News Bild Viele Welten - Eine Kirche: Junge Erwachsene aus dem Bistum auf Begegnungsreise in Myanmar

Viele Welten - Eine Kirche: Junge Erwachsene aus dem Bistum auf Begegnungsreise in Myanmar

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Gespannte Neugier auf beiden Seiten - sicher eine gute Voraussetzung für die Begegnungsreise von zwölf jungen Erwachsenen aus dem Bistum Regensburg Anfang März ins südostasiatische Myanmar, das frühere Birma. "Während meines Studiums war ich ein halbes Jahr in Deutschland und habe am Sonntag in der Kirche keine Gleichaltrigen gesehen", so eine Stipendiatin aus Myanmar. "Da war ich schon gespannt, wer da zu uns kommt." Umgekehrt war noch keiner der Regensburger jungen Erwachsenen vorher in dem Land gewesen, in dem 80 Prozent der Bevölkerung Buddhisten sind und die Katholiken gerade mal ein Prozent der Bevölkerung ausmachen. In den neun Tagen im Land sollte sich zeigen, dass die unterschiedlichen Glaubens- und Lebenserfahrungen für beide Seiten zu einem großen Gewinn wurden.

Die Beziehungen zwischen dem Bistum Regensburg und der Katholischen Kirche in Myanmar reichen bis ins Jahr 2001 zurück. Zur Zeit der damaligen Militärdiktatur startete das Bistum zusammen mit dem Katholischen Akademischen Ausländer-Dienst (KAAD) und der katholischen Assumption Universität in Bangkok ein Stipendienprogramm für Weltchristen zum Studium in Bangkok. Mehr als ein Dutzend der inzwischen 80 Absolventinnen und Absolventen organisierten die Tage und begleiteten abschnittweise die Tour. Ziel war es, junge kirchlich engagierte Leute aus beiden Ländern zusammenzubringen. In den letzten Jahren waren Kardinal Charles Maung Bo von Yangon beim Katholikentag in Regensburg und Generalvikar Michael Fuchs bei der Fünfhundertjahrfeier der Katholischen Kirche in Yangon. Ihn hatten Land und Kirche so tief beeindruckt, dass er vorgeschlagen hatte: "Das sollen auch junge Leute aus Regensburg erleben!"

Zusammen mit den Partnerinnen und Partnern in Myanmar haben das Programm Ruth Aigner von der Fachstelle Weltkirche, Jugendpfarrer Christian Kalis und Gregor Tautz als Beauftragter des Bistums für das Myanmarprojekt zusammengestellt. Mit der Siebenmillionenstadt Yangon und den mitten in Reisfeldern gelegenen Pfarreien im Deltagebiet des Irrawaddy im Bistum Pathein waren die Gegensätze des Landes im Programm gut abgebildet.

 

Kirchlich Engagierte aus beiden Ländern treffen zusammen

Alle Regensburger Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die über das Bischöfliche Jugendamt eingeladen worden waren, sind kirchlich engagiert, sei es in der Landjugend, bei Kolping oder in der Ministrantenarbeit. Dies war Voraussetzung für eine Teilnahme an der vom Bistum finanziell unterstützten Reise. Dieses Engagement war auch wesentlich für den lebendigen Austausch während der Tage. Nicht nur die Gastgeber berichteten von ihren Projekten mit Straßenkindern oder dem noch im März anstehenden Treffen von über 2000 Jugendlichen aus ganz Myanmar in der Diözese Pathein. Auch die Regensburger trugen mit ihren Erfahrungen zum Austausch bei.

Kirche an der Seite der Armen

Die Stationen, die die Gruppe besuchte, waren sehr verschieden, hatten aber eines gemeinsam: Überall bemüht man sich um die Ausgegrenzten und von großem Elend bedrohten Menschen, um Katholiken, aber immer auch um Angehörige anderer Religionen. Das ist programmatisch für die kleine Minderheit der Katholiken. Sie will zeigen: Uns ist über der Zerrissenheit in Ethnien und Religionen hinweg das Wohl der ganzen Gesellschaft wichtig und nicht nur das der eigenen Gruppe. An vielen Stationen konnten die Regensburger auch erleben, wo frühere Stipendiaten arbeiten, die sich zu einer "MyanKAAD-Alumniassoziation" zusammengeschlossen haben.

Drei Alumni arbeiten zum Beispiel in einem Projekt der Kirche zur Lehrerbildung. Einige wirken an einer neu gegründeten kirchlichen Highschool in Pathein als Lehrer und in der Konzeption der Schule. Eine Stipendiatin hat eine eigene Schule für Englisch und Computeranwendung gegründet. Andere arbeiten für die Caritas, internationale Hilfsorganisationen oder für die neue Regierung.

Kardinal Bo: Unterstützung aus Regensburg schon während der Militärdiktatur

Die Gruppe hatte auch die Ehre, von Kardinal Charles Maung Bo zu einem Gedankenaustausch eingeladen zu sein. Aufmerksam hörte er den Regensburgern zu und stellte bei der Ministrantenarbeit interessiert Nachfragen. Auch in Myanmar ist man in der "neuen Zeit" nach der Militärdiktatur und einer rasanten Öffnung des Landes auf der Suche nach neuen Konzepten der Jugendarbeit. Der Kardinal berichtete, dass alle 16 Bistümer in Myanmar darin übereinstimmen, dass Bildung eines der Schlüsselthemen der Kirche ist. Ohne sie hat die Jugend in einer sich entwickelnden internationalen Wirtschaft keine Zukunft. Gerade auf diesem Hintergrund sei das Stipendienprogramm des Bistums Regensburg, des KAAD und der Assumption Universität eine wichtige und auf langfristige Wirkung angelegte Hilfe. Für diese Unterstützung bedankte er sich nachdrücklich und herzlich, insbesondere dafür, dass diese Unterstützung schon lange vor dem Ende der Militärdiktatur eingesetzt hat. Als Überraschung zeigte er die Räume, in denen Papst Franziskus Ende November letzten Jahres gewohnt hatte. Sie werden in Erinnerung an den Papstbesuch nicht verändert.

Der zweite Teil der Reise führte in das Irrawaddy-Delta der ländlich strukturierten Diözese Pathein. Besuche in Waisenhäusern und der neuen Schule der Diözese, ein Gespräch mit Bischof John und den Verantwortlichen des Bistums und vor allem ein Tag und eine Nacht in kleinen Gruppen in drei entlegenen Dörfern zeigten, wie arm die Bevölkerung leben muss und wie lebendig der Glaube unter diesen Umständen ist.

Tief beeindruckt hat alle Regensburger der tiefe und auch nach außen sichtbare Glaube, der den Menschen in für uns unvorstellbar schwierigen Situationen Halt gibt. Auch die Gottesdienste und deren aktive Mitfeier und das Engagement der Kirche für die Ärmsten haben sich eingeprägt. "Wir könnten uns da eine Scheibe abschneiden", kommt bei der Auswertung immer wieder. Ebenso: "In diesen Tagen haben wir Weltkirche lebendig erfahren - und ich bin froh, ein Teil davon zu sein", so eine andere Stimme.

Ausführliche Berichte zu den einzelnen Tagen finden Sie auf der Homepage des Bistums im Myanmar-Reiseblog.