würde des Menschen liegt“, führte Weihbischof Pappenberger weiter aus. So habe die Würde tatsächlich etwas mit einem Wert zu tun – nämlich dem, den der Mensch hat. Hier sei dennoch Vorsicht geboten; nicht Materielles sei hier gemeint. Dies meine jedoch die derzeitige Generation, da sie glaubt, es sich leisten zu können. Hierbei beschädigen sie allerdings den Wert und die Würde des Menschen. „Es gibt niemanden, der aus welchen Gründen auch immer, weniger wert ist als ein anderer. Denn in der Würde gibt es keine Unterschiede“, so der Weihbischof. Würde und Werte haben stattdessen mit Werden zu tun. „Der Mensch wird nicht durch sich, sondern durch andere“, das habe schon die Ordensschwester erkannt. Würde und Wert des Menschen liegen somit nicht in seinem Tun, Können oder Vermögen, sondern wie man damit umgeht. „Wir sind in das Werden gerufen. Jeder darf in Gottes Augen sein.“

 

Weihbischof Pappenberger forderte deshalb auf, sich das Handeln der Barmherzigen Brüder zum Vorbild zu nehmen: „Weil wir die Kraft haben, die anderen nicht als Last, sondern als Brüder und Schwestern zu sehen“. Im Anschluss an die Predigt ließen die Gläubigen deshalb 125 Luftballone mit dem Wahlspruch „Das Herz befehle“ und einer Postkarte in den tiefblauen Himmel steigen.

 

Vertreter aus Kirche und Politik gratulierten

Wie wichtig die Dienste der Barmherzigen Brüder für die Gesellschaft sind, zeigten auch hochrangige Vertreter aus Kirche und Politik auf. Pater Generalprior Jesus Etayo Arrondo aus Rom unterstrich noch einmal die Bedeutung des Ordens mit rund 400 Einrichtungen in 55 verschiedenen Ländern auf fünf Kontinenten. „Reichenbach ist ein gutes Beispiel für die Arbeit, die der Orden weltweit zum Wohl von behinderten Menschen leisten will.“ Auch der Oberpfälzer Bezirkstagspräsident und Landrat Franz Löffler lobte den Orden: „Die zahlreichen Kontakte mit den Menschen hier vor Ort haben mich überzeugt. Ich denke, dass die Menschen mit Behinderung, die hier leben und ihre Angehörigen die lebensstärkende Arbeit, die hier geleistet wird, wahrnehmen“. Reichenbachs Bürgermeister Franz Pestenhofer verdeutlichte die Zugehörigkeit der Barmherzigen Brüder zum Gemeindeleben. Sie seien nicht nur einer der größten Arbeitgeber im Landkreis, sondern auch ein Beispiel für außerordentliche Kooperationsbereitschaft. Der Leitspruch des Ordensgründers Johannes von Gott „Das Herz befehle“ solle weiterhin auf dem Klosterberg wirken.