News Bild "Unter vier Bischöfen der Kirche und der Kunst gedient" - Museumsleiter und Bischöflicher Konservator Dr. Hermann Reidel wurde in den Ruhestand verabschiedet

"Unter vier Bischöfen der Kirche und der Kunst gedient" - Museumsleiter und Bischöflicher Konservator Dr. Hermann Reidel wurde in den Ruhestand verabschiedet

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Das jährliche Sommerfest des Regensburger Diözesanmuseums ist eigentlich immer ein freudiger Anlass. Dieses Jahr mischte sich aber auch ein wenig Wehmut mit hinein. Nach 35 Jahren als Bischöflicher Konservator und 30 Jahren als Leiter der Bischöflichen Kunstsammlungen wurde Dr. Hermann Reidel (65) am vergangenen Wochenende von Generalvikar Prälat Michael Fuchs in den Ruhestand verabschiedet. Schon bei der Begrüßung durch Domkapitular emeritus Prälat Peter Hubbauer, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, wurde anhand der umfangreichen Gästeliste deutlich, wie viel Dr. Hermann Reidel in all den Jahren in Sachen Kunst und Kirche bewegt hat: Vertreter aus dem kirchlichen und kulturellen Leben, Mitarbeiter und Mitstreiter, vor allem aber Künstler aus der Region. Frei nach Heinz Rühmann brachte es Prälat Hubbauer auf den Punkt: "Manchmal muss einer gehen, damit so viele kommen!"

 

Würdigung, Dank und Verabschiedung

Der Regensburger Künstlerseelsorger Msgr. Dr. Werner Schrüfer würdigte Dr. Reidel als einen "Mann, fest verwurzelt im christlichen Glauben und der Tradition und den Traditionen der Kirche". Im Blick auf das bekannte Wort - um dessen Urheberschaft sich Thomas Morus und Gustav Mahler streiten -  „Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme“, lobte er Reidels Talent, "Verständnis zu wecken für das Überlieferte, das Alte wie das Neue aufzuschließen". Gerade im Projekt "Da-Sein in Kunst und Kirche" habe sich gezeigt, dass Reidel kein Theoretiker sei sondern ein Mann der Praxis, der dafür Sorge getragen habe, "dass Kunst... zur Hilfestellung... für das seelsorgerische Wirken der Kirche werden kann".

Im Namen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sprach Dr. Friedrich Fuchs, stellvertretender Leiter der Kunstsammlungen, die Dankesworte und hob besonders zwei Eigenschaften Dr. Reidels hervor: die stete Offenheit für alles Neue und die persönliche Begabung zur internationalen Netzwerkarbeit, was sich auch immer durch die fachlichen Nachfragen aus aller Welt gezeigt habe. Er habe das Haus gut bestellt, das er seiner Nachfolgerin Dr. Maria Baumann nun übergebe. Auch in Zukunft sei er ein gerngesehener Gast und gefragter Ratgeber in den Bischöflichen Museen.

 

Generalvikar Prälat Michael Fuchs, der im Auftrag von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer die Verabschiedung vornahm und dessen Grüße vom Weltjugendtag in Krakau übermittelte, warf mit den Anwesenden einen Blick in die äußerst bewegte Biographie Dr. Reidels. Er erinnerte an Ausstellungen wie "Denkmal und Denkmalpflege DDR" (1990), "Moderne Kunst aus dem Vatikan des 20. Jahrhunderts" (1998) oder an "Discover Sudan" (2008) - drei von rund 150 Ausstellungen, für die sich Reidel verantwortlich zeichnete. Auch die Sanierung und Neugestaltung des Domschatzes (Wiedereröffnung 2002), die Renovierung und Neukonzeptionierung des "document Niedermünster" (Wiedereröffnung 2011) oder die Förderung zeitgenössischer und regionaler Künstler durch Dr. Reidel rief Prälat Fuchs noch einmal in Erinnerung. Sein ehrenamtliches Engagement blieb hier nicht unerwähnt, ob bei der katholischen Studentenverbindung Rupertia, dem päpstlichen Orden der Grabesritter oder im Geschichts- und kulturverein Kumpfmühl, um nur einige zu nennen. "Gott möge Ihnen vergelten", so schloss der Generalvikar seine Worte, "was sie geschaffen und geschafft haben. Vielen Dank!"

Dr. Herrmann Reidel hält Rückschau

Seit 1981 war er als Bischöflicher Konservator und seit 1986 als Leiter der Bischöflichen Kunstsammlungen tätig. Von 1995 bis 2007 hatte der geborene Regensburger und Vater zweier Töchter sogar die Aufgabe eines Konsultor (Ratgeber) der Päpstlichen Kommission für die Kulturgüter der Kirche inne. Am 29. Juli 2016 war nun sein letzter Arbeitstag. Wenn er nun Rückschau hält, dann gehen ihm verschiedene Gedanken durch den Kopf: "Diese Stelle, die vor über dreißig Jahren neu geschaffen wurde, muss, wie in anderen Diözesen, weiter ausgebaut werden. Es ist eine große Aufgabe, das kulturelle Erbe der Kirche zu bewahren und zu sammeln, wissenschaftlich aufzuarbeiten aber auch die Gegenwart mit einzubeziehen. Das ist ja besonders bei aktuellen Kirchensanierungen ein ganz wichtiger Punkt. " Auch der Dialog mit den Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts dürfe da nicht zu kurz kommen. Ihm sei es immer sehr wichtig gewesen, neue Künstler zu entdecken, zu fördern und die moderne Kunst auch zu den Gläubigen in die Gemeinde zu bringen, so wie das im Projekt "Da-Sein in Kunst und Kirche" verfolgt wird.

 

Höhepunkte in den 35 Jahren seines Wirkens als Museumsleiter und Bischöflicher Konservator gab es sehr viele, so z.B. die Faksimilierung eines Evangeliars mit über 200 Illustrationen des zeitgenössischen Künstlers Fritz Baumgartner, das später auch Papst Johannes Paul II. überreicht werden konnte. Gerne denkt Dr. Reidel auch zurück an Ausstellungen mit Werken zeitgenössischer Künstler aus Regensburg in der Ruine des Emmaus-Klosters in Prag (1992) oder in der römischen Kirche Santa Maria degli Angeli e dei Martiri (2011), anlässlich des 6. Jahrestages des Pontifikates von Papst Benedikt XVI., der die Ausstellung auch in cognito besuchte. Angst vorm Ruhestand hat Dr. Reidel nicht, Familie und Vereinsarbeit sowie die Mithilfe bei der Gesamtinventarisation im Rahmen der Umsiedlung der Kunstsammlungen in das neue Zentraldepot würden bei ihm keine Langeweile aufkommen lassen.

 

Kirche und Kunst im Bistum Regensburg

Umgangssprachlich ist gerne vom Diözesanmuseum die Rede, streng genommen handelt es sich dabei aber um drei Museen: Domschatz – Museum St. Ulrich – Museum Obermünster, die in den Kunstsammlungen im Bistum Regensburg zusammengefasst sind und für die Dr. Hermann Reidel seit dem 1. Januar 1986 als Leiter verantwortlich war. In diesen drei Einrichtungen werden Gemälde, Skulpturen und Goldschmiedekunst vom 11. ins 21. Jahrhundert für die Besucher erlebbar gemacht. Sie bilden einen spannenden Kontrast der künstlerischen Auseinandersetzung mit Fragen des Glaubens in verschiedenen Kunstepochen, vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Weitere Informationen findet man unter www.bistumsmuseen-regensburg.de