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Zur Neuigkeit
Christen im Gaza-Streifen
Zwischen Trümmern und Vergebung
Gaza-Stadt / Regensburg, 25. August 2026
Die christliche Gemeinde im Gazastreifen lebt nach Worten des katholischen Pfarrers Gabriel Romanelli inmitten schwerer Verwüstungen und unter weiter dramatischen Bedingungen. Zugleich versucht die kleine Gemeinde, ihren muslimischen Nachbarn zu helfen und trotz der erlittenen Gewalt ohne Rachegedanken zu leben, sagte der Priester beim Katholikentreffen in Rimini; er war per Video aus Gaza zugeschaltet.
Romanelli berichtete beim Katholikentreffen in Rimini aus Gaza; er war per Video aus Gaza zugeschaltet. Von den mehr als 1.100 Christen vor dem 7. Oktober 2023 seien noch 541 katholische und orthodoxe Christen in Gaza geblieben, hielt Romanelli fest. 60 Christen seien während des Krieges umgekommen. Er beschrieb Gaza als einen Ort, an dem die Katastrophe aus den Schlagzeilen verschwunden sei, nicht aber aus dem Alltag. Seit dem sogenannten Waffenstillstand im Oktober 2025 habe sich die Lage zwar verbessert, doch auch im Stadtzentrum gebe es weiter Bombardierungen. Für die 2,3 Millionen Menschen fehle es an praktisch allem.
„Es ist, als ob ihr euch an den Tsunami von 2004 erinnert, der uns bewegt hat, als wir die Zerstörung ganzer Bevölkerungen gesehen haben – aber als ob nach diesem Tsunami niemand der Bevölkerung zu Hilfe kommen würde“, so Romanelli. Viele Menschen lebten unter Stoffbahnen, auf Straßen oder in den Resten ihrer Häuser; Trinkwasser und Wasser zum Waschen müssten sie täglich neu suchen. Die katholische Gemeinde versucht nach seinen Angaben zugleich, Menschen in der Umgebung zu versorgen. Aus einer Zisterne unter der lateinischen Kirche pumpt die Pfarrei Wasser und verteilt es derzeit an mehr als 400 Familien auch aus der muslimischen Nachbarschaft. Ein Generator versorge außerdem die Schule, zwei Häuser der Schwestern von Mutter Teresa und eine Klinik, die das Lateinische Patriarchat gemeinsam mit dem Malteserorden eröffnet hat. Diesel koste derzeit etwa zehn Euro pro Liter, so Romanelli.
Besonders beschäftigt die Pfarrei die Zukunft der Kinder. Von drei katholischen Schulen in Gaza ist nach Romanellis Angaben nur die kleine Pfarrschule geblieben. Im vergangenen Jahr hatte sie 270 Schüler; zwei weitere katholische Schulen hatten etwa 700 beziehungsweise 1.250 Schüler. Nun wolle die Gemeinde, wenn es möglich sei, bis zu 1.000 Kinder aufnehmen. „Die muslimischen Kinder sind auch unsere Kinder“, erklärte Romanelli. Ziel sei es, wenigstens einen Ort der Ruhe und des Friedens zu schaffen, während Hunderttausende Kinder seit drei Jahren keine reguläre Schule mehr besuchten.
Romanelli verband diese Arbeit mit der Haltung der christlichen Gemeinde gegenüber Gewalt. „Nie habe ich bei irgendjemandem aus unserer christlichen Gemeinschaft, auch bei unseren Nachbarn, irgendeinen Wunsch nach Rache gesehen, und das ist schon ein Schatz“, sagte der Pfarrer. Zugleich betonte er die Grenze der eigenen Kräfte: „Es ist wahr, es ist hart, denn wir sind keine Helden, und deshalb brechen unsere Kräfte manchmal zusammen.“ In der täglichen Messe, in der Predigt und in der stillen Anbetung bete die Gemeinde um Vergebung und Frieden für alle.
Als Beispiel nannte Romanelli den 17. Juli 2025. Ein Angriff auf das Gelände der Pfarrei habe drei Christen das Leben gekostet und zwölf Menschen verletzt. Noch am selben Tag habe sich die Gemeinde nach Krankenhaus- und Friedhofsbesuchen zum Gebet in der Kirche versammelt: „Niemand, niemand, niemand wollte Rache, bat nicht einmal um Gerechtigkeit, obwohl es eine richtige Sache ist, um Gerechtigkeit zu bitten; sie baten um Vergebung, um Barmherzigkeit, um Frieden für alle.“
Für den Pfarrer gehört diese Haltung zum christlichen Zeugnis in Gaza. Die Gemeinde sei klein und verletzlich, solle aber Frieden säen und von Gerechtigkeit sprechen. Dazu gehöre auch, Kindern trotz Krieg Raum für Spiele, psychologische Hilfe und religiöse Angebote zu geben. Romanelli fasste diese Hoffnung am Ende mit einem Bild aus der Tiefe des Glaubens zusammen: „Das letzte Wort ist nicht das Kreuz. Das Kreuz ist auch in unserem Leben ein notwendiges Wort; aber das endgültige Wort ist die Auferstehung. Und wir müssen dieses österliche Geheimnis im täglichen Leben erfahren.“
Text: Vatican News
(sig)




