Weihbischof Graf segnet Frau mit Kopfreliquie

Weihbischof Dr. Josef Graf feiert Pontifikalamt zum Fest des Bistumspatrons St. Erhard

Licht des Glaubens in das Dunkel bringen


Regensburg, 8. Januar 2026

„Es ist mir eine große Freude, mit Ihnen das Fest unseres Nebenpatrons Bischof Erhard feiern zu können“, so Weihbischof Dr. Josef Graf zu den Gläubigen in der Niedermünsterkirche am Donnerstagabend, „sich dem Segen eines Heiligen zu unterstellen, heißt, seine Fürsprache zu erbitten und sich von ihm zu Christus führen zu lassen“. Mit Weihbischof Josef standen u.a. am Altar, vor dem das Hauptreliquiar des Missionsbischofs Erhard aufgestellt war, Stadtpfarrer Roman Gerl und Pfarrvikar Florent Mukalay Mukuba von der Dompfarreiengemeinschaft St. Emmeram - St. Ulrich.

Mönch, Wanderbischof und leuchtender Glaubensbote

Das Fest des Heiligen Erhard fällt in die Weihnachtszeit, so Weihbischof Josef in seiner Predigt, kurz nach Epiphanie, dem Fest der Erscheinung des Herrn, Gottes Sohn wird Mensch und kommt als das Licht der Welt zu allen Menschen. Das Tagesevangelium nach Matthäus, im Schlusskapitel, spricht von der Verheißung und dem Auftrag Jesu: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,18-19). In diese allumfassende Botschaft passe der Heilige Erhard sehr gut hinein. Der Mönch aus Südfrankreich habe als Wanderbischof im Elsass und in Bayern genau diesen Auftrag Jesu erfüllt, habe das Licht des Glaubens in die Dunkelheit des Unglaubens gebracht. Er wählte die bayerische Herzogsstadt Regensburg zum Stützpunkt seiner Missionsarbeit und starb um das Jahr 715 bzw. 717.

Den Menschen die Augen für den Glauben öffnen

„Es bewegt mich sehr“ bekannte Weihbischof Josef, „auf welch glaubensgeschichtlich bedeutsamen Boden wir hier in der Niedermünsterkirche stehen und die Heilige Messe feiern“. Bischof Erhard wurde nach segensreichem Wirken für die Verbreitung des Glaubens im Vorgängerbau der Niedermünsterkirche beigesetzt und am 8. Oktober 1052 von Papst Leo IX. heiliggesprochen, was damals durch die Erhebung der sterblichen Überreste „zur Ehre der Altäre“ vollzogen wurde. Papst Leo stammte wie die blind geborene Herzogstocher Odilia aus dem Elsass. Diese hatte Erhard getauft und ihr dadurch nicht nur das irdische Augenlicht geschenkt, sondern vor allem das Licht des Glaubens. Odilia wurde Ordensfrau und zur vielverehrten Patronin des Elsass. Diesen Auftrag, so betonte der Weihbischof, hätten auch wir heute, das Licht des Glaubens in das Dunkel zu bringen. Die frühen Missionare hätten dafür große Mühen auf sich genommen, mehr als wir heute. So schloss er seine Predigt mit den Worten: „Heiliger Erhard bitte für unsere Kirche, heiliger Erhard, bitte für unsere ganze Welt!“

Dem Segen des Heiligen unterstellt

Nach dem feierlichen Schlusssegen erfolgte die Erteilung des Einzelsegens durch die Auflegung des Hauptreliquiars des heiligen Erhard. Erst segnete Stadtpfarrer Roman Gerl Weihbischof Dr. Josef Graf mit dem Hauptreliquiar und dann der Weihbischof den Stadtpfarrer, die Konzelebranten, den Liturgischen Dienst und alle anwesenden Gläubigen. Dies geschah mit den Segensworten: „Auf die Fürbitte des Heiligen Bischofs Erhard segne und behüte dich der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.“ 

Stichwort: Heiliger Erhard von Regensburg

Um das Jahr 680 kam der wohl aus Frankreich stammende Wandermönch Erhard als Missionsbischof an den Hof der bayerischen Agilolfinger-Herzöge nach Regensburg. Noch bevor das Bistum Regensburg 739 durch den hl. Bonifatius kanonisch errichtet wurde, wirkte Erhard am Hofe von Herzog Theodo II. maßgeblich an der Christianisierung Bayerns mit. Heute befindet sich der Schädel des hl. Erhard in einer silbernen Kapsel aus dem Jahre 1653, die unter dem Reliquienschrein mit den restlichen Gebeinen im Nördlichen Nebenchor der Niedermünsterkirche ihren Platz gefunden hat. Neben dem hl. Bischof Wolfgang und dem hl. Bischof Emmeram ist er der dritte Bistumspatron. Erhard gilt als Helfer und Bewahrer vor Kopfweh und Augenleiden. Dargestellt wird er im bischöflichen Gewand mit einem Evangelienbuch, auf dem zwei Augen liegen. Sie weisen auf die Legende der Heilung der Blindgeborenen Herzogstochter Odilia hin, der er in der Taufe nicht nur die Augen des Leibes, sondern auch des Herzens öffnete.

Fotos und Text: Carl Prämaßing
(jas)



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