Fötus im Mutterleib

Theologin Westerhorstmann kritisiert kfd-Papier zu Abtreibung

„Sicher nicht katholisch“


Regensburg, 19. Juni 2026

Die Theologin Katharina Westerhorstmann hat das Positionspapier der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) zu Abtreibungen scharf kritisiert: „Dass sich die kfd vom eindeutigen Schutz des menschlichen Lebens an dessen Anfang verabschiedet, ist erschütternd – und ist sicher nicht ‚katholisch‘“, schrieb sie in einem Beitrag für die Zeitschrift Communio.

Westerhorstmann lehrt Theologie und Medizinische Ethik an der Franciscan University of Steubenville, konkret am Campus Gaming in Österreich. Ihre Kritik richtete sich gegen ein elfseitiges Papier, das die kfd am vergangenen Wochenende auf ihrer Bundesversammlung in Mainz mit großer Mehrheit beschlossen hatte. Es trägt den Titel „Zwischen Lebensschutz und Selbstbestimmung: Positionen und Perspektiven der kfd zu § 218 StGB“ und enthält die Forderung, „dass Schwangerschaftsabbrüche auch in katholischen Krankenhäusern möglich sein müssen“.

„Es geht um die Wiederbelebung eines sozialistischen Verständnisses des Schwangerschaftsabbruches als legitimer Selbstbestimmung der Frau (bei gleichzeitigem Anspruch auf soziale Unterstützungsleistungen)“, schrieb die Theologin. Gerade darin liege der Widerspruch des Papiers, so Westerhorstmann weiter. „Trotz der Ablehnung von Autorität und Hierarchie (hier der männlichen), offenbart das Papier letztlich eine rücksichtslose Dominanz der Geborenen über die Ungeborenen.“

Auch den Umgang der kfd mit der Lebensschutzbewegung kritisierte die Theologin. Der Text belege christliche Lebensschützer mit dem Verdacht, sich in der Nähe zur politischen extremen Rechten zu befinden: „Obwohl man die Forderung erhebt, Polarisierungen sollen vermieden werden, verfällt man immer wieder in genau diese. So hält man Lebensschutzverbänden vor, sich einseitig nur gegen den Abbruch und für das Austragen des Kindes [einzusetzen], jedoch [übersieht man], dass Lebensschutz das ganze menschliche Leben umfassen müsse“, schrieb Westerhorstmann.

Auch der emeritierte Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen hatte das Abtreibungs-Papier scharf kritisiert und gesagt das Dokument sei Vieles, aber „katholisch ist es nicht“, wie CNA Deutsch berichtete. Unter der aktuellen Gesetzeslage werden in Deutschland jährlich mehr als 100.000 ungeborene Kinder straffrei im Mutterleib getötet. Zwischen 1996 und 2023 wurden Schätzungen zufolge rund 1,8 Millionen Kinder abgetrieben.

Menschliches Leben steht nach kirchlicher Lehre von der Empfängnis an unter dem besonderen Schutz Gottes. „Mit der Petrus und seinen Nachfolgern von Christus verliehenen Autorität bestätige ich daher in Gemeinschaft mit den Bischöfen der katholischen Kirche, daß die direkte und freiwillige Tötung eines unschuldigen Menschen immer ein schweres sittliches Vergehen ist“, hielt Papst Johannes Paul II. in der Enzyklika Evangelium vitae (1995) fest.

Text: CNA Deutsch

(sig)



Nachrichten