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Verwirrung im Kindergarten

Christkind oder Weihnachtsmann – wer bringt die Geschenke?

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Regensburg, 20. Dezember 2022

Es ist eine wahre Begebenheit, die sich so in der Oberpfalz zugetragen hat: Völlig aufgelöst erscheint eine Mutter während der Adventszeit im Kindergarten. Man habe ihrer Tochter den Glauben an den Weihnachtsmann genommen, das könne und werde sie nicht zulassen. Wie man dazu käme zu behaupten, das Christkind würde die Geschenke bringen! Dabei wisse doch jeder, dass der Weihnachtsmann am Heiligen Abend zu den Kindern kommt. Zurück blieben eine ratlose Erzieherin und die Frage: Wer ist der Weihnachtsmann und was hat es mit dem Christkind auf sich?

Warten aufs Christkind

Tatsache ist, dass in Altbayern das Christkind die Geschenke bringt. Daran hat nach neuesten Erkenntnissen auch der immer präsentere Weihnachtsmann nichts ändern können. Aber Deutschland ist gespalten. Wo genau die Grenze zwischen den Zuständigkeitsbereichen von Christkind und Weihnachtsmann verläuft, lässt sich so genau nicht sagen. Fest steht, dass die Kinder in Süd- und Westdeutschland auf das Christkind warten, während im Norden und Osten nach dem Weihnachtsmann Ausschau gehalten wird.

Evangelische Wurzeln

Auch wenn man es im erzkatholischen Altbayern nicht recht glauben kann, das Christkind geht zurück auf Martin Luther. Bis ins 16. Jahrhundert brachte der heilige Nikolaus am 6. Dezember auch im Luther’schen Haushalt Geschenke für Kinder und Gesinde. Da der Reformator die Heiligenverehrung ablehnte, entschied er sich, dass der „Heilige Christ“, wie Luther das Jesuskind nannte, als Gabenbringer Nikolaus ersetzen sollte. Und um gleichzeitig die Bedeutung des Weihnachtsfestes zu unterstreichen, wurde die Bescherung in den protestantischen Gegenden auf den 25. Dezember gelegt.

Das Christkind

Aus dem „Heiligen Christ“ entstand schließlich das engelsgleiche Christkind. Mit zunehmender Beliebtheit des Weihnachtsfestes und des Christkindes wurde der Geschenktermin um 1900 auch in den katholischen Gebieten vom Nikolaustag auf Heiligabend verschoben und das Christkind als Gabenbringer übernommen. Mit der Reformation führte dann auch die lutherische Kirche den Heiligabend als Tag der Bescherung ein.

Baby auf Schaffell liegend inmitten von Stroh

Der Weihnachtsmann

Die Gestalt des Weihnachtmannes geht auf die Legenden um den heiligen Nikolaus von Myra zurück. Er lebte im 4. Jahrhundert im Gebiet der heutigen Türkei und wurde schon früh als Wohltäter und Schutzpatron der Kinder verehrt. Bereits im Mittelalter besuchte ein als Nikolaus verkleideter Mann die Familien und brachte kleine Geschenke.

Im 19. Jahrhundert hat sich das heutige Bild des Weihnachtsmanns aus einer Mischung von Sankt Nikolaus, Knecht Ruprecht und anderen regionalen Begleitern weiterentwickelt. Der aus dem Jahr 1835 stammende der Text des bekannten Weihnachtsliedes von Hoffmann von Fallersleben „Morgen kommt der Weihnachtsmann, kommt mit seinen Gaben“ zeigt, dass schon im Biedermeier der Weihnachtsmann als Gabenbringer bekannt war.

Santa Claus

Auch der amerikanische Santa Claus geht auf den heiligen Nikolaus zurück. Europäische Einwanderer brachten den Nikolausbrauch mit in die neue Heimat. So feierten man besonders in den niederländischen Kolonien alljährlich im Dezember das Sinterklaasfest. Sankt Nikolaus war auch der Schutzpatron von Nieuw Amsterdam, dem heutigen New York. Und aus Sint Nicolaas oder Sinterklaas wurde schließlich der Santa Claus.

Weltweite Berühmtheit

Sein heutiges Aussehen, das oft einem Werbeplakat für Coca-Cola zugeschrieben wird, hat Santa Claus einem deutschen Einwanderer zu verdankten. Ganz nach dem Vorbild der „Pelznickel“ in seiner pfälzischen Heimat entwarf der Zeichner Thomas Nast bereits Mitte des 19. Jahrhunderts einen rundlichen Weihnachtsmann mit roten Backen, Rauschebart, rotem Mantel einer pelzbesetzten Zipfelmütze. Erst 1931 griff Coca-Cola diese Vorlage auf und machte so den Weihnachtsmann zur erfolgreichen Werbefigur.

Weltweite „Berühmtheit“ erreichte er allerdings erst als populäre amerikanische Märchengestalt der weihnachtlichen Zeit, die als Vorlage unzähliger Filme und Fernsehproduktionen diente und so auch in Deutschland eine wachsende Anhängerschar fand.

Text: Judith Kumpfmüller

Titelbild: stock.adobe.com/k2photostudio