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Zur Neuigkeit
Vortrag von Bischof Dr. Voderholzer: Weihnachtskrippen als kulturelles Bindeglied zwischen Böhmen und Ostbayern
Versöhnung im gemeinsamen Blick nach Bethlehem
Regensburg, 17. Dezember 2025
Die Weihnachtskrippe ist in Böhmen und Ostbayern Ausdruck einer über Jahrhunderte gewachsenen religiösen und kulturellen Praxis. Sie verbindet Frömmigkeit, Handwerk und regionale Geschichte und verweist zugleich auf gemeinsame geistige Wurzeln beider Kulturräume. Diese verbindende Dimension der Krippenkultur stand im Mittelpunkt eines Vortrags von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer im AKUSO-Forum Regensburg.
Vom 28. November bis 23. Dezember 2025 ist das AKUSO Regensburg (Aktion Kultur Sozial) Veranstaltungsort der Ausstellung „Gesichter der Krippe“. Im AKUSO-Forum am Haidplatz 3 werden Fotografien von Gerald Richter gezeigt. Ergänzt wird die Präsentation durch eine neapolitanische Krippe im Schaufenster. Die Ausstellung ist Teil des ökumenischen Krippenwegs „Regensburg folgt dem Stern“, der am 27. November begann und am 29. November 2025 offiziell eröffnet wurde.
Im Rahmen der Ausstellung begrüßte Prof. Dr. Wolfgang Otto im AKUSO-Forum Bischof Dr. Rudolf Voderholzer. Wie Otto ausführte, sei die Idee zu einer Krippenausstellung im neu gegründeten Forum im Gespräch mit Gerald Richter entstanden, der von seiner Tätigkeit für die Kunstsammlungen des Bistums Regensburg berichtet habe. Rasch sei deutlich geworden, dass dieses Thema nicht allein eine Ausstellung, sondern auch eine vertiefende inhaltliche Einordnung erfordere. Für diese Aufgabe, so Otto, habe es eines besonderen Kenners bedurft – und dieser Kenner sei, wie es dem Thema angemessen sei, der Regensburger Diözesanbischof selbst.
Böhmen als Wiege der Weihnachtskrippe
Bischof Dr. Rudolf Voderholzer hielt anschließend einen Vortrag unter dem Titel „Weihnachtskrippen aus Böhmen und Ostbayern – völkerverbindendes christliches Brauchtum“. In seinen Ausführungen zeichnete Bischof Voderholzer eine kultur- und kirchengeschichtliche Entwicklung nach, die sich exemplarisch am Beispiel der Weihnachtskrippe ablesen lasse.
Im Zentrum des Vortrags stand eine von Bischof Voderholzer klar formulierte Feststellung: Böhmen sei die Wiege der Weihnachtskrippe. Dabei handle es sich nicht um eine romantische Zuschreibung, sondern um eine kulturgeschichtlich belegbare Tatsache. Kaum eine Region Europas habe die Entstehung, Ausformung und Verbreitung der Krippe so früh, so vielfältig und so nachhaltig geprägt wie Böhmen. Von dort aus habe sich eine Frömmigkeitsform entwickelt, die weit über politische, sprachliche und territoriale Grenzen hinausgewirkt habe.
Konzil von Trient und jesuitische Prägung
Die geistigen Wurzeln dieser Entwicklung verortete Bischof Voderholzer im 16. Jahrhundert, in der Epoche des Konzils von Trient. In einer Zeit tiefgreifender religiöser Auseinandersetzungen habe sich die Kirche bewusst zur Bedeutung der Anschauung bekannt. Glaubensinhalte sollten nicht allein begrifflich vermittelt, sondern sichtbar und erfahrbar werden. Die Weihnachtskrippe, so führte Bischof Voderholzer aus, sei Ausdruck dieses theologischen Ansatzes: keine bloße Illustration, sondern eine Darstellung des Heilsgeschehens im Raum.
Als entscheidenden Träger dieser Entwicklung benannte Bischof Voderholzer den Jesuitenorden. Die ignatianische Spiritualität, die den Menschen dazu einlade, sich innerlich in das biblische Geschehen hineinzuversetzen, habe in der Krippe eine besonders anschauliche Form gefunden. Bereits 1562 sei in der Prager Jesuitenkirche eine Weihnachtskrippe bezeugt – einer der frühesten bekannten Nachweise. Von Prag aus habe sich die Krippenfrömmigkeit über Böhmen verbreitet, getragen von einem dichten Netz jesuitischer Bildungs- und Missionsorte.
Gemeinsame Krippenkultur in Böhmen und Ostbayern
Von dort aus lenkte Bischof Voderholzer den Blick nach Ostbayern. Böhmen, Niederbayern und die Oberpfalz bildeten kirchen- und kulturgeschichtlich seit Jahrhunderten einen zusammenhängenden Raum. Orte wie Prag, Eger (Cheb), Amberg, Straubing und Regensburg seien Knotenpunkte eines geistlichen Netzwerks gewesen, in dem sich Frömmigkeitsformen, Bildtraditionen und handwerkliche Stile gegenseitig beeinflusst hätten. Krippenformen seien über Grenzen hinweg weitergegeben, übernommen und vor Ort weiterentwickelt worden. Die Krippenkultur Ostbayerns, so betonte Bischof Voderholzer, sei ohne Böhmen nicht zu verstehen – ebenso wenig umgekehrt.
Zugleich machte Bischof Voderholzer deutlich, dass diese Tradition von Anfang an verbindend gewirkt habe. Die böhmische Krippenfrömmigkeit sei kein ausschließlich deutsches Phänomen gewesen. Vielmehr habe sie deutsche und tschechische Bevölkerungsschichten gleichermaßen geprägt. Die Krippe entwickelte sich zu einem gemeinsamen kulturellen Ausdruck, lange bevor politische Entwicklungen dieses Gemeinsame überlagerten oder gar durch Kriege zerstörten.
Die Krippe als Bild der Hoffnung
Im weiteren Verlauf seines Vortrags kehrte Bischof Voderholzer auf Otfried Preußler zurück und vertiefte dessen Gedanken zur gemeinsamen Krippenkultur. Er erinnerte daran, dass die von Preußler beschriebenen Krippenfiguren ihre Vorbilder auf ganz unterschiedlichen Weihnachtskrippen im nördlichen Böhmen hätten – ausdrücklich auf tschechischen wie auf deutschen. Entscheidend sei dabei nicht ihre jeweilige Herkunft, sondern die gemeinsame Bewegung: Alle Figuren seien unterwegs zu einem Ziel, zum Stall von Bethlehem.
In diesem Zusammenhang erinnerte Bischof Voderholzer daran, dass es vor rund drei Jahren gelungen sei, einen Teil jener Krippe, die nach dem Tod Otfried Preußlers auf dessen Erben aufgeteilt worden war, für eine Ausstellung in Klattau (tschechisch: Klatovy) als Leihgabe zu gewinnen. Diese Krippe stehe exemplarisch für Völkerverständigung in der Krippenkunst.
Preußlers Gedanke, so führte der Bischof aus, verdichte sich im friedlichen Miteinander der Figuren deutscher und tschechischer Herkunft zu einem Gleichnis: zu einem Bild für jenen Ausgleich zwischen den Völkern Mitteleuropas, der im 20. Jahrhundert mit seinen Weltkriegen sowie Flucht und Vertreibung nicht zustande gekommen sei. Mit diesem Bild verbinde sich zugleich eine Hoffnung für kommende Generationen und für Menschen guten Willens – nicht nur zur Weihnachtszeit.
Die Weihnachtskrippe erscheine damit, so Bischof Voderholzer, nicht nur als Rückblick, sondern als Auftrag für die Gegenwart: als Bild eines gemeinsamen Unterwegsseins jenseits nationaler Gegensätze, als zeitgemäßer Beitrag zu einer erneuerten Volksfrömmigkeit und zugleich als Zeichen eines besonderen kulturellen Gutes, dessen Wert es zu erkennen und zu schätzen gelte – gerade vor dem Hintergrund der Geschichte und mit Blick auf die Zukunft. Zugleich spiegle die Krippe nicht nur anschaulich die Welt der Theologie, sondern vermittle das Geheimnis des Glaubens in sichtbarer Form; sie werde so zu einer anschaulichen Vergegenwärtigung des Mysteriums Jesu Christi.
Zum Abschluss überreichte Prof. Dr. Wolfgang Otto dem Regensburger Diözesanbischof eine selbstgebaute, tragbare Krippe als Zeichen der Verbundenheit mit dem Thema des Abends.
Der Vortrag im AKUSO-Forum machte deutlich: Für Bischof Dr. Rudolf Voderholzer ist die Weihnachtskrippe weit mehr als überliefertes Brauchtum. Böhmen als ihre historische Wiege erinnere daran, dass christliche Kultur von ihrem Ursprung her verbindend angelegt sei – und dass Versöhnung dort beginne, wo gemeinsame Bilder gemeinsam betrachtet werden.
Hinweis:
Die Tiefe der behandelten Themen, die Gedankenführung sowie die auf einzelne Regionen zugeschnittenen Erläuterungen, die Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in seinem Vortrag entfaltete, lassen sich hier nur ausschnitthaft wiedergeben. Wer sich für diese geistige Fülle der Krippenwelt, ihre Geschichten und die dahinterstehende Theologie interessiert, dem sei als ergänzende Lektüre das jüngste Buch des Bischofs „Krippenschauen. Eine kleine Hinführung zum Christentum“ empfohlen.
Text und Fotos: Stefan Groß
Unser Titelbild zeigt Bischof Dr. Rudolf Voderholzer mit Prof. Dr. Wolfgang Otto.




