Abt und Priester am Grab von Pater Handgrätinger

Trauerfeier und Beisetzung von Altabt Thomas Handgrätinger in Windberg

„In manus tuas – In deine Hände“


Windberg, 3. August 2026 

Ein starker Händedruck, der im Gedächtnis bleibt, und eine Lebenshaltung des tiefen Vertrauens: Die Trauerfeier für den verstorbenen ehemaligen Generalabt der Prämonstratenser, Pater Thomas Handgrätinger, stand ganz im Zeichen seines prägenden Wahlspruchs „In manus tuas – In deine Hände“. Vor einer großen Trauergemeinde wurde in der vollbesetzten Abteikirche das geistliche Erbe eines Mannes gewürdigt, dessen Wirken weit über die Grenzen Niederbayerns hinausreichte. 

Der gebürtige Ulmer, der 1994 nach 200 Jahren wieder der erste Abt für Windberg wurde und den Prämonstratenserorden von 2003 bis 2018 von Rom aus weltweit leitete, verstarb im Alter von 83 Jahren nach schwerer Krebserkrankung. Zu den engsten Trauernden gehörten sein älterer Bruder Horst und sein Zwillingsbruder Rolf mit ihren Familien sowie weitere Verwandte.

Das überwältigende Fundament des Abschieds bildete eine große, internationale Trauergemeinde. Zahlreiche Bischöfe, Äbte, Prioren, Generaloberinnen und Ordensfrauen sowie weitere Ordensmitglieder aus ganz Europa und den umliegenden Klöstern waren zusammengekommen. Ebenso politische Mandatsträger, der Freundeskreis der Abtei und viele Weggefährten. Unter den weit gereisten Gästen und Weggefährten befanden sich Vertreter aus Holland, Belgien, Österreich, Indien, Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Frankreich und ganz Deutschland.

Ein „Baumeister der Einheit“ im Chorgestühl

Eindrucksvoll seien sie gewesen, die großen Hände von Pater Thomas, betonte Abt Petrus Adrian Lerchenmüller zu Beginn seiner Predigt. Sie galten als sein unverkennbares Markenzeichen und standen symbolisch für das, was sein gesamtes Ordensleben ausmachte: menschliche Nähe, dienende Zuwendung und die seltene Gabe des echten Zuhörens. In genau diese Hände hatten die Mitbrüder der Kanonie Windberg einst ihre Profess versprochen. Die bewegende Predigt von Abt Petrus Adrian Lerchenmüller stellte seinen Lebensweg ganz unter das Leitwort seines Wahlspruchs „In manus tuas – In deine Hände“ und würdigte neben seinen großen Verdiensten – wie dem jahrzehntelangen Aufbau der Windberger Jugendbildungsstätte oder der Wiederbesiedlung des Klosters Roggenburg – auch seinen Dienst als Generalabt für die weltweite Prämonstratenserfamilie. Nach 15 Jahren im vatikanischen Rampenlicht kehrte Pater Thomas 2018 in den Ruhestand nach Windberg zurück. Mit einer beispiellosen Bescheidenheit fügte er sich wieder in das klösterliche Leben ein. Er zog in ein einfaches Zimmer, legte Ring und Pektorale ab und nahm seinen schlichten Platz im Chorgestühl ein. Bis zu seinen letzten Stunden blieb sein Geist wach. Nur wenige Stunden vor seinem Tod feierte die Hausgemeinschaft mit ihm die Krankensalbung. In einer ergreifenden Geste wies er den Mitbrüdern den Weg zu seinen Insignien, legte sein Brustkreuz an eine brennende Kerze und steckte sich ein allerletztes Mal den Abtsring selbst an den Finger, bevor er friedlich einschlief. Er blieb der „Baumeister der Einheit“ im Glauben und im Dienst am Nächsten tief verwurzelt. Abt Petrus Adrian verdeutlichte, wie diese starken Hände im Laufe der Jahrzehnte auf vielfältige Weise als „Hand und Herz Gottes“ in der Welt wirkten, und rief dazu auf, seine Werte wie die Zuneigung zur Gemeinschaft, die offene Begegnung und den liebevollen Dienst am Menschen mit einem weiten Herzen in den Alltag zu tragen. Am Altar feierte er anschließend gemeinsam mit Generalabt Jos Wouters und Prior Pater Martin Müller unter der Assistenz von Diakon Andreas Dieterle die Eucharistie zusammen mit der großen versammelten Trauergemeinde.

Große Dankbarkeit der Diözese

Weihbischof Dr. Josef Graf würdigte in Vertretung von Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer und im Namen des Bistums Regensburg das herausragende Lebenswerk von Pater Thomas. In einer bewegenden Ansprache dankte er dem Verstorbenen für seinen jahrzehntelangen, unermüdlichen Dienst an den Menschen und der Kirche. Für Generationen von Gläubigen, Mitarbeitern und Wegbegleitern verkörperte Pater Thomas über viele Jahre hinweg das offene, einladende Gesicht sowie die ausgestreckten Hände der Abtei Windberg. Ein besonderer Schwerpunkt seines Wirkens lag in der Jugend- und Bildungsseelsorge. Über 20 Jahre lang leitete er mit großem persönlichem Charisma, tiefer Verwurzelung im christlichen Menschenbild und einem besonderen Gespür für junge Menschen die dortige Jugendbildungsstätte. Weit über die Grenzen des Klosters hinaus prägte er als Kreisjugendseelsorger die regionale Jugendarbeit. „ Weil er selbst zutiefst im christlichen Menschenbild verwurzelt war und eine gesunde, vollkommen bodenständige Frömmigkeit und Spiritualität lebte, konnte er jungen Menschen ein echtes Vorbild sein und prägte maßgeblich deren Herzensbildung“, so der Weihbischof, der die authentische Spiritualität  auch für kommende Generationen würdigte. Nicht zuletzt als Religionslehrer gab Pater Thomas  sein großes pädagogisches Talent weiter und war ein geschätzter Referent in der Fortbildung von Religionslehrkräften im Bistum Regensburg. Neben seinem pädagogischen Engagement zeichnete sich Pater Thomas durch ein hohes Maß an Führungsverantwortung aus. Als langjähriger Prior und 46. Abt führte er die Windberger Gemeinschaft in einem stets engen und harmonischen Miteinander mit der Diözese. Im Jahr 2000 übernahm er zusätzlich die Administration der Oberpfälzer Prämonstratenser-Abtei Speinshart, bevor er aufgrund seiner Charismas im Jahr 2003 schließlich als Generalabt nach Rom berufen wurde, um den gesamten weltweiten Orden zu leiten. Nach seiner Rückkehr aus Rom im Jahr 2018 blieb er seiner Heimatabtei im Ruhestand treu. Bis ins hohe Alter und solange es seine gesundheitlichen Kräfte erlaubten, stand er weiterhin als äußerst beliebter Firmenspender und Seelsorger im Dienst des Bistums Regensburg. Zum Abschluss seiner Rede fand der Weihbischof geistliche Worte des Abschieds und wünschte ihm, dass er nun Gott von Angesicht zu Angesicht schauen dürfe. Das Bistum Regensburg werde ihn für immer in dankbarer Erinnerung behalten und bleibt der Abtei Windberg weiterhin tief verbunden.

Würdigung durch weitere Weggefährten aus Kirche und Politik

In den weiteren Ansprachen wurde das vielschichtige Wirken des Verstorbenen noch einmal von verschiedenen Seiten beleuchtet. Für die weltweite Gemeinschaft des Ordens sprach Generalabt Jos Wouters OPraem aus Frankreich und betonte, dass Thomas Handgrätinger seine Aufgaben stets als Dienst verstand, um Gemeinschaft – communio -  konkret aufzubauen. Die Spaltung zwischen dem erhabenen Ideal und der alltäglichen Praxis habe ihn nie zynisch gemacht. Er trug die Lasten des Alltags und des Alters stets mit Humor, guter Laune und unerschütterlicher Zuversicht. Bleibenden Eindruck hinterlässt er mit seiner Art als aufmerksamer Zuhörer, mit seiner Beteiligung an Gesprächen, mit seinen morgendlichen Spaziergängen in den jeweiligen Klostergärten der Welt. Für die politische Gemeinde Windberg verabschiedete sich Bürgermeister Helmut Haimerl von einem außergewöhnlichen Mitbürger. Er würdigte Pater Thomas als verlässlichen Partner der Kommune und Förderer des gesellschaftlichen Miteinanders. Als Zeichen des tiefen Dankes hatte die Gemeinde ihm bereits im Jahr 2003 die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Letzte Ruhestätte im Konventgrab

Besonders berührend war die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes. Organist Peter Hilger, die Schola der Pfarrei Windberg sowie Jakob Friede an der Geige liehen der Trauerfeier einen würdevollen und tiefgehenden Rahmen. Beim Auszug aus der Kirche ertönte schließlich das tröstliche Lied „Geh in Gottes Frieden“.

Unter dem Gesang der versammelten Trauergemeinde, die zum Abschluss des Requiems das Lied „Zum Paradies mögen Engel dich geleiten“ anstimmte, trugen die Mitbrüder den mit einem Sonnenblumenarrangement geschmückten Sarg aus der Pfarrei- und Klosterkirche. Nun hat Pater Thomas im Konventgrab am Windberger Friedhof seine letzte Ruhestätte gefunden. Am offenen Grab erklang dabei das gemeinsame Taizé-Halleluja, das sich Pater Thomas ausdrücklich gewünscht hatte und auf die Hoffnung auf die Auferstehung hinwies. Nach der Beisetzung waren alle Trauergäste zu einem gemeinsamen Essen in den Räumen des Klosters und der Jugendbildungsstätte eingeladen. In diesem Rahmen wurde bei vielen Gesprächen noch lange und intensiv in persönlicher Weise an Pater Thomas erinnert.     

Text und Fotos: © Irmgard Hilmer 
(jas)



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