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Von Waldmünchen nach Ast

Waldmünchner Pferdewallfahrt

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Regensburg/Waldmünchen, 9. September 2022

Seit Jahrhunderten ziehen in Bayern Wallfahrer betend zu den Gnadenstätten, um an den „heiligen Orten“ dem Himmel ein Stück näher zu sein. Zu den ältesten bekannten Wallfahrten zählt die Kirche „Maria Himmelfahrt“ in Ast, einem Ortsteil von Waldmünchen in der Oberpfalz. Bereits im Jahr 1409 wird die Wallfahrt erstmals erwähnt. Der Wallfahrtsort mit seiner über 750-jährigen Geschichte liegt eingebettet in Wiesen, Wald und Felder.

Wallfahrt Ast

Der Legende nach geht der Bau der Kirche auf das Gelübde einer Gräfin zurück. Als der Wagen der Adligen auf dem Weg nach Böhmen durch den dichten Böhmerwald fuhr, sollen die Kutschpferde von Fliegen und Bremsen so arg geplagt worden sein, dass sie nicht mehr zu halten waren. Die Tiere rasten durch den Wald und die Kutsche drohte zu zertrümmern. In ihrer Verzweiflung habe die Gräfin Gott und die Muttergottes angerufen und versprochen, „unserer Lieben Frau zu Ehren“ an der Stelle eine Kirche zu bauen, an der die Gefahr ohne Schaden vorüber wäre.

Beim Fällen der Bäume für den Kirchenbau sei auf dem Ast eines Baumes ein Muttergottesbild gefunden worden, so die Legende weiter. Das Bild erhielt einen Platz im neuen Gotteshaus und brachte der Kirche den Namen „Ast“ ein. Schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts pilgerten die Menschen mit ihren Anliegen zur Wallfahrtskirche.

Bewegte Geschichte

Mit der Einführung des Calvinismus in der Oberpfalz Ende des 16. Jahrhunderts wurden aus der nun calvinistischen Kirche in Ast sämtliche Altäre und Bilder, darunter das von den Wallfahrern verehrte Muttergottesbild, entfernt. In der Gegenreformation wurden Ort und Kirche wieder katholisch und Kötztinger Wallfahrer stifteten bei der Wiederbelebung der Wallfahrt ein neues Gnadenbild, das sich bis heute im Hochaltar der Kirche befindet.

Nach dem Wiederaufleben der Wallfahrten kamen Pilger bis aus Böhmen nach Ast. Hauptfeste waren Mariä Heimsuchung am 2. Juli und Mariä Himmelfahrt am 15. August. Im 17. Jahrhundert wurde auch die ursprünglich gotische Kirche zur Barockkirche umgestaltet.

Wallfahrt Waldmünchen

Auch die Wallfahrt zur Pfarrkirche St. Stephan in Waldmünchen geht auf ein Gnadenbild zurück. Ein Schiffsmann, der auf der Donau in Not geraten war, soll ein Muttergottesbild von Wien nach Waldmünchen gebracht haben, zum Dank dafür, dass sein Schiff auf wundersame Weise ohne menschliches Zutun wieder freigekommen war. Das Gnadenbild wurde zum Ursprung der Waldmünchner Wallfahrt. Das Mirakelbuch zeugt von der großen Zahl der Pilger, die mit ihrem Anliegen zur Muttergottes nach Waldmünchen gekommen sind. Auffallend ist das Aussehen der Muttergottes; es erinnert an die Madonna von Tschenstochau in Polen.

Eine Besonderheit der heutigen Pfarrkirche ist auch der Kirchturm. Im Jahr 1553 als „Beobachtungs- und Feuerwachturm“ erbaut, ist er noch heute im Besitz der Stadt.

Pferdewallfahrt im September

Einmal im Jahr sind die beiden alten Wallfahrtskirchen „Mariä Himmelfahrt“ und die Stadtpfarrkirche „St. Stephan“ gemeinsames Wallfahrtsziel. Alljährlich am zweiten Sonntag im September zieht eine Reiterprozession von Waldmünchen nach Ast. Schon am frühen Sonntagmorgen kommen die Reiter mit ihren geschmückten Pferden zum Waldmünchner Marktplatz, wo sich der Wallfahrertross versammelt. Unter Glockengeläut verlassen die Teilnehmer die Stadt und reiten betend und singend zur Wallfahrtskirche nach Ast.

 

Text und Bild: Judith Kumpfmüller